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Auszeichnungen

Sterne, Siegel, Zertifikate

Wie sich Apotheken mit Auszeichnungen profilieren können

Apotheke ist Apotheke. Von wegen! Der Auftritt einer Apotheke am Markt, die Leistungen, die eine Apotheke über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus anbietet, die Angebote, die eine Apotheke ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern macht – hier zeigen sich große Unterschiede von Apotheke zu Apotheke. Gut, wenn eine Apotheke ihre Zusatzleistungen, ihre Vorteile, das Besser-sein-als-Andere auch nach außen kommunizieren kann, um so positiv auf sich aufmerksam zu machen. Wir haben uns den Markt der Auszeichnungen und Preise, der Sterne, Siegel und Zertifikate für Apotheken angesehen. Umsonst gibt es die Urkunden und Plaketten nicht. | Von Peter Ditzel

Um es vorwegzunehmen: Die Zahl der Zertifikate und Siegel, um die sich eine Apotheke bewerben kann, ist überschaubar. Es sind nicht viele Anbieter auf dem Markt, die Apotheken professionell unter die Lupe nehmen und Rankings erstellen. Was man wissen muss: Eine Apotheke, die mitmachen möchte, die sich prüfen lässt mit der Aussicht auf eine Auszeichnung, muss in der Regel dafür bezahlen. Die Wettbewerbe sind meist kommerzieller Natur: Eine Organisation, ein selbsternanntes Prüfinstitut führt anhand selbsterstellter Kriterien die Bewertung der Apotheke durch, die sich bereit erklärt hat, die Anforderungen zu erfüllen und an den Prüfungen teilzunehmen. Für den Prüfungsaufwand, die Unterlagen, die Urkunden etc. bezahlt die Apotheke ein Honorar. Unabhängig davon, was man von den Auszeichnungen hält, sie haben einen Vorteil: Die Apotheke bemüht sich, Qualitätskriterien zu erfüllen, mehr zu leisten als andere. Wir haben uns die bekanntesten Auszeichnungen für Apotheken angesehen. Ob sich eine Apotheke darum bewerben möchte, ob sie sich davon Vorteile verspricht – das muss jeder Apothekenleiter selbst beantworten. Vor dem Hintergrund des aktuellen EuGH-Urteils können Sterne, Siegel und Zertifikate neuen Auftrieb bekommen. Denn: Mit Boni und Rabatten darf die deutsche Apotheke im Gegensatz zu ausländischen Versandapotheken nicht werben. Die ­Vor-Ort-Apotheke darf allerdings mit ihren Pfunden wuchern, nämlich mit Service, Vertrauen und Qualität. Wenn sie diese Parameter überprüfen lässt und dafür ausgezeichnet wird, kann sich dies durchaus durch eine erhöhte Kundenfrequenz bemerkbar machen.

In unseren Überblick, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, haben wir zusätzlich noch Auszeichnungen und Preise aufgenommen, die von Verbänden, Instituten, pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern für besondere Leistungen verliehen werden.

Das Apotheken-Siegel

Eine der bekannteren Auszeichnungen für Apotheken ist das „Apotheken-Siegel“, ein „Qualitätszertifikat“ der Tesalys AG, einer „unabhängigen Prüfgesellschaft, die, „so der Werbetext, „den besten Apotheken Deutschlands das Apotheken-Siegel verleiht“. Allerdings wird das Siegel derzeit nicht mehr verliehen, die Tesalys hat eine „Atempause eingelegt“, wie Thomas Gerlach von der Tesalys Beteiligungs AG auf Nachfrage mitteilte. Der Aufbau des Apotheken-Siegels habe sehr hohe Investitionen erfordert. Trotz positiver Resonanz sei ein Break Even nicht in Sicht gewesen. Man habe daher das Projekt in andere Hände gelegt. Ob und wie das Apotheken-Siegel fortgeführt werden soll, scheint derzeit noch nicht klar zu sein.

