Die Seite 3

Hoffnungsträger Leipzig

Foto: DAZ/Kahrmann
Dr. Doris Uhl, Chefredakteurin der DAZ

Ein akademischer Berufsstand hat sich Gedanken über sein Berufsbild gemacht und eine Vision für die zukünftige Ausrichtung entwickelt. Er hat sich überlegt, dass die visionären Ziele nur durch einen radikalen Umbau der universitären Ausbildung und durch die konsequente Weiterbildung aller schon in dem Beruf Tätigen erreicht werden kann. Folgerichtig hat er die Anforderungen an die akademische Ausbildung ganz klar und eindeutig formuliert und einen Fahrplan für die Umsetzung erarbeitet. Dabei ist es ihm tatsächlich gelungen, die Hochschullehrer so zu überzeugen, dass das Studium an die Grunderfordernisse des neuen Berufsbilds angepasst werden konnte.

Wenn Sie jetzt denken, dass die deutschen Apotheker, die ABDA und das Perspektivpapier 2030 gemeint sind, dann liegen Sie leider falsch. Die Rede ist von unseren kanadischen Kollegen – aber die Parallelen sind zumindest in den Grundzügen verblüffend.

Auch die kanadischen Apotheker haben erkannt, dass der Patient und seine Therapiebedürfnisse bei der Arzneimittelversorgung durch den Apotheker im Mittelpunkt stehen müssen und dass die Arzneimitteltherapiesicherheit nur im interprofessionellen Team verbessert werden kann. Und: Sie haben erkannt, dass die Fähigkeiten dazu schon vom ersten Tag des Studiums vermittelt werden müssen und dass dazu das Studium dringend anzupassen ist.

Dabei haben die Kollegen den Prozess in Kanada schon vor rund zehn Jahren gestartet und stehen jetzt kurz vor dem Ziel. Ihrer Berufsvertretung ist es gelungen, die Hochschullehrer von der Notwendigkeit der Neuorientierung nicht nur zu überzeugen. Glaubt man den Schilderungen einer kanadischen Kollegin, dann ist auch der Funke der Begeisterung so übergesprungen, dass der notwendige Wandel an vielen Hochschulen schneller als von der Berufsvertretung gefordert vollzogen worden ist (Studium im Umbruch, S. 22). Pharmaziestudierende erhalten schon jetzt eine so fundierte interprofessionelle Ausbildung in Klinischer Pharmazie und Pharmakotherapie, dass die jungen Absolventen inzwischen in hohem Maße Therapieverantwortung übernehmen und sich als Pharmakotherapie-Manager im interprofessionellen Team profilieren können.

In Deutschland haben wir dieses Ziel noch nicht erreicht. Hier wird derzeit noch an dem Anforderungskatalog für die universitäre Ausbildung gearbeitet. Die Gespräche der Bundesapothekerkammer mit den Hochschullehrern haben zwar begonnen, aber Ergebnisse lassen noch auf sich warten. Doch es tut sich was. Wider Erwarten gibt es jetzt grünes Licht von der Politik für einen Modellstudiengang Pharmazie an der Universität Leipzig. Er soll innerhalb der medizinischen Fakultät angesiedelt werden und schon im Studium den Grundstein für die interprofessionelle Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker legen (Grünes Licht für Leipzig, S. 28). Besonders erfreulich ist es, dass auch hier das Vorzeigeprojekt ARMIN zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Sachsen und Thüringen einen wesentlichen Anstoß für die Politiker gegeben hat, den Pharmazie-Standort Leipzig zu erhalten. Es besteht also noch Anlass zur Hoffnung, dass auch bei uns der Funke überspringt und an den Hochschulen endlich mit Nachdruck die längst überfällige Etablierung der Klinischen Pharmazie in Angriff genommen wird. Denn eines hat die DPhG mit ihrer Stellungnahme zur Ablehnung des EuGH-Urteils in Sachen Boni (s. S. 20) völlig richtig festgestellt: Die Klinische Pharmazie hat in den letzten Jahren wichtige Impulse zum Wohle der Patienten gesetzt. Sie hat gezeigt, dass die Patienten den größten Nutzen in Sachen Beratung und Arzneimitteltherapiesicherheit haben, wenn sie direkten Kontakt zu ihrem Apotheker vor Ort haben. Präsenzapotheken sind damit für den Patienten die beste Wahl! Sie müssen durch optimal ausgebildete Apotheker gestärkt werden und der Bevölkerung erhalten bleiben.

Dr. Doris Uhl


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