Arzneimittel und Therapie

Kein Ausweg aus der Depression

Antidepressiva helfen Älteren kaum

Depressionen können in jedem Alter auftreten. Aufgrund der Lebenssituation ergeben sich bei Senioren aber Besonderheiten im Krankheitsbild und in der Therapie. So sprechen einer aktuellen Metaanalyse zufolge ältere Patienten nur unzureichend auf Antidepressiva an.

Man schätzt, dass in Europa 10 bis 15% der Älteren unter Depressionen leiden. Für Bewohner von Altersheimen scheint die Rate noch höher zu liegen. Doch trotz dieser hohen Prävalenz werden Depressionen älterer Menschen häufig nicht erkannt oder nur unzulänglich therapiert. Ferner ist unklar, wie Therapieerfolge bei Patienten unter einer medikamentösen Behandlung einzuschätzen sind.

Mit dieser Frage befasste sich eine schwedische Metaanalyse. Sie griff auf zwölf Studien zurück, in denen Wirksamkeit und Sicherheit unterschiedlicher Antidepressiva bei über 65-jährigen Patienten mit Major Depressive Disorder (MDD) mit einer Placebo-Behandlung verglichen worden waren. Von besonderem Interesse waren dabei Remissions- und Responderraten, die Wirksamkeit bei der Rückfallverhütung sowie unerwünschte Wirkungen. Hier die wichtigsten Aussagen der Metaanalyse:

  • Die Mehrzahl der Studienteilnehmer erreichte innerhalb der achtwöchigen akuten Behandlungsphase keine Remission.
  • Sowohl im Hinblick auf die Remission als auch auf das Therapieansprechen nach einer achtwöchigen Behandlung waren selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) einer Placebo-Gabe nicht überlegen.
  • Was die Prävention eines Rückfalls anbelangte (Erhaltungstherapie), so waren SSRIs wirksamer als Placebo.
  • Nach einer wiederaufgetretenen Depression (Rezidiv) wurden mit einer achtwöchigen Duloxetin-Einnahme höhere Remissions- und Ansprechraten erzielt als unter Placebo, dies allerdings auf Kosten einer höheren Nebenwirkungsrate.

Suche nach prognostischen ­Parametern

Die Studienautoren weisen auf die begrenzte Aussagekraft dieser Metaanalyse hin, da sie die Evidenz der zugrundeliegenden Studien nur gering oder mäßig einstufen. So spiegelte etwa die Studienpopulation die Heterogenität älterer depressiver Menschen nur unzulänglich wider.

Die Aussagen lassen aber den Schluss zu, dass eine antidepressive Pharmakotherapie älterer Menschen engmaschig überprüft werden muss, um frühzeitig den Therapieerfolg oder Misserfolg einschätzen und potenzielle Nebenwirkungen rechtzeitig erkennen zu können. Welche Parameter hierfür geeignet sind, sollte Gegenstand weiterer Studien sein. Des Weiteren sollte bei der Auswahl eines Antidepressivums das Nebenwirkungsspektrum berücksichtigt werden. So kann etwa die Einnahme von Duloxetin mit Mundtrockenheit, Verstopfung, Diarrhö oder Schwindel assoziiert sein, was das Risiko für eine Malnutrition oder die Sturzgefahr erhöht. Unter der Einnahme einiger SSRIs (z. B. Fluoxetin) ist das Auftreten von Übelkeit oder Gewichtsverlust möglich – unerwünschte Wirkungen, die vor allem bei älteren Patienten folgenreich sein können. |

Quelle

Tham A, et al. Efficacy and tolerability of antidepressants in people aged 65 years or older with major depressive disorder – A systematic review and meta-analysis. J Affect Disord 2016;205:1-12

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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