2011 gegründet, hatte es sich Tesalys zum Ziel gesetzt, ein glaubwürdiges Qualitätssiegel, das Kunden Orientierung und Sicherheit geben soll, aufzubauen. Prüfteams aus geschulten Apothekern, PTAs und Pharmazieingenieuren führten deutschlandweit unangekündigte, objektive Testkäufe in Apotheken durch, bei denen die Qualität von Beratung und Service insgesamt achtmal geprüft wurde. In ­Vorprüfungen wurden mögliche Apotheken rekrutiert. Erfüllten die Apotheken bestimmte Qualitätsanforderungen, wurde ihnen angeboten, offiziell an der Hauptprüfung teilzunehmen, die u. a. weitere Testkäufe umfasste. Eine Teilnahme an den Prüfungen garantierte dem Apotheker nicht die Verleihung des Siegels, so die Tesalys-Regularien. Erreichte die Apotheke mindestens 80 von 100 Punkten, konnte ihr das Siegel verliehen werden. Für die Tests und die nachfolgende Kommunikationsunterstützung (Druckvorlagen, öffentlichkeitswirksame Siegelverleihung, Siegelaufkleber etc.) wurden der Apotheke 4000 Euro in Rechnung gestellt. Rund 150 Apotheken schmücken sich derzeit mit dem Apotheken-Siegel an ihrer Eingangstür.

Die Sterne-Auszeichnung

Kein Siegel, sondern Sterne verleiht der Qualitätsverbund deutscher Apotheken e. V. (QdA), eine Gruppierung von über 150 Apotheken, ehemals Kunden eines Unternehmens für die Zertifizierung eines Qualitätsmanagementsystems. Der QdA unterstützt die Mitgliedsapotheken durch QMS-Schulungen, hilft aber auch bei der Vermarktung des Themas „Qualität“ mit einem eigenen Qualitätskonzept.

Die vom QdA ins Leben gerufene Sterne-Auszeichnung soll einen hohen Wiedererkennungswert bei den Kunden haben. Eine ausgezeichnete Apotheke ist für den Kunden durch den Sterne-Aufkleber an der Apothekentür zu erkennen. Von einer Sterne-Auszeichnung gehe eine Signalwirkung für Kunden und Mitarbeiter aus, heißt es in den QdA-Unterlagen. Die Auszeichnung verbessere die Identifikation der Mitarbeiter mit der Apotheke und habe für Bewerber eine hohe Attraktivität.

Foto: QdA

Eine Apotheke, die sich für eine Sterne-Auszeichnung bewirbt, muss mehrere Schritte durchlaufen. Nach der Anmeldung erfolgt ein Sterne-Audit vor Ort durch einen QdA-Mitarbeiter. Danach befasst sich zunächst der QdA-Vorstand mit dem Prüfbericht und den Unterlagen, im Anschluss daran der unabhängige QdA-Beirat. Sind alle Anforderungen erfüllt, werden die Sterne verliehen. Jeder Stern steht für ein Anforderungskriterium und muss einzeln erworben werden, so ist den Unterlagen zu entnehmen. Für den ersten Stern muss die Apotheke ein Qualitätsmanagement nach ISO 9001 nachweisen einschließlich Zertifizierung und regelmäßigen Audits. Zu den Anforderungskriterien der Sterne zwei bis fünf gehört die Überprüfung der Kundenorientierung (wie fokussiert sich die Apotheke auf die Kunden­bedürfnisse, werden regelmäßig Kundenbefragungen durchgeführt?), außerdem die Überprüfung der Beratungskompetenz, der geprüften Qualität und der Service-Angebote. So wird bei der Überprüfung der Qualität beispielsweise darauf geachtet, ob die Apotheke an ZL-Ringversuchen teilnimmt, an einem Pseud-Customer-Konzept oder ob sie moderne Technik im Labor einsetzt (z. B. IR/NIR-Analytik im Labor). Beim Stern für die Service-Angebote spielt beispielsweise auch eine Rolle, ob die Kommunikation mit dem Kunden auf vielen (Online-)Kanälen stattfindet.

