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Kritik am Medikationsplan

Eppendorfer Dialog konstatiert kleinen Schritt zu mehr Arzneimitteltherapiesicherheit

HAMBURG (tmb) | Von Ärzten und Apothekern wurde bereits viel Kritik am neuen bundeseinheitlichen Medikationsplan geäußert. Dies geschah auch beim 20. Eppendorfer Dialog am 6. Dezember in Hamburg. Dennoch zeichnete sich der Konsens ab, den Plan immerhin als einen ersten Schritt in Richtung auf mehr Arzneimitteltherapiesicherheit zu sehen, so klein dieser Schritt auch sein mag.

Für Prof. Dr. Gerd Glaeske, Universität Bremen, ist die Interprofessionalität wesentlich, um die Versorgung der ­Patienten zu verbessern. Der Medikationsplan sei wiederum ein wichtiges Hilfsmittel, um diese Zusammenarbeit zu organisieren. Während die Akutversorgung in Deutschland sehr gut sei, sieht Glaeske großen Nachholbedarf bei der Dauerversorgung. Die Idee von „chronic care“ sei hier nicht umgesetzt, insbesondere wenn ein ­Patient mehrere Ärzte aufsucht. Arzt, Apotheker und Patient müssten jederzeit denselben Informationsstand über die Medikation haben, forderte Glaeske. Außerdem müssten die Gleichberechtigung zwischen den Professionen und die Evaluationskultur verbessert werden.

Foto: Agentur Beck und Partner
Teilnehmer des 20. Eppendorfer Dialogs (v. l.): Dr. Thomas Müller-Bohn, Dr. Ulf Maywald, Prof. Dr. Gerd Glaeske, Dr. Monika Schliffke, Prof. Dr. Edgar Franke, Prof. Dr. Achim Jockwig (Moderator und Gastgeber).

Nötige Nachbesserungen

Dr. Ulf Maywald, AOK plus, hob den Kontrast zwischen dem neuen Medi­kationsplan und dem viel weiter entwickelten ARMIN-Projekt hervor. Bei ARMIN beginne die Betreuung in der Apotheke mit dem Brown-bag-Review, die Medikation werde elektronisch erfasst und auch die Kommunikation finde elektronisch statt. Dies alles ­vermisst Maywald beim bundeseinheitlichen Medikationsplan. Weitere Schwächen seien das Risiko der Unvollständigkeit und Produktangaben ohne Pharmazentralnummer. Außerdem sollten Änderungen elektronisch abgeglichen und die Inhalte hinsichtlich der Arzneimitteltherapiesicherheit geprüft werden, forderte Maywald.

Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der KV Schleswig-Holstein, konstatierte große Schwächen in der Umsetzung von verordneten Arzneitherapien, weil viele Patienten die Arzneimittel nicht oder in veränderter Dosis anwenden. Dagegen könnten Medika­tionspläne jedoch wenig helfen. Außerdem beklagte Schliffke, der neue Plan sei „betriebswirtschaftlich ein Flop“ für die Arztpraxis, weil der geringen Gebühr neben dem Aufwand hohe Preise für Lizenzen gegenüber stünden. „Zukunft geht anders“, folgerte Schliffke und verwies auf alternative Lösungen mithilfe von Apps, bei denen der Patient Herr seiner Daten sei.

Rolle der Apotheker

DAZ-Redakteur Dr. Thomas Müller-Bohn betonte den Kontrast zwischen den Angeboten der Apotheker im ­Rahmen der patientenorientierten Pharmazie und der nicht honorierten Nebenrolle der Apotheker beim neuen Medikationsplan. Außerdem bemängelte er inhaltliche Schwächen des Plans, der nur eine Liste sei, die mit einem rein technischen Vorgang erstellt werden könne. Nötig sei ein aktueller Plan, bei dem zumindest Doppelverordnungen und andere grobe Fehler korrigiert seien. Trotzdem empfahl Müller-Bohn, den „Plan“ als ersten Schritt zur patientenorientierten Pharmazie zu bewerben. Künftig sollte jedoch die Apotheke mit ihrer idealen Schlüsselstellung in der Arzneimittelversorgung besser für die Betreuung der Patienten genutzt werden.

Prof. Dr. Edgar Franke, Vorsitzender des Bundestags-Gesundheitsausschusses, griff diesen Aspekt auf. Insbesondere nach dem EuGH-Urteil stelle sich die Frage nach der Rolle der Apotheker. Die Reaktion auf das Urteil werde sich mittelbar auch auf die Umsetzung des Medikationsplans auswirken, erwartet Franke. Sein Fazit aus der Veranstaltung sei, dass die Politik mit dem Plan immerhin einen ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht habe. Außerdem zeigte er sich offen, künftig das Potenzial der Apotheker mehr zu nutzen. |

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