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Münster: Dr. Ralph Holl für Pharmazeutische und Medizinische Chemie habilitiert

Mit dem Habilitationskolloquium zum Thema „Quorum Sensing“ hat Dr. Ralph Holl am 19. Oktober 2016 die letzte Habilitationsleistung erbracht und sich für das Fach Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster habilitiert.

Ralph Holl wurde 1978 in Göppingen geboren. 1998 begann er mit dem Pharmaziestudium an der Albert-­Ludwigs-Universität Freiburg, welches er im Frühjahr 2003 abschloss. Im ­Anschluss an das Praktische Jahr, von dem er sechs Monate in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hartmut Derendorf, an der University of Florida in Gainesville, USA absolvierte, erhielt Ralph Holl 2004 die Approbation als Apotheker.

Foto: Universität Münster
Von Münster nach Hamburg Noch vor Abschluss des Habilitationsverfahrens erhielt Dr. Holl einen Ruf auf eine Professorenstelle an der Universität Hamburg, den er zwischenzeitlich angenommen hat.

Im selben Jahr wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster und begann im Arbeitskreis vom Prof. Dr. Bernhard Wünsch mit seiner Dissertation, die mehrere Teilprojekte umfasste. In einem Kooperationsprojekt mit der Firma Grünenthal, Aachen, wurden neuartige δ-Opioid-Rezeptor-Agonisten mit intakter und aufgeschnittener Benzhydryl-Struktur hergestellt und geprüft. In einem zweiten Projekt wurden bicyclische, konformativ fixierte σ-Rezeptor-Liganden mit überbrückter Piperazin-Struktur systematisch variiert und Beziehungen zwischen der Struktur und σ-Rezeptor-Affinität herausgearbeitet.

Herr Holl hat seine Dissertation im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs mit der Universität Nagoya, Japan, „Complex Functional Systems in Chemistry: Design, Development and Applications“ angefertigt. Als Stipendiat dieses Graduiertenkollegs arbeitete er sechs Monate in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Masato Kitamura (Noyori Laboratory), wo er sich mit chiralen Liganden zur Katalyse von konjugierten Additionen befasste.

Im April 2008 wurde Herr Holl für ­seine Arbeit, die unter dem Titel „σ- und δ-Rezeptor-Liganden mit überbrückter Piperazin-Struktur: Synthese und Struktur-Wirkungs-Beziehungen“ stand, mit der Note „summa cum laude“ zum Dr. rer. nat. promoviert.

Nach Abschluss seiner Doktorarbeit war Herr Holl als Postdoc bei Prof. Dr. Peter Gmeiner an der Universität Erlangen tätig. Dort entwickelte er in ­Kooperation mit dem späteren Chemie-Nobelpreisträger Brian Kobilka ­irreversible β2-Rezeptor-Agonisten. Mit einem von Herrn Holl hergestellten irreversiblen Liganden gelang es in der Folge, die erste Kristallstruktur eines Agonist-gebundenen G-Protein-gekoppelten Rezeptors zu erhalten.

Im August 2009 kehrte Herr Holl wieder an das Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster zurück mit dem Ziel, sich für das Fach Pharmazeutische und Medizinische Chemie zu ­habilitieren. Thematisch beschäftigt er sich seit dieser Zeit mit der Entwicklung innovativer Antibiotika, die neuartige Targets adressieren. Damit hat er sich ein Forschungsgebiet gesucht, das aus gesellschaftlicher Sicht dringend bearbeitet werden muss, da zunehmend multiresistente Bakterien „gezüchtet“ werden. Er hat in Münster ein völlig neues und unabhängiges Arbeitsgebiet aufgebaut, das sich grundlegend von seinen Arbeiten während der Doktorarbeit, seines Forschungsaufenthalts in Nagoya und seiner Tätigkeit als Postdoc unterscheidet.