Eine Mitgliedschaft der Apotheke im QdA ist für die Teilnahme am 5-Sterne-Konzept nicht notwendig. Die Kosten für die Teilnahme belaufen sich auf 2490 Euro für die Haupt-Apotheke, Sterne für die Filialapotheken sind im Anschluss daran dann günstiger zu bekommen (490/290/190 Euro für die Filialen). Für die Verleihung der Auszeichnung vor Ort fallen zusätzlich 500 Euro plus Reisekosten an. Die Auszeichnung ist drei Jahre lang gültig. In dieser Zeit werden die ausgezeichneten Standorte stichprobenartig erneut kontrolliert, um festzustellen, ob die Anforderungen noch erfüllt werden. Bei Nichterfüllung werden die Sterne aberkannt.

Auszeichnung als seniorengerechte Apotheke

Eine Apotheke, die sich auch nach außen als besonders seniorengerecht darstellen und profilieren möchte, kann sich für eine Auszeichnung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V. (BAGSO) bewerben. Unter dem Dach der BAGSO haben sich über 100 Verbände mit etwa 13 Millionen älteren Menschen zusammengeschlossen.

Für eine seniorengerechte Apotheke hat die BAGSO Qualitätsmerkmale aufgestellt. Basis dafür war eine umfassende Befragung älterer Menschen, wie sie eine „ideale Apotheke“ aus ihrer Sicht sehen, wobei die fachkompetente Beratung an erster Stelle stand. Entstanden ist daraus die Verbraucherempfehlung „Seniorengerechte Apotheke“.

Foto: BAGSO

In fünf Bereichen zeichnet sich eine von der BAGSO empfohlene Apotheke aus:

  • Umfassende Beratung, dazu gehört auch zuhören können.
  • barrierefreier Zugang und Ausstattung der Apotheke (Automatiktür, Zugang für Rollstuhlfahrer, diskreter Beratungsbereich, Bewegungsfreiheit zwischen Regalen, gut lesbare Preisschilder und Sitzgelegenheiten).
  • Weiterführende Informationen über vorbeugendes Gesundheitsverhalten, Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten sowie über Selbsthilfegruppen.
  • Besondere Dienstleistungen wie beispielsweise die Überprüfung der Medikation durch die Apotheke, Auskunft über Zuzahlungen, Lieferung nach Hause, Messung von Gesundheitsparametern.
  • Mitarbeiterqualifikation und Qualitätsmanagement, systematische Mitarbeiterschulungen auch für Bereiche, die Ältere betreffen (z. B. Diabetes).

Eine Apotheke, die sich für diese Auszeichnung bewirbt, erhält zunächst eine Kriterienliste zur Selbsteinschätzung. Wird die erforderliche Punktzahl erreicht, testet die BAGSO die Qualität der Beratung durch Testkäufe und überprüft stichprobenartig die Selbstangaben des Fragebogens.

Ist der Qualitätsanspruch im Sinne der BAGSO erfüllt, erhält die Apotheke die Auszeichnung „Seniorengerechte Apotheke – BAGSO empfohlen“. Die Auszeichnung gilt für zwei Jahre, danach werden die Kriterien erneut überprüft. Die aktuelle BAGSO-Liste weist rund 60 Apotheken aus, die sich für diese Auszeichnung qualifiziert haben.

