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Wenn ein Rad des Dreirads Luft verliert …

BAH-Vorsitzender Wieczorek zur gesundheitspolitischen Diskussion

BERLIN (diz) | „Bitter enttäuscht“ ist der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) vom Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz auch deshalb, weil das Preismoratorium um weitere fünf Jahre verlängert werden soll, so Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender des BAH. Als positiv hob Wieczorek hervor, dass mit diesem Gesetz Teile des Apothekerhonorars angehoben werden sollen.

Beim Abendempfang zur 62. Mitgliederversammlung des BAH im Humboldt-Carré, Berlin, verglich Wieczorek das Gesundheitswesen mit einem Dreirad, wobei die drei Räder die wichtigsten Akteure seien, nämlich Politik, Kostenträger und Arzneimittelindustrie. Dabei komme es auf alle drei Räder gleichermaßen an: „Verliert nur ein Rad stetig Luft, so der BAH-Vorsitzende, können das die beiden anderen Räder nicht auffangen.“ Übertragen auf die aktuelle gesundheitspolitische Situation bedeutet dies: Über den Pharmadialog sei man zwar anfangs erfreut gewesen, als dann aber der Entwurf des Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetzes vorlag, „waren wir bitter enttäuscht“, so Wieczorek. Der Entwurf habe weder Anreize für die Weiterentwicklung bekannter Wirkstoffe enthalten noch zur Vertraulichkeit des Erstattungsbetrages. Außerdem solle das Preismoratorium um weitere fünf Jahre verlängert werden: „Das halten wir nicht nur für verfassungsrechtlich bedenklich, sondern auch im hohen Maße für mittelstandsfeindlich und schädlich für den Pharmastandort Deutschland“, machte Wieczorek deutlich. Um im Bild des Dreirads zu bleiben: Eines von den drei Rädern, die Arzneimittelindustrie, verliere dadurch stetig an Luft, das Rad der Kos­tenträger gewinne an Bedeutung – das Gefährt werde dadurch instabil. Die Verwaltungskosten der Krankenkassen sind von 2009 bis 2015 um fast zwei Milliarden Euro gestiegen, Kostensteigerungen können die Leistungsträger über zusätzliche Beitragseinnahmen kompensieren, aber Arzneimittelhersteller können Kostensteigerungen seit sieben Jahren nicht mehr weitergeben – das sei nicht fair.

Foto: BAH/Pietschmann
Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender des BAH: „Wir haben die ganze Arzneimittelversorgung der Bevölkerung im Blick.“

Über den Wert von Arznei­mitteln reden

Wieczorek beklagte, dass dem Sparen am Arzneimittel der Vorrang vor dem Sparen mit dem Arzneimittel gegeben werde und fragte: „Warum reden wir nicht öfter über den Wert von Arzneimitteln, über ihre Wirksamkeit und Sicherheit, über ihren langfristigen Beitrag zu einem besseren und längeren Leben?“ Solche Werte könne man mit Geld nicht aufwiegen. Den Arzneimittelherstellern gehe es dabei auch um „mehr Leben“ und um „mehr vom Leben“.

Der BAH habe sich darüber hinaus immer für die Stärkung der Apotheken ausgesprochen, daher begrüße man, so Wieczorek, die geplante Anhebung der Apothekerhonorare.

Verlässliche und planbare Rahmenbedingungen

Vom Gesetzgeber erwarte die Industrie verlässliche, planbare und wirtschaftlich auskömmliche Rahmenbedingungen, nur so könne sie die Anforderungen erfüllen, die aus der Umsetzung der nationalen oder EU-Gesetzgebung resultierten. Wieczorek forderte in diesem Zusammenhang die BAH-Mitgliedsfirmen auf, zügig die Arzneimittel-Fälschungsrichtlinien umzusetzen, denn ab dem 9. Februar 2019 dürfen nur noch Arzneimittel mit bestimmten Sicherheitsmerkmalen auf der Packung in den Verkehr gebracht werden.

Glaubhaft und sachorientiert im Dialog mit der Politik

Der BAH befasse sich aber auch mit der Arzneimittelversorgung der Zukunft. Dazu gehöre die Frage einer hochwertigen Arzneiversorgung mit OTC, OTx und Rx im Jahr 2015, der zukünftige Stellenwert der Selbstmedikation, der Einfluss der Digitalisierung und der Erhalt der Wertschöpfung der pharmazeutischen Industrie in Deutschland. Der BAH, so Wieczorek, werde auch weiterhin gemäß der Verbandsphilosophie im Dialog mit der Politik glaubhaft und vertrauenswürdig, diskret und ­sachorientiert auftreten, um nach tragfähigen Lösungen zu suchen. |

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