Arzneimittel und Therapie

Erhoffter Erfolg blieb aus

Kein Zulassungsantrag für Alzheimer-Medikament Solanezumab

Seit 2006 laufen klinische Studien – insgesamt sechs Phase-III-Studien – mit dem monoklonalen Antikörper Solanezumab, der die Ablagerungen von Amyloid beta unterbinden soll. Die Ergebnisse der jüngsten Studien waren indes ernüchternd und veranlassten den Hersteller Eli Lilly, keinen Zulassungsantrag für sein teilweise mit hohen Erwartungen verknüpftes Alzheimer-Medikament einzureichen.

Solanezumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der zu einer Reduktion von Amyloid beta im Gehirn von Alzheimer-Patienten führen soll. Der Antikörper richtet sich gegen die Domäne der Amyloid-beta-Proteine und erkennt lösliche Monomere, aber kein fibrilläres Amyloid beta. Bereits 2012 gab es Hinweise, dass der Wirkstoff die Gedächtnisleistung von Alzheimer-Patienten im Frühstadium verbessert. Drei Jahre später wurde Solanezumab auf dem weltweit größten Alzheimer Fachkongress (AAIC; Alzheimer`s Association International Conference) als ein Highlight vorgestellt, da eine vermeintlich dauerhafte Wirkung gezeigt werden konnte. Die Ergebnisse der jüngsten Phase-III-Studien (EXPEDITION 1 bis 3) waren jedoch ernüchternd: In EXPEDITION 1 und 2, an denen Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz teilnahmen, konnte die Abnahme kognitiver Fähigkeiten im Vergleich mit einer Placebo-Behandlung nicht verlangsamt werden. Allerdings wurden bei den Probanden mit den geringsten kognitiven Ausfällen zu Beginn der Studie Hinweise auf einen Effekt im ADAS-Cog-14-Test (Alzheimer’s Disease Assessment Scale Cognitive Test; bewertet die kognitiven Fähigkeiten) beobachtet. Das Signifikanzniveau wurde zwar verfehlt, es gab jedoch Hinweise, dass sich der Effekt mit der Dauer der Therapie verstärken könnte. Der Hersteller initiierte daraufhin im Juli 2013 die Anschlussstudie EXPEDITION 3 mit insgesamt 2100 Patienten, die an leichter Demenz erkrankt waren. Auch bei dieser Studie zeichnete sich ein Misserfolg ab: Im März 2016 gab der Hersteller eine Änderung des primären Studien­endpunkts bekannt: Statt eines zusammengesetzten Endpunkts aus ADAS-cog-14 und ADCS-IADL (Alzheimer’s Disease Cooperative Study – Instrumental Activities of Daily Living; misst die Einschränkungen im Alltagsleben) wurde nun lediglich der ADAS-cog-14 bewertet. Doch noch immer konnte kein signifikanter Effekt festgestellt werden. Es zeigte sich ein Trend zu einer Verbesserung – das US-amerikanische Alzheimer-Forum wertet diesen als „Lilliputian Effect“ – ohne jedoch statistische Si­gnifikanz zu erreichen. Aus diesem Grund verzichtete der Hersteller auf die Einreichung eines Zulassungsantrags und schließt die noch laufenden EXPEDITION-Studien.

Aus für die Amyloid-Hypothese?

Forscher sehen in diesem Ergebnis kein Signal, die Amyloid-Hypothese bei der Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten endgültig zu verlassen, wohl aber einen Fingerzeig, weiteren Therapieansätzen nachzugehen. Eine Erklärung für die fehlende Wirksamkeit von Solanezumab könnte sein, dass der Antikörper nur monomer vorliegendes Amyloid im Blut erkennt und kein aggregiertes Amyloid im Gehirn. Dafür spricht die Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers Aducanumab (Biogen), der sich gegen aggregiertes Amyloid richtet. Ersten Studien zufolge ist dieser Antikörper in der Lage, bei frühen Formen der Alzheimerkrankheit eine Abnahme der Beta-Amyloid-Plaques herbeizuführen. |

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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