Die „Babyfreundliche Apotheke“

Eine Apotheke, zu deren Kunden „Mutter und Kind“, also Schwangere, Stillende und Eltern mit Baby gehören, kann sich für das Qualitätssiegel „Babyfreundliche Apotheke“ bewerben. Dieses Siegel zeigt den jungen Eltern, dass sich diese Apotheke für die spezifischen Belange von Schwangeren und Eltern mit Baby engagiert. Darf eine Apotheke den Hinweis „Babyfreundliche Apotheke“ an ihrer Tür anbringen, dann bekennt sie sich dazu, Schwangeren, Stillenden und Eltern mit Baby eine speziell auf deren Bedürfnisse und ihre individuelle Situation abgestimmte, fachkundige Beratung sowie exklusive Apothekenleistungen anzubieten. „Die Apotheken fördern und unterstützen das Stillen der Babys entsprechend des internationalen WHO-Kodex“, so Apothekerin Karin Muß, Vorsitzende des Vereins Babyfreundlicher Apotheken. Zudem wird die intensive Kooperation mit Hebammen, Stillberaterinnen, Ärzten und weiteren Experten gesucht. Der Verein hat Standards zur Beratung von Schwangeren, Stillenden und Eltern mit Babys erarbeitet, nach denen die zuständigen Apothekenmitarbeiter in Theorie und Praxis geschult werden. Die Beratungsstandards sind regelmäßig durchzuarbeiten. Außerdem bieten die Apotheken eingehende Beratung bei einer Arzneimitteleinnahme an, geben Informationen zum Stillen, zu Stillhilfsmitteln, zur Ernährung, zur künstlichen Säuglingsnahrung, zur Beikost. Und sie beraten, wie Stillen mit der Berufstätigkeit vereinbart werden kann. Zu den Standards gehört des Weiteren, dass Eltern von den babyfreundlichen Apotheken eine kompetente und einfühlsame Unterstützung im Umgang mit ihrem Baby erhalten. Darüber hinaus bieten die Apotheken den Verleih von Milchpumpen und Babywaagen an, kümmern sich um Unterstützungsangebote für die Zielgruppe und bauen ein Netzwerk hierzu auf.

Foto: Babyfreundliche Apotheken

Um das Qualitätssiegel „Babyfreundliche Apotheke“ zu bekommen und den Zertifizierungsprozess zu durchlaufen, ist die Mitgliedschaft im gleichnamigen Verein Voraussetzung. Mindestens drei Apothekenmitarbeiter werden als „babyfreundliches Team“ qualifiziert. Ein QM-Handbuch zum Thema ist durchzuarbeiten, Checklisten zur Beratungskompetenz sind auszufüllen. Das künftige Team der Babyfreundlichen Mitarbeiter nimmt dann an einer zweiteiligen mündlichen Prüfung teil, bei der auch Beratungsgespräche simuliert werden. Zudem wird die Umsetzung des QM-Handbuchs in der Praxis kontrolliert. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, erhält die Apotheke das Qualitätssiegel. Alle drei Jahre findet ein Nachgutachten statt.

Der Verein bietet den Mitgliedsapotheken ein umfangreiches Schulungsangebot, aktuelle Informationen, Werbe- und PR-Maßnahmen, Kundeninformationen sowie Sonderkonditionen für den Wareneinkauf.

Die einmalige Aufnahmegebühr beträgt 100 Euro, die jährliche Mitgliedsgebühr 300 Euro. Das QM-Handbuch kostet 200 Euro, für die Zertifizierung werden 1500 Euro fällig.

Knapp 100 Apotheken haben sich derzeit für eine Mitgliedschaft im Verein entschieden und dürfen das Siegel „Babyfreundliche Apotheke“ an ihrer Tür tragen.

Die Apotheke als ausgezeichneter Arbeitgeber

Der Nachwuchsmangel auf Deutschlands Apothekenmarkt ist evident. Gute Mitarbeiter sind gefragt. Wie die statistischen Zahlen zeigen, ist die Zahl der in öffentlichen Apotheken arbeitenden Mitarbeiter in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Waren 2013 noch rund 150.700 Apotheker, Pharmazeuten im Praktikum, PTA, Pharmazieingenieure und PKA in den 20.600 Apotheken beschäftigt, so stieg diese Zahl bis 2015 auf 154.500 in jetzt nur noch 20.200 Apotheken – mehr Personal trotz abnehmender Zahl von Apotheken. Der Trend dürfte anhalten.

