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Zusätzliche Förderung für Familien

Das neue Familiengeld in der Diskussion

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) plant ein Familiengeld, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Im europäischen Vergleich hat Deutschland ohnehin großen Nachholbedarf.
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„Ich möchte die Mütter ermutigen, trotz Zeit für die Kinder weiter berufstätig zu bleiben, sodass sie ihre eigene Existenz sichern können“, sagte Schwesig. Reduzieren beide Elternteile ihre Arbeitszeit auf 28 bis 36 Wochenstunden, sollen sie jeweils 150 Euro im Monat vom Staat erhalten, und zwar maximal 24 Monate lang, bevor das Kind acht Jahre alt ist. Alleinerziehende bekämen den vollen Betrag. Das Familiengeld soll an das Elterngeld anknüpfen, das für das erste Lebensjahr des Kindes gilt.

Schwesig erwartet, dass jeder fünfte Anspruchsberechtigte das Familiengeld beantragen wird. Sie sieht es als „wichtigen Beitrag zur Schließung der Lohnlücke“ zwischen Frauen und Männern. Denn derzeit kommen 83 Prozent aller Väter junger Kinder mit ihrem Nettoeinkommen über das Grundsicherungsniveau, aber nur 28 Prozent aller Mütter. „Frauen gehen oft nach der Geburt der Kinder in Teilzeitberufe, die schlechter bezahlt sind. Daraus kommen sie oftmals nicht mehr heraus, und das hat Auswirkungen bis zur Rente“, so Schwesig.

Kolleginnen arbeiten durchschnittlich 30 Stunden, Kollegen jedoch 41 Stunden. Damit liegen weibliche Angestellte sogar drei Stunden unter dem EU-Durchschnitt. Es sind auch mehr Frauen in Teilzeit beschäftigt als Männer, nämlich 8,1 Millionen im Vergleich zu 1,9 Millionen (2013). Bei Befragungen gab fast jede zweite Frau an, sie habe sich aus familiären Gründen dazu entschieden. Rund 70 Prozent von ihnen arbeiten weniger als 32 Stunden in der Woche.

Andere Länder – bessere Ideen

Derzeit erhalten Elternpaare und Alleinerziehende maximal 14 Monate lang Elterngeld. Ein Elternteil kann mindestens zwei und höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen.

In Schweden besteht ein 13-monatiger Anspruch auf Elterngeld als 80-prozentige Lohnersatzleistung, bevor das Kind acht Jahre alt ist. Darüber hinaus sind bezahlte Arbeitsfreistellungen bis zum zwölften Lebensjahr des Kindes möglich.

Norwegen zahlt Eltern 56 Wochen lang (davon zehn Väterwochen) 80 Prozent des früheren Lohns oder 46 Wochen lang 100 Prozent.

In Dänemark, Estland und Litauen gibt es ein einjähriges Elterngeld. In Estland beträgt es während zwölf Monaten 100 Prozent des vorherigen Lohns; in Dänemark sechs Monate 100 Prozent und sechs Monate 90 Prozent; in Litauen sechs Monate 100 Prozent und sechs Monate 85 Prozent.

Beim österreichischen Kinderbetreuungsgeld handelt sich um eine monatliche Zahlung von rund 436 Euro, die bis zum 36. Lebensmonat des Kindes gewährt wird und in etwa dem Erziehungsgeld in Deutschland entspricht.

Großbritannien, Frankreich und die Schweiz haben deutlich schlechtere Regelungen. |

Michael van den Heuvel

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