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(K)eine Strategie gegen den Fachkräftemangel?

Syrische Apotheker in Deutschland

Im deutschen Gesundheitswesen fehlen Fachkräfte. Öffentliche Apotheken sind besonders stark betroffen. Viele Chefs hoffen jetzt auf pharmazeutische Fachkräfte, die als Flüchtlinge zu uns kommen. Doch der Teufel steckt im Detail.

Das Gesundheitssystem in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird es in nächster Zeit mehr ältere, multimorbide ­Patienten geben. Gleichzeitig klagen alle Branchen, öffentliche Apotheken eingeschlossen, über zu wenige Fachkräfte.

Foto: matthias21 – Fotolia.com

Bereits im Jahr 2012 zeigte eine APOkix-Studie gefährliche Entwicklungen: Über 60 Prozent aller befragten Apotheker hatten Probleme, geeignete Nachfolger zu finden oder rechneten mit Schwierigkeiten bei der Suche. Neue Trends kommen mit hinzu. Viele Berufsschulen bilden keine PKA mehr aus, und PTA-Fachschulen ringen finanziell um ihre Existenz. Können Flüchtlinge die Lücke schließen?

Keine Chance auf Anerkennung

„Bei uns war ein syrischer Apotheker, der in seiner Heimat eine Apotheke hatte“, erzählt Michaela Jäger. Sie ist Vorsitzende der ADEXA-Landesgruppe Saarland und arbeitet als PTA in einer öffentlichen Apotheke. Jäger weiter: „Er hat bei uns stundenweise reingeschnuppert. Als allerdings klar wurde, dass er keine Chance auf die deutsche Approbation hat, warf er das Handtuch.“ Zurzeit werde versucht, ihm einen Ausbildungsplatz an einer PTA-Schule zu organisieren. „Außerdem arbeitet bei uns ein syrischer Pharmazeut als PhiP. Er ist allerdings kein Flüchtling, sondern seit vier Jahren in Deutschland.“

Viele Berufsbilder im Ausland unbekannt

Experten warnen ebenfalls vor allzu großer Euphorie. „Es wird oft angesprochen, dass ein Drittel der nun ankommenden Flüchtlinge eine berufliche Qualifizierung mitbringt. Tatsächlich weiß es aber keiner“, sagte Ottmar Döring vom Nürnberger Forschungsinstitut Betriebliche Bildung gegenüber der Zeitung „Die Welt“.

Frühere Untersuchungen haben einen Akademikeranteil von 15 Prozent ergeben. Doch lediglich ein Prozent werde später in Deutschland auch eine akademische Tätigkeit ausüben. Nicht alle Abschlüsse und Berufsbilder seien vergleichbar oder überhaupt vorhanden. Döring: „Es werden keine ausgebildeten Altenpfleger aus Syrien kommen. Diesen Beruf gibt es so im Ausland praktisch nicht.“ Auch PTA oder PKA sucht man unter den Flüchtlingen vergebens.

Hohe Hürden

Bleiben noch Apothekerinnen oder Apotheker, die hierzulande Schutz ­suchen. Ihnen stellt das deutsche An­erkennungsverfahren vergleichsweise hohe Hürden in den Weg, um Qualitätsstandards nicht aufzuweichen. Bei der Gleichwertigkeitsprüfung von Nicht-EU-Apothekerdiplomen untersucht die zuständige Behörde, ob wesentliche Unterschiede zur deutschen Ausbildung bestehen. Dazu gehören sowohl Inhalt als auch Dauer. Im besten Falle erhalten Bewerber einen positiven Bescheid.

Findet die Behörde wesentliche Unterschiede, können Kolleginnen oder Kollegen eine Kenntnisprüfung in pharmazeutischer Praxis und in speziellen Rechtsgebieten für Apotheker ablegen. Eines der Fächer mit wesentlichem Unterschied zur deutschen Ausbildung kommt hinzu.

Tarifumfrage 2016

ADEXA fragt wieder nach den Arbeitsbedingungen in den öffentlichen Apotheken. Angestellte aller Berufsgruppen können an der Umfrage teilnehmen – auch Nichtmitglieder. Machen Sie also bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen auf die Umfrage aufmerksam! Die Daten werden vollständig anonymisiert ausgewertet, eine Identifizierung ist nicht möglich. Infos hier: www.adexa-online.de/tarifumfrage_2016.

Damit nicht genug: Die Fachsprachenprüfung besteht aus einem simulierten Apotheker-Patienten-Gespräch, der Erstellung eines berufstypischen Schriftstücks sowie einem Fachgespräch mit einem anderen Heilberufler. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, erteilen Behörden die hiesige ­Approbation. |

Michael van den Heuvel

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