Was zu einem Personalmangel beiträgt: Schon heute liegt der Frauenanteil bei den Beschäftigten in Apotheken bei fast 90 Prozent. Viele Frauen möchten aufgrund der familiären Situation in Teilzeit arbeiten oder sie scheiden aufgrund der persönlichen Lebensplanung aus dem Berufs­leben aus. Und: Das Durchschnittsalter der Apotheker in Deutschland liegt nur knapp unter 50 Jahren, d. h., zahl­reiche Apotheker werden in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden.

Der Wettbewerb um gute Mitarbeiter bleibt den Apotheken erhalten. Sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen, um potenzielle Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen, wird auch in den kommenden Jahren eine Herausforderung für Apotheken sein. Präsenz im Internet, auf Social-Media-Plattformen gehört heute dazu. Eine Möglichkeit, sich als guter Arbeitgeber nach außen zu positionieren, sind Wett­bewerbe, Auszeichnungen und Siegel, die den Fokus auf die Apotheke als Arbeitgeber lenken und sie aus der Menge hervorheben.

In der Fachzeitschrift „Personalführung“, einer Publikation der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e. V., der größten Fachorganisation für Personalmanagement und Personalführung in Deutschland, findet sich ein Beitrag, der sich mit den „Personal Awards“ befasst, also Preisen, die die Arbeitsplatzqualität und den Umgang mit den Mitarbeitern bewerten. Wie die Autoren des Beitrags ausführen, haben sich seit 1990 rund 30 Anbieter und Veranstalter auf dem bundesdeutschen Markt etabliert, die mit ihren Auszeichnungen beanspruchen, „gute“ Personalarbeit zu bewerten. In der Fachsprache des Personalmanagements (auch HR-Management genannt) werden diese Preise als HR-Awards bezeichnet, wobei HR für Human Resource steht.

Nicht alle Personal-Awards dürften sich für Apotheken eignen. Die meist überregionalen Arbeitgeber-Wettbewerbe wenden sich eher an die großen Unternehmen. Und manche dieser HR-Awards haben nur bestimmte Branchen im Fokus. Der eine oder andere Preis wird allerdings auch regional ausgeschrieben und spricht Unternehmen in einzelnen Bundesländern an – hier haben Apotheken durchaus Chancen und können sich beteiligen.

Dass Apotheken an Preisen, die sich mit der Arbeitsplatz-Qualität befassen, eher seltener teilnehmen, könnte damit zusammenhängen, dass hier die unterschiedlichsten Branchen als Arbeitgeber im Wettbewerb miteinander stehen und sich Apotheken womöglich nicht viel von einem solchen Vergleich versprechen, wenn ihre Arbeitgeberqualitäten beispielsweise mit denen von anderen Branchen wie Sanitätshäusern oder Pflegediensten verglichen werden. Andererseits: Wenn an diesen Wettbewerben nur wenige oder kaum Apotheken teilnehmen, bringt es einer Apotheke, die sich beteiligt, größere Aufmerksamkeit, wenn sie eine der Auszeichnungen bekommt. Ein weiterer Grund, warum kleinere Betriebe wie Apotheken kaum vertreten sind: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Teilnahmegebühren an diesen Wettbewerben mitunter im vierstelligen Bereich liegen.

Zu den bekannteren Arbeitgeber-Wettbewerben, die zum einen auch Unternehmen im Bereich Gesundheitswesen bewerten, zum andern mittelständische Kleinbetriebe mit aufnehmen, wie es Apotheken in der Regel sind, gehören „Top Job“ bzw. „top-arbeitergeber.de“ und „Great Place to Work“. Neu im Bereich der Apotheken ist das Apotheken Arbeit­geber Siegel.

Apotheken Arbeitgeber Siegel.

