Arzneimittel und Therapie

Eine Generationsfrage

Beobachtungsstudie zu kardiovaskulären Risiken unter oralen Kontrazeptiva

rr | Eine Beobachtungsstudie aus Frankreich bestätigt unter Real-life-Bedingungen den Verdacht, dass eine orale Kontrazeption mit Levonorgestrel als Gestagen der 2. Generation mit einem niedrigeren Risiko für arterielle und venöse Thromboembolien verbunden ist als mit Gestagenen der 3. und 4. Generation.

Der Kohortenstudie liegen historische Daten von 4.945.088 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren (Durchschnitt 28 Jahre) zugrunde, die zwischen Juli 2010 und September 2012 im französischen Gesundheitssystem registriert waren. Auf 5.443.916 Personenjahre kam es zu 3253 kardiovaskulären Ereignissen unter Einnahme oraler Kontrazeptiva, davon 1800 pulmonale Embolien (33 auf 100.000 Personen­jahre), 1046 ischämische Schlagan­fälle (19/100.000 Personenjahre) und 407 Myokardinfarkte (7/100.000 Personenjahre). Das relative Risiko für Anwenderinnen war unter Estrogen in einer Dosierung von 20 µg niedriger als unter 30 bis 40 µg Estrogen und betrug 0,75 für pulmonale Embolien (-25%), 0,82 für ischämischen Schlaganfall (-18%) und 0,56 für Myokardinfarkt (-44%). Die Anwendung von oralen Kontrazeptiva mit Desogestrel oder Gestoden waren mit einem 2,2- bzw. 1,6-fach höheren Risiko für pulmonale Embolien verbunden als Präparate mit Levonorgestrel. Das galt nicht für arterielle Thromboembolien.

Die Studie zeichnet sich durch eine hohe statistische Power mit fast 5.500.000 Personenjahren aus.

Im Ergebnis wurde Levonorgestrel in Kombination mit niedrig dosiertem Estrogen als die Hormonkombination mit dem geringsten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bewertet. Levo­norgestrel-haltige Präparate gelten als erste Wahl. Die Studienautoren raten, Kombinationspräparate mit hohem Risiko wenn möglich zu meiden. |

Quelle

Weill A et al. Low dose oestrogen combined oral contraception and risk of pulmonray embolism, stroke, and myocardial infraction in five million French women: cohort study. BMJ 2016;353:i2002

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