Arzneimittel und Therapie

Stop spoon dosing!

Initiative will Dosierungsfehler mit Haushaltslöffeln reduzieren

Hinter dem Slogan „Stop spoon dosing“ steht eine amerikanische Initiative, die erreichen möchte, dass Pharmahersteller in den Fachinformationen auf Dosierungsangaben mit Haushaltslöffeln verzichten, um damit die Fehlerrate bei der Dosierung flüssiger Arzneiformen zu reduzieren.

Obwohl die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) schon seit geraumer Zeit fordert, dass in Packungsbeilagen flüssiger Arzneiformen die Dosierungen konsequent in Millilitern angegeben werden, wird dies noch nicht genügend umgesetzt. Beispielsweise entsprechen die Dosierungsangaben von mehr als 86% aller OTC-Arzneimittel für Kinder und Jugendliche nicht den FDA-Empfehlungen.

Die Autoren einer kürzlich in der nichtkommerziellen Online-Plattform BioMed Central (BMC) Research Notes erschienenen Publikation hatten bereits in einer früheren Untersuchung herausgefunden, dass Probanden bei Einsatz eines Teelöffels als Dosierhilfe 8,4% zu wenig von einer flüssigen Arzneiform einnahmen, bei Verwendung eines Esslöffels jedoch 11,6% zu viel. Für ihre aktuelle publizierte Studie stellten sie sich folgende Fragen: Wie hoch ist die Fehlerrate, wenn in den Beipackzetteln der Präparate „Teelöffel-Einheiten“ als Maßangaben enthalten sind? Und kann diese Rate reduziert werden, wenn die Angabe in Millilitern erfolgt?

Foto: Patricia Natalie, Cornell Food and Brand Lab

Finger weg vom Löffel und damit Fehldosierungen vermeiden

Einfluss von Beipackzetteln

Drei Gruppen von insgesamt 195 Universitätsstudenten (Durchschnittsalter 21 Jahre) erhielten eine der folgenden Dosierungsangaben für einen Hustensaft:

  • 1 Teelöffel alle zwölf Stunden
  • 5 ml alle zwölf Stunden
  • 1 Teelöffel (5 ml) alle zwölf Stunden

Alle drei Dosierungsangaben waren mit dem Zusatzhinweis versehen, dass die FDA sich gegen die Verwendung von Haushaltsutensilien beim Verabreichen von Flüssigarzneimitteln ausspricht. Anschließend wurden allen Teilnehmern Abbildungen von vier Dosierungshilfsmitteln gezeigt: Teelöffel, Messbecher mit Milliliter-Graduierung, Messbecher mit Teelöffel-Graduierung und Messbecher mit beiden Angaben. Die Probanden wurden gefragt, für welches Hilfsmittel sie sich entscheiden würden.

Es zeigte sich, dass die Entscheidungen der Teilnehmer signifikant (p < 0,001) von den Angaben in der schriftlichen Information beeinflusst wurden. Teilnehmer, die den Dosierungshinweis in Teelöffel-Maßeinheiten gelesen hatten, benutzten doppelt so häufig einen haushaltsüblichen Teelöffel als diejenigen, denen diese Information in Millilitern gegeben worden war. Diejenigen, die beide Maßangaben gelesen hatten, tendierten 1,5-mal so häufig zum Teelöffel. Befragt nach dem beliebtesten Hilfsmittel zum Dosieren flüssiger Arzneiformen antworteten 34,5% der Teilnehmern, dass sie Teelöffel bevorzugen. Wurden diesen Personen Dosierungsangaben in Millilitern vorgelegt, griffen sie gleich häufig zum Teelöffel wie zum Messbecher mit Milliliter-Graduierung. Bei einer Dosierungsangabe in Teelöffeln nutzte keiner von ihnen diesen Messbecher.

Fazit der Autoren

Pharmaunternehmen sollten, wie von der FDA empfohlen, die Dosierungen von flüssigen Medikamenten in Milli­litern angeben. Darüber hinaus sind auch graduierte Oralspritzen und Pipetten zur Verabreichung von flüssigen Arzneiformen, besonders bei Kindern, gut geeignet. Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hält Dosisangaben wie „Teelöffel“ oder „Esslöffel“ für zu ungenau und daher für ungeeignet. Pharmazeutische Unternehmer sind angehalten, die Dosierung beispielsweise in Millilitern anzugeben und ein geeignetes Produkt zur Dosierung, wie einen Messlöffel, zusammen mit dem Arzneimittel auszugeben. |

Quelle

van Ittersum K, Wansink B: Stop spoon dosing: Milliliter instructions reduce inclination to spoon dosing.BMC Res Notes 2016;9(1):33

Antwort von Maik Pommer, Pressesprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), auf eine Anfrage vom 26.1.2016

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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