Das „Apotheken Arbeitgeber Siegel“ bietet der Qualitätsverbund deutscher Apotheken (QdA) an. Es ist ein Siegel, das signalisieren soll: „Unsere Apotheke ist vorbildlicher Arbeitgeber Apotheken 2016“, bewertet nach dem Qualitätsstandard des QdA. Als Vorteile des Arbeitgeber-Siegels nennt der QdA den möglichen Vorsprung, den das Siegel im Vergleich mit anderen Apotheken bringen kann: mehr Initiativ-Bewerbungen, bessere Qualität der Bewerber. Die Apotheke kann ihre Stärken in den Vordergrund stellen, so Oliver Pipa, Vorstand des QdA, und nicht nur das Gehalt.

Foto: QdA

Der Weg zum Apotheken Arbeitgeber Siegel läuft über eine Befragung der Apothekenmitarbeiter und eine Selbsteinschätzung des Führungsverhaltens. Weitere Anforderungskriterien sind Nachweise und Unterlagen zur den Punkten Personalführung, interne Kommunikation, Qualifizierung, Mitarbeitergewinnung, Bewerbermanagement und Integration neuer Mitarbeiter. Die Apotheke kann optional zur Vorbereitung an der Teilnahme eine Analyse und Beratung erhalten. Außerdem stellt der QdA einen Apotheken-Arbeitgeber-Knigge zur Verfügung mit allen wichtigen Empfehlungen, Vorlagen und Checklisten. Alle Ergebnisse durchlaufen dann die Prüfung durch den QdA-Vorstand und -Beirat. Sind die Anforderungen erfüllt, wird das Apotheken Arbeitgeber Siegel verliehen. Die Kosten für die Teilnahme an diesem Siegel liegen je nach Anzahl der Mitarbeiter zwischen 845 und 1495 Euro. Hinzu kommen noch Kosten für die optionale Beratung und Reisekosten. Der QdA macht darauf aufmerksam, dass die Beratungskosten unter die Rahmenrichtlinie zur Förderung unternehmerischen Know-hows fallen und förderfähig sind, je nach Bundesland sind Zuschüsse zwischen maximal 600 und 800 Euro möglich.

Der QdA empfiehlt, alle zwei bis drei Jahre das Siegel zu erneuern.

Top Job

sucht nach den besten Arbeitgebern im deutschen Mittelstand. Organisator von Top Job ist das Zentrum für Arbeitgeberattraktivität (zeag GmbH). Zeag analysiert und prämiert die Arbeitgeberattraktivität bzw. die Nachhaltigkeit der teilnehmenden Unternehmen und unterstützt sie in ihrer Entwicklung. Das Unternehmen befasst sich seit 2002 mit dem Personalmanagement mittelständischer Unternehmen, es gehört damit wohl zu den Pionieren der Arbeitgebersiegel. Die Methodik der Überprüfung entwickelte die Universität St. Gallen, die für die Auswertung zuständig ist. Die Bewertung setzt sich aus Mitarbeiterbefragungen und einer Befragung der Personalleitung bzw. des Inhabers zusammen. Erfüllt das Ergebnis die Anforderungen, dürfen die Unternehmen das Top-Job-Siegel tragen. Die Auswertung zeigt dem teilnehmenden Unternehmen aber auch Hebel, mit denen es ein noch besserer Arbeitgeber werden kann. Für das volle Programm, die Mitarbeiterbefragung, die Analyse und das Siegel (Employer Branding) in der Kategorie Unternehmen mit 9 bis 100 Mitarbeitern fallen 7900 Euro an plus einer Startgebühr von 900 Euro. Auf der Internetseite top-arbeitgeber.de sind die Arbeitgeber des Jahres 2016 gelistet. Hier kann man z. B. gezielt nach Branche und PLZ suchen.

Foto: Top Job

Unter den Top-Arbeitgebern in der Branche Gesundheitswesen ist hier die Internationale Rathaus-Apotheke Dr. Klaus Fehske, Hagen vertreten (unseren Bericht „Gasthaus Apotheke“ über die Rathaus-Apotheke in Hagen finden Sie in DAZ 2013, Nr. 26, S. 54; den Bericht über die Preisverleihung in DAZ 2016, Nr. 7, S. 85). Top-Arbeitgeber des Jahres 2015 war die Reuland-Apotheke von Johannes Hoffmann in Schweich.

