Deutscher Apothekertag 2016

Mehr als Kaffeesatzleserei?

Ein Kommentar von Christian Rotta

Dr. Chris­tian Rotta, Geschäftsführer des Deutschen Apotheker Verlags

Ging es (nur) um die Sache oder war es (auch) ein Schaulaufen? Zwei Anträge der Apothekerkammer Hamburg zum Ausbau der ABDA-Datenbank und zur Entwicklung einer ABDA-­Datenbank-App entwickelten sich zum Stimmungstest zwischen dem amtierenden ABDA-Präsidenten und seinem Herausforderer um das Amt an der ABDA-Spitze. Dabei konnte der Rahmen für die beiden Kontrahenten in München unterschiedlicher nicht sein: Hoch oben auf dem hell erleuchteten Vorstandspodium der Hauptversammlung Friedemann Schmidt – eingerahmt von DAV-Chef Fritz Becker, BAK-Präsident Andreas Kiefer und seinem Vize Mathias Arnold –, in der Tiefe des schummrigen Auditoriums Herausforderer Kai-Peter Siemsen. Es war ein Abtasten der beiden Kandidaten mit Botschaften zwischen den Zeilen (und der einen oder anderen Stichelei). Als Vehikel dienten hierfür zwei (Prüf-)Anträge zur ABDA(TA)-­Digitalstrategie und zur Entwicklung einer Datenbank-App. Es entspann sich eine lebhafte Debatte über Qualität und Optimierungsbedarf der ABDA-Datenbank, ihre – von vielen Apotheken gewünschte – Öffnung und Kompatibilität zu anderen Daten­banken, das Geschäftsmodell der ABDATA als ­Datenlieferant von Softwarehäusern und die Sinnhaftigkeit der Entwicklung einer eigenständigen ABDA-­Datenbank-App. Dabei wirkte Schmidt zunächst etwas schmallippig, ja kiebig. Sein Hinweis auf einen entsprechenden Antrag, der vor zehn Jahren (!) von der Hauptversammlung abgelehnt worden war, erwies sich als nur wenig souverän, ebenso sein Statement, neben der ABDA-Datenbank („Wir sind der Eigentümer“) keine weiteren Datenbankangebote neben ihr gelten lassen zu wollen.

In der Sache ergriffen zunächst die Kritiker der Hamburger Anträge das Wort – allesamt gut präparierte Präsidenten und Vorsitzende, unter anderem Jens-Andreas Münch, Kammerpräsident in Sachsen-Anhalt, DAV-­Vize Rainer Bienfait und, auf dem Podium, BAK-Präsident Andreas Kiefer sowie Schmidts „Doppelpack“-Intimus Mathias Arnold, der – wie es der Zufall wollte – bei den Hamburger Anträgen die Sitzungsleitung inne hatte.

Aber auch die Befürworter der Hamburger Anträge waren vorbereitet. ­Zuspruch erhielten die von Siemsen begründeten Anträge unter anderem von René Graf (Vize-Präsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe), Niedersachsens Kammerpräsidentin Magdalene Linz, Nordrheins Kammerpräsident Lutz Engelen und der Berliner Delegierten Kerstin Kemmritz.

Dass schließlich von der Hauptversammlung ein Hamburger Antrag (Prüfauftrag zum Ausbau der ABDA-Datenbank) angenommen und ein ­anderer (Entwicklung einer ABDA-­Datenbank-App) auf den Deutschen Apothekertag 2017 vertagt wurde (mit 277 zu 133 Stimmen), kann Siemsen als kleinen Erfolg verbuchen. Aber ist es mehr als Kaffeesatzleserei, daraus auch etwas über die Erfolgsaussichten von Schmidt und Siemsen bei der Wahl zum ABDA-Präsidenten Anfang Dezember herauszulesen? Zumindest darüber wurde nach der Abstimmung an der einen oder anderen Stelle getuschelt und spekuliert. Selbst outen wollte sich jedoch kaum ein Delegierter. Friedemann Schmidt jedenfalls wirkte auch nach der Abstimmung – wie während des gesamten Apothekertags – selbstbewusst und scheint davon überzeugt zu sein, auch den Apothekertag 2017 in Düsseldorf eröffnen zu können.

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