Prisma

Trichomonas ist der Einzeller des Jahres

Weit verbreitet – wenig bekannt

cae | Einen weit verbreiteten, aber relativ wenig bekannten Flagellaten hat die Gesellschaft für Protozoologie zum Einzeller des Jahres 2016 gekürt: Trichomonas vaginalis.
Foto: Dr_Kateryna – Fotolia.com

Trichomonas ist 10 bis 20 µm lang und 2 bis 14 µm breit. Zudem besitzt sie einige Flagellen (Geißeln), mit denen sie sich im Wasser oder feuchten Milieu fortbewegt.

Es ist kein Zufall: Die Entdeckung, dass Pflanzen und Tiere aus Zellen ­bestehen (Schleiden und Schwann, 1838/39) und die Entdeckung des ­ersten Einzellers ereigneten sich fast zur gleichen Zeit und sind letzten Endes auf die enorme Verbesserung der Lichtmikroskope in den 1830er-Jahren zurückzuführen: Im Jahr 1836 entdeckte und beschrieb der Pariser ­Mediziner Alfred Francois Donné (1801 – 1878) den Einzeller Trichomonas vaginalis im gelben Ausfluss der Scheide – er kommt jedoch auch im Penis vor, insofern ist der Artname „vaginalis“ irreführend. Da Donné auch ein Pionier der Mikrofotografie war, gelten seine Fotos von T. vaginalis als die ­ältesten Fotos eines Einzellers.

Trichomonas lebt anaerob im Wasser und als Parasit in den Geschlechtsorganen des Menschen, wo sie schon wenige Minuten nach der Infektion die fließende Gestalt einer Amöbe annimmt. Bei 37 °C fühlt sie sich am wohlsten; zudem bevorzugt sie einen pH-Wert von 5,4 bis 6,0. Im Wasser wird Trichomonas durch Chlor sofort abgetötet; in öffentlichen Schwimm­bädern droht daher keine Infektionsgefahr. Infektionen können (selten) durch die gemeinsame Benutzung eines Handtuches erfolgen, in der Regel wird Trichomonas jedoch sexuell von Mensch zu Mensch übertragen. Bei den meisten Frauen treten Juckreiz, Schmerzen, Harndrang und gelber Ausfluss auf, während die Infektion bei den Männern meistens symptomlos bleibt. Behandelt wird mit Azol-­Antibiotika (Metronidazol, Tinidazol).

Nachdem Trichomonas im 19. Jahrhundert Wissenschaftsgeschichte geschrieben hatte, ist sie heute weniger bekannt, als es ihr zustände. Die Umfrage „Aids im öffentlichen Bewusstsein“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Jahr 2013 ergab, dass sie unter allen sexuell übertra­genen Krankheiten und Krankheitserregern am wenigsten bekannt ist.

Übrigens gibt es auch eine „Mikrobe des Jahres“. In diesem Jahr führt das Bakterium Streptomyces diesen Titel (siehe Prisma in DAZ Nr. 9). |

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