Ausbildung

Anpassen statt erneuern

Ein Gespräch mit dem neuen Präsidenten der DPhG über Inhalte und Zukunft der Apothekerausbildung

Foto: DAZ/diz
diz | Seit 1. Januar 2016 ist Professor Dr. Stefan Laufer Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG). Die wissenschaftliche Gesellschaft beeinflusst maßgeblich die Ausbildung der Pharmazeuten. Wir fragten den neuen Präsidenten, wie er die neue Ausrichtung des Apothekerberufs in Richtung Medikationsmanagement sieht, was die Klinische Pharmazie dazu beitragen kann und ob die Ausbildungsordnung geändert werden sollte.

DAZ: Herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt, Herr Professor Laufer. Sie werden in den nächsten vier Jahren die Geschicke der DPhG mitbestimmen. Laut Satzung der DPhG steht als Aufgabe der Gesellschaft die Förderung der Wissenschaft auf allen Gebieten der Pharmazie an erster Stelle. Vor diesem Hintergrund: Welche Schwerpunkte haben Sie sich für Ihre Präsidentschaftszeit gesetzt?

Laufer: Auf fachlicher Ebene wollen wir alle Gebiete der Pharmazie zukunftsfest machen. Als Wissenschaftsgesellschaft konzentrieren wir uns hauptsächlich auf die Naturwissenschaften; paramedizinische Themen stehen nicht so sehr im Fokus. Wir haben die Pflicht, die Inhalte der pharmazeutischen Fächer relevanter darzustellen. Jedes Fach hat seine Hausaufgaben zu machen, was zum Teil schon in unserer Agenda 2020 abgebildet wurde. Die Pharmazeutische Chemie hat dies bereits getan, ebenso die Klinische Pharmazie, die anderen Fächer werden 2016 folgen. Vor ­allem in der Chemie und in der Klinischen Pharmazie wird es wohl die größten Veränderungen geben. Dann müssen wir das Nachwuchsproblem für die Pharmazie an der Hochschule angehen. Und nicht zuletzt möchten wir die Mitgliederzahl erhöhen, die wir in den letzten 15 Jahren ver­doppeln konnten, die sich aber seit einiger Zeit bei rund 10.000 eingependelt hat.

DAZ: Fangen wir mit dem letzten Punkt an, der Mitgliederwerbung. Warum sollte ein Offizinapotheker Mitglied in der DPhG werden?

Laufer: Als Heilberufler haben Apothekerinnen und Apotheker die Verpflichtung zum lebenslangen Lernen. Da die Fortschritte in den pharmazeutischen Disziplinen rasant sind, profitieren besonders Offizinapotheker von unserem breiten Fortbildungsangebot, das deutschlandweit in mehr als 150 Veranstaltungen und dem „Tag der Offizinpharmazie“ wissenschaftlich fundierte und gleichzeitig praxisrelevante Informationen vermittelt. Ein Highlight ist unsere Mitgliederzeitschrift „Pharmakon“, die als wachsendes Lehrbuch konzipiert ist und für Offizinapotheker und Studierende gleichermaßen sehr nützlich ist, weil in jeder Ausgabe eine spezielle Wirkstoffklasse umfassend beleuchtet wird. Die Mitgliedsbeiträge sind sehr moderat. Studierende und ­Doktoranden zahlen zum Beispiel nur 30 Euro jährlich, Offizinapotheker nur 75 Euro. Die DPhG setzt sich zudem mit Stellungnahmen in der Öffentlichkeit dafür ein, dass Apothekerinnen und Apotheker als kompetente Heilberufler und unverzichtbare Partner in einem immer komplexer werdenden gesundheitspolitischen Umfeld wahrgenommen werden. Als unabhängige Wissenschaftsgesellschaft haben wir dabei eine hohe Glaubwürdigkeit, was den Offizin­apothekern zugute kommt.

DAZ: Sie sprachen auch die Nachwuchsprobleme an der Hochschule an. Wie wollen Sie den akademischen Nachwuchs für eine Hochschulkarriere begeistern?

Laufer: Wir verlieren immer mehr Professuren, das heißt, wir schaffen es kaum noch, in den einzelnen Fächern bei Neuausschreibungen Dreierlisten aus Pharmazeuten aufzustellen. Damit werden zunehmend Pharmazieprofessuren durch Nicht-Pharmazeuten besetzt, das heißt von Professoren, die sich nicht in der Pharmazie habilitiert haben. Ein, zwei Lehrstühle gehen so jährlich für uns verloren. Und in aller Regel bekommen wir diese Lehrstühle nicht mehr in pharmazeutische Hände zurück. Ich sehe darin schon eine bedenkliche Entwicklung.

DAZ: Woran liegt’s?

Laufer: Es liegt an den guten beruflichen Alternativen für unsere Pharmazeuten. Viele Doktoranden gehen in die pharmazeutische Industrie. Und es bleiben einfach zu wenige Leute an den Hochschulen, weil trotz guter Perspektiven der Weg zur Professur lang ist. Es gibt leider kein richtiges Coaching für unsere Interessenten. Eine gezielte Förderung von jungen Nachwuchswissenschaftlern wäre notwendig. Die DPhG wird sich hier künftig noch stärker engagieren, indem wir die DPhG-Stiftung, die Stipendien an Nachwuchswissenschaftler vergibt, finanziell besser ausstatten. Die ­Stipendien können beispielsweise für Auslandsaufenthalte verwendet werden, durch die eine universitäre Karriere ­katalysiert werden kann.

DAZ: Zu den Studentenzahlen: Noch gibt es ausreichend ­Studienfänger. Glauben Sie, dass der Zulauf zum Pharmaziestudium in den nächsten Jahren anhält?

Laufer: Nein, wahrscheinlich nicht