Um seine Ziele zu erreichen hat Herr Holl neue Assays in Münster eingeführt und validiert sowie innovative Synthesen zur Gewinnung neuartiger Wirkstoffe entwickelt. Auf diese Weise hat er einige sehr potente Antibiotika gefunden und charakterisiert. Im Fokus seiner Interessen steht die Biosynthese von Lipid A, einem essenziellen Bestandteil der Membranen gramnegativer Bakterien. Es ist ihm gelungen, neuartige Hemmstoffe von LpxC zu gewinnen, die im niedrig nanomolaren Bereich dieses Schlüsselenzym der Lipid-A-Biosynthese hemmen. ­Neben der Enzymhemmung besitzen die Verbindungen auch antibakterielle Eigenschaften, was in Hemmhoftests regelmäßig untersucht wird. In Kooperation mit dem Universitätsklinikum in Münster konnte er zeigen, dass die neu hergestellten LpxC-Inhibitoren nicht nur das Wachstum von E.-coli-Bakterien, sondern auch die Vermehrung multiresistenter Bakterienstämme aus dem Klinikalltag hemmen. ­Gegenüber diesen multiresistenten Keimen besitzen die neuartigen LpxC-Inhibitoren eine wesentlich höhere ­antibakterielle Aktivität als beispielsweise Ciprofloxacin. Seine Resultate hat Herr Holl bisher in mehr als zehn eigenständigen Arbeiten in international renommierten Journalen und einem Übersichtsartikel veröffentlicht.

Die Arbeiten von Herrn Holl werden von der DFG sehr großzügig gefördert. Außerdem erhielt er finanzielle Unterstützung von der Apothekerstiftung Westfalen-Lippe und dem fachbereichsinternen Graduiertenprogramm. Kürzlich hat er gemeinsam mit Kollegen aus der Nuklearmedizin ein ­Pilotprojekt beim Exzellenzcluster CiM (cells in motion) eingeworben.

Neben seinen Aktivitäten in der Forschung hat sich Herr Holl von Anfang an sehr stark in der Lehre engagiert. Seit dem Wintersemester 2008/09 leitet er das Praktikum „Arzneistoffanalytik unter besonderer Berücksichtigung der Arzneibücher“ im 5. Semester. Damit ist er für die Praktikumsaufgaben und -organisation, die begleitenden Seminare sowie die Prüfungen verantwortlich. Darüber hinaus hat er viele Studierende im Wahlpflichtfach betreut. In das innovative Konzept der PharMSchool in Münster ist Herr Holl sehr intensiv eingebunden, zum einen als Leiter des Praktikums „Arzneistoffanalytik“ und zum anderen durch Betreuung einzelner Gruppen. Für die Studierenden der Masterstudiengänge Arzneimittelwissenschaften und Chemie bietet Herr Holl im Rahmen des Moduls „Drug Design und Entwicklung“ seit mehreren Jahren Spezialvorlesungen an.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde Herr Holl mit dem Klaus-Grohe-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker sowie dem Rottendorf-Preis ausgezeichnet. Im April 2016 hat er seine Habilitationsschrift mit dem ­Titel „Synthese, biologische Testung und Struktur-Wirkungs-Beziehungen von Inhibitoren der bakteriellen Deacetylase LpxC“ eingereicht. Am 19. Oktober wurde nun das Habilitationsverfahren mit Lehrprobe und ­Habilitationskolloquium abgeschlossen. Noch vor Abschluss des Habilitationsverfahrens hat Herr Holl einen Ruf auf eine, anlässlich des Aufbaus des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung an der Universität Hamburg neu geschaffene, W2-Professur erhalten. Diesen Ruf hat er im Juli 2016 angenommen und ist aktuell bereits Universitätsprofessor für Medizinische Chemie an der Universität Hamburg.

Insgesamt ist Professor Holl ein hochmotivierter Nachwuchswissenschaftler, der mit großer Kreativität systematisch innovative Wirkstoffforschung betreibt. Mit großem Einsatz engagiert sich Herr Holl in der Lehre sowohl im Pharmaziestudium als auch in verschiedenen Masterstudiengängen.

Wir gratulieren Herrn Holl recht herzlich zum erfolgreichen Abschluss der Habilitation sowie den Ruf an die Universität Hamburg. Für seine Aufgaben und wissenschaftlichen Projekte an der neuen Wirkungsstätte und das ­private Einleben in Hamburg wünschen wir ihm alles Gute und viel Glück.

Bernhard Wünsch

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