Arzneimittel und Therapie

Für Kinder Apfelsaft statt Elektrolytlösung

Alternative bei leichter Gastroenteritis gefunden

Erkranken Kinder an einer leicht bis mäßig ausgeprägten Gastroenteritis, wird die Gabe von Elektrolytlösungen empfohlen, um einer Dehydratation vorzubeugen. Ein Nachteil ist die mitunter fehlende Akzeptanz des Kindes aufgrund des Geschmacks. Eine kanadische Arbeitsgruppe suchte daher nach einer Alternative und wurde fündig: Verdünnter Apfelsaft schnitt bei mild ausgeprägter Symptomatik sogar besser ab als eine Elektrolytlösung.
Foto: Andreas Berheide – Fotolia.com

Apfelsaft für den Notfall

An der randomisierten, einfach blinden Studie nahmen 647 Kinder im Alter von sechs bis 60 Monaten teil, die aufgrund von Durchfall und ­Erbrechen in der Notfallaufnahme einer kanadischen Kinderklinik behandelt wurden. Die Kinder zeigten Symptome einer Gastroenteritis, wiesen aber nur eine minimale Dehydratation auf. Die eine Hälfte der Kinder erhielt eine Mischung aus gleichen Teilen Apfelsaft und Wasser. Die andere Hälfte erhielt eine mit Apfelaroma versetzte Glucose-Elektrolytlösung. Die orale Rehydratation wurde in der Notfallaufnahme begonnen und daheim fortgeführt. Jedes Kind erhielt zwei Liter der ihm zugedachten Lösung. Diejenigen Kinder, die verdünnten Apfelsaft erhalten hatten, konnten dann auf ein Getränk ihrer Wahl (auch Milch oder zuckerhaltige Säfte) wechseln. Bei den anderen Kindern wurde der Flüssigkeitsverlust weiterhin mit ­einer Elektrolytlösung ersetzt. Der primäre Studienendpunkt war ein innerhalb von sieben Tagen auftretendes Therapieversagen, das wie folgt definiert war: Notwendigkeit einer intravenösen Rehydratation, Hospitalisierung, nicht vorgesehene Arztbesuche, anhaltende Symptome, Wechsel in eine andere Studiengruppe, Verlust von mehr als 3% des Körpergewichts. Das Studienziel – der Nachweis einer Nicht-Unter­legenheit der Apfelsaft-Wasser-Mischung im Vergleich mit einer Elek­trolytlösung – wurde erreicht. So trat nur bei 16,7% der Kinder, die verdünnten Apfelsaft erhalten hatten, ein Therapieversagen auf, im Vergleich zu 25% unter Elektrolytlösung. 2,5% der Kinder, die verdünnten Apfelsaft erhalten hatten, benötigten eine intravenöse Rehydrata­tion, in der Vergleichsgruppe waren es 9%. Im Hinblick auf die Hospitalisierungsrate und die Häufigkeit von Durchfällen und Erbrechen wurde kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt. Der Vorteil einer Apfelsaft-Wasser-Mischung zeigte sich am deutlichsten bei über zweijährigen Kindern. |

Quelle

Freedman S, et al. Effect of dilute apple juice and preferred fluids vs electrolyte maintenance solution on treatment failure among children with mild gastroenteritis: A randomized clinical trial. JAMA 2016;315(18):1966-1974

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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