Prisma

Parodontosebakterium fördert Darmkrebs

Membranprotein startet Kanzerogenese

cae | Beim Zahnfleischbluten kann ein Bakterium der natürlichen Mundflora über die Blutbahn in den Dickdarm gelangen und dort die Entstehung sowie die Vermehrung von Karzinomzellen fördern.
Grafik: SciencePhotoLibrary/Sciepro
In der Regel ist das Kolonkarzinom im absteigenden Dickdarm lokalisiert, meistens am Übergang zum Rektum.

Das Mundbakterium Fusobacterium nucleatum trägt wesentlich zur Bildung von Zahnbelag bei, indem es mit dem Membranprotein Fap2 fest an andere Mikroorganismen bindet. Fap2 ist ein starkes Adhesin, das auch als Lectin oder Hämagglutinin fungiert und zuerst als Apoptose-induzierendes Protein aufgefallen war (Fap = Fusobacterial apoptosis protein). Darüber hinaus spielt es als „Brückenkeim“ ­eine Rolle bei der Parodontose.

Weit weg von seinem natürlichen Habitat, nämlich im Dickdarm, ist F. nucleatum an der Pathogenese des Kolonkarzinoms beteiligt, wie schon seit Längerem bekannt ist. Mit seinem Membranprotein FadA (­Fusobacterium adhesin A) bindet es an E-Cadherin, ein transmembranäres Glykoprotein, das darauf das intrazelluläre Signalmolekül β-Catenin aktiviert. β-Cate­nin wiederum wandert in den Zellkern und wird dort Bestandteil eines Transkriptionsfaktors, der die Expression mehrerer Onkogene startet.

Wenn sich bereits Tumorgewebe im Dickdarm gebildet hat, reichert sich F. nucleatum dort an und beschleunigt dessen Wachstum. Der für die erhöhte Proliferationsrate verantwortliche molekulare Mechanismus ist zwar noch unbekannt, aber auch dieser Prozess beginnt mithilfe spezieller Bindungsmoleküle auf beiden Seiten: Das bakterielle Membranprotein Fap2 bindet an Galactose-N-Acetylgalactose-Polysaccharide (Gal-GalNAc), die auf Krebszellen sehr viel häufiger vorkommen als auf gesunden Zellen. Bei Labormäusen mit transplantierten kolorektalen Adenokarzinomen, denen F. nucleatum in die Schwanzvene injiziert worden war, wurde das Bakterium sechsmal so häufig auf Krebszellen wie auf gesunden Zellen detektiert. Den Autoren, die in Boston und Jerusalem forschen, erscheint diese relative Selektivität ausreichend, um F. nucleatum als Vektor für antitumorale Wirkstoffe in Betracht zu ziehen. Zudem könnte die medikamentöse Blockade von Fap2 das Tumorwachstum bremsen. |

Quellen

Coppenhagen-Glazer S. Fusobacterium nuclea­tum’s Fap2 adhesin is involved in coaggregation, cell adhesion and preterm birth. Diss phil Jerusalem 2013

Abed J, et al. Fap2 Mediates Fusobacterium nucleatum Colorectal Adenocarcinoma Enrichment by Binding to Tumor-Expressed Gal-GalNAc. Cell Host Microbe 2016;20(2);215-225

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