Great Place To Work dürfte der weltweit größte und bekannteste Arbeitgeberwettbewerb sein. Das Great Place To Work Institute wurde 1991 in den USA gegründet. Mittlerweile hat das Unternehmen Niederlassungen in 45 Ländern. 2002 wurde Great Place T‘o Work Deutschland gegründet anlässlich des durch die EU-Kommission initiierten Wettbewerbs „Beste Arbeitgeber der EU 2003“. Die Liste „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ wurde 2003 das erste Mal veröffentlicht. Als Aufgabe hat sich das Unternehmen „die Verbesserung der Gesellschaft durch die Schaffung einer besseren Arbeitsplatzkultur“ zum Ziel gesetzt. Bewertungsgrundlage beim Great-Place-To-Work-Wettbewerb bilden „repräsentative Mitarbeiterbefragungen zur erlebten Arbeitsplatzqualität und Arbeitgeberattraktivität in den teilnehmenden Unternehmen sowie eine Befragung des Managements zu den Maßnahmen der Personalarbeit (Kultur-Audit)“, heißt es auf der Internetseite. Zu den abgefragten Themen, die in die Bewertung einfließen, finden sich folgende Informationen:

„Die anonym durchgeführte repräsentative Mitarbeiterbefragung beinhaltet über 60 Fragen zu zentralen Arbeitsplatzthemen wie Glaubwürdigkeit und Fairness des Führungsverhaltens, Vertrauen und Teamgeist in der Zusammenarbeit, persönlich erlebte Wertschätzung, Förderung der beruflichen Entwicklung, Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, Gesundheitsförderung, Identifikation mit der Arbeit und dem Unternehmen insgesamt sowie die Bindung an den Arbeitgeber. Im Rahmen des Kultur-Audits werden die Maßnahmen des Unternehmens zur Förderung und Unterstützung der Beschäftigten beurteilt (beispielsweise Weiterbildungsangebote, Unterstützung der Vereinbarkeit Beruf & Familie, Sicherstellung von Chancengleichheit, soziale Unterstützung und Integration, Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung etc.). Die beiden international validierten Benchmarking-Instrumente werden im Verhältnis 2:1 gewichtet; das unmittelbare Urteil der Mitarbeiter der Unternehmen steht im Vordergrund.“

Foto: GPTW

Great Place To Work veranstaltet nicht nur den bundesweiten Wettbewerb „Deutschlands Beste Arbeitgeber“, bei dem sich Unternehmen ab 50 Mitarbeiter beteiligen können. Auch für kleinere Betriebe ab 10 Mitarbeitern bietet das Unternehmen auf Landes- und regionaler Ebene Arbeitgeberwettbewerbe an, so z. B. Bester Arbeitgeber in NRW, in Baden-Württemberg, in Berlin-Brandenburg, in Niedersachsen-Bremen, im Münsterland und im Allgäu. Die Kosten für die Teilnahme orientieren sich daran, welche zusätzlichen Leistungen der Bewerber in Anspruch nimmt. Daher dürften die Teilnahmegebühren eher im unteren vierstelligen Bereich liegen.

In der Kategorie Bester Arbeitgeber Münsterland 2016 und Bester Arbeitgeber NRW 2016 findet sich die Klara-Apotheke in Münster. Sie darf das Siegel Great Place To Work tragen. Wir haben die Klara-Apotheke besucht und uns mit der Inhaberin unterhalten. Den Bericht finden Sie in dieser Ausgabe der DAZ.

