Arzneimittel und Therapie

Entwarnung für Testosteron-Therapie

Kein erhöhtes Risiko für Prostatakarzinome

Ein möglicher Zusammenhang zwischen einer Testosteron-Ersatztherapie und dem vermehrten Auftreten von Prostatakarzinomen wurde bislang kontrovers beurteilt. Eine schwedische Studie gibt nun Entwarnung.
Foto: Cristal Oscuro – Fotolia.com

Go! Die Sorge vor einem Prostatakarzinom sollte einer Testosteron-Ersatztherapie nicht im Weg stehen.

Auf dem diesjährigen Amerikanischen Urologenkongress (6. bis 10. Mai 2016, San Diego) wurde das Ergebnis einer Studie zum Prostatakarzinomrisiko unter einer Testosteron-Ersatztherapie vorgestellt. Eine Forschergruppe griff in einer Fall-Kontroll-Studie auf schwedische Registerdaten von 231.000 Männern im durchschnittlichen Alter von 69 Jahren zurück. Von diesen Männern waren 38.570 an einem Prostatakarzinom erkrankt, 284 von ihnen hatten vor der Tumordiagnose eine Testosteron-Ersatztherapie erhalten. Ein Vergleich mit den Daten der Kon­trollgruppe (1378 Männer mit Testosteron-Ersatztherapie, aber ohne Prostatakarzinom) zeigte keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Testosteron-Gabe und dem Prostatakrebsrisiko (Odds Ratio [OR] 1,03). Betrachtete man die Prostatakarzinom-Erkrankungen bei Männern mit Testosteron-Ersatztherapie etwas genauer, so hatten Testosteron-Anwender zwar ein höheres Risiko, an einem prognostisch günstigen Karzinom zu erkranken (OR 1,35), aber auch ein geringeres Risiko, einen aggressiven Tumor zu entwickeln (OR 0,50). Eine Stratifizierung nach der Dauer der Testosteron-Ersatztherapie zeigte das erhöhte Risiko für prognostisch günstige Tumore nur im ersten Jahr der Testosterongabe, wohingegen das verminderte Risiko für aggressive Tumoren nur bei einer mehr als ein Jahr dauernden Testosteron-Ersatztherapie nachzuweisen war. Eine Berücksichtigung vorhergehender Biopsien – als Indikator für eine ärztliche Überwachung – wies ebenfalls darauf hin, dass eine Testosteron-Ersatztherapie mit einem erhöhten Risiko für prognostisch günstige Tumore und mit einem verminderten Risiko für prognostisch ungünstige Tumoren assoziiert war. |

Quelle

http://www.aua2016.org/abstracts/files/presenter_LoebStacy-NewYork-NY.cfm; Abstract 1145 (Zugriff am 4.6.2016)

Meldung NYU Langone Medical Center / New York University School of Medicine

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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