Hintergrund

„Versandkunden erhalten dieselbe Beratung“

wes | Dr. Jochen Pfeifer hat vor einiger Zeit eine Versanderlaubnis beantragt. Wir haben ihn gefragt, was ihn zu diesem Schritt bewogen hat und wie er zu den Kritikpunkten am Arzneimittelversand steht.

Dr. Jochen Pfeifer, Velbert

DAZ: Sie sind ein erfolgreicher Apotheker, der sich für die heilberufliche Weiterentwicklung des Berufs engagiert. Was hat Sie dazu bewegt, jetzt auch Versandhandel zu betreiben?

Pfeifer: Es gibt nicht die Versandapotheke, die schlecht ist und die öffentliche Apotheke, die das Nonplusultra an pharmazeutischer Kompetenz liefert. Die Wahrheit liegt – wie immer – in der Mitte. Ich sehe den Versandhandel nicht als Gefahr, sondern vielmehr als Chance, eine komplementäre Versorgungsform in Deutschland zu etablieren, die neben der öffentlichen Apotheke diejenigen Patientengruppen anspricht, die online bestellen wollen und keine Zeit oder Lust haben, in eine öffentliche Apotheke zu gehen. Was spricht dagegen, auch diesen Patienten ohne örtliche Limitierung den bestmöglichen pharmazeutischen Service anbieten zu können?

Das bedeutet natürlich für uns als Versandapotheke, Qualitätsstandards einzuführen, die weit über das vom Gesetzgeber geforderte Mindestmaß hinausgehen – genauso wie wir dies im Rahmen der pharmazeutischen Betreuung in unserer öffentlichen Apotheke seit Jahren erfolgreich praktizieren. Es kommt auf die Unterstützung des Therapieerfolgs durch die pharmazeutische Betreuung beim Patienten an – dies kann auch mit modernen Medien online erfolgen, so z. B. durch einen Medikationscheck in Zusammenarbeit mit dem Patienten und seinem Arzt.

Allerdings birgt dieser Versorgungsweg auch Gefahren – von Fälschungen, illegalen Versandapotheken bis hin zum Verkauf von unverantwortlichen Mengen an Arzneimitteln und der einzigen Differenzierung mancher Versandapotheken über Preisdumping. Es ist natürlich einfacher, etwas verbieten zu lassen anstatt sich der Herausforderung zu stellen. Ich sehe mich aber nicht als Zauderer sondern als jemanden, der verkrustete Strukturen aufbrechen und die bestmögliche Versorgung der Patienten zu erreichen mithelfen möchte.

DAZ: Fürchten Sie nicht, dass die Vergleichbarkeit der OTC-Preise zwischen verschiedenen Versandapotheken zu einer Abwärtsspirale führt?

Pfeifer: Das fürchte ich deshalb nicht, weil wir dieses Problem in vielen Städten schon längst auch in den öffentlichen Apotheken haben. Leider sehen einige Kolleginnen und Kollegen ihr „Qualitätsmerkmal“ darin, immer noch billiger zu sein bzw. sogar als Discountapotheke den „überteuerten“ Kollegen es einmal zu zeigen. Damit kommt man jetzt sogar zur besten Sendezeit ins Privatfernsehen. Manche öffentliche Apotheke ist bei einzelnen Arzneimitteln schon billiger als die größten Versandapotheken. Gegensteuern können Sie hier nur mit Ihrer pharmazeutischen Kompetenz.

DAZ: Wie funktioniert bei Ihnen die Beratung der Versandkunden?

Pfeifer: Sie wird genauso funktionieren wie die der Kunden in meiner öffentlichen Apotheke. Der Umstand, dass der Gesetzgeber es den Versandapotheken in der Beratung einfacher macht, heißt ja nicht, dass sie dieses auch in ihrer Versandapotheke so machen müssen. Die Versandkunden erhalten dieselbe hochwertige pharmazeutische Betreuung, für die meine Apotheke bekannt ist und für die wir auch ausgezeichnet wurden. |



Lesen Sie dazu den Beitrag "Auf dem Weg zur Normalität? Der Arzneimittelversand in Deutschland - eine Bestandsaufnahme" und das Editorial zu dieser Ausgabe "Arzneiversand - ein Irrweg?"

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