Brandenburgischer Ausbildungspreis. Ein weiterer regionaler Preis ist der Brandenburgische Ausbildungspreis, der vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg verliehen wird. Das Land schreibt den Preis in diesem Jahr bereits zum 12. Mal aus. Ziel des Preises ist es, das Engagement in der Ausbildung junger Menschen zu fördern. Die Raths-Apotheke in Brandenburg an der Havel nahm im vergangenen Jahr daran teil und war einer der Gewinner des Brandenburgischen Ausbildungspreises 2015 (unseren Bericht „Ausbildung mit Herz“ über die Raths-Apotheke finden Sie in DAZ 2015, Nr. 46, S. 70).

Preise für Apotheken

Auch Verbände, Organisationen und Unternehmen schreiben ab und an und in mehr oder weniger regelmäßiger Frequenz Wettbewerbe und Preise aus. In aller Regel werden zukunftsträchtige und innovative Projekte gesucht, die öffentlichkeitswirksam mit Urkunden, Trophäen, Preisgeldern und Berichten in den Medien prämiert werden. Nachfolgend einige Preise für Apotheken, die in den letzten Jahren verliehen wurden.

Die Apothekenkooperation Avie schrieb den „Deutschen Apothekerpreis“ mittlerweile schon zum dritten Mal aus. Gesucht werden beispielhafte, innovative Projekte und Engagements, mit der die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheke als Einrichtung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung hervorgehoben und die Wahrnehmung der Bevölkerung für die Leistungen der Apothekerschaft gesteigert werden kann. Bei den diesjährigen eingereichten Projekten lag der Schwerpunkt auf dem Thema Arzneimitteltherapiesicherheit.

Der Apothekerverband Nordrhein verleiht seit einigen Jahren im Rahmen seines Zukunftskongresses den „Zukunftspreis öffentliche Apotheken“. Ausgezeichnet werden zukunftsweisende Ideen, Projekte und Initiativen von Apotheken mit Modellcharakter, von denen Kunden und Patienten profitieren. Der Preis wurde bereits zum achten Mal vergeben.

Der Deutsche Apotheken Award ist ein Preis, der 2015 erstmals vom Deutschen Apothekerverband (DAV) ausgeschrieben und verliehen wurde. Er soll ein deutliches Signal an die Öffentlichkeit senden, auf welch vielfältige Art und Weise sich die Apotheken für die Belange ihrer Kunden einsetzen und vertreten, so der Ausschreibungstext. Es wurden herausragende Leistungen in den drei Kategorien „Gesunde Lebensführung (Prävention)“, „Moderne Apotheke“ und „Soziales Engagement (Kooperation Selbsthilfe und Apotheke)“ ausgezeichnet. Der Deutsche Apotheken-Award folgte dem zuletzt im Jahr 2013 verliehenen DAV-Gesundheitspreis „Selbsthilfe und Apotheke – Kooperationen mit Vorbildcharakter“, ist jedoch durch seine drei Kategorien inhaltlich deutlich umfassender angelegt.

Die Pharmagroßhandlung Gehe lobt erstmals in diesem Jahr den Franz Ludwig Gehe-Förderpreis aus. Der Preis würdigt pharmazeutische Arbeiten, die sich durch einen patientenorientierten Ansatz auszeichnen. Gesucht werden Projekte, die beispielhaft für eine zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung stehen. Der Preis soll Apotheken auszeichnen, die ihren Kunden und Patienten schon heute Besonderes bieten und dies sichtbar ins Zentrum ihrer Arbeit stellen, heißt es in der Ausschreibung.

Das Wissenschaftliche Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG), das 2007 mit Sitz in München gegründet wurde mit der Intention, den Präventionsgedanken in Gesellschaft und Politik zu fördern und neue Präventionskonzepte zu entwickeln, verlieh 2009, 2011 und 2014 den Präventionspreis „Hauptsache Prävention“. Ausgezeichnet wurden Arbeiten, Ideen, Projekte von Apotheken, auch in Zusammenarbeit mit Ärzten, und von Hochschulen, die den Präventionsgedanken in den Mittelpunkt stellten. |

Autor

Peter Ditzel

ist Herausgeber der DAZ – Deutsche Apotheker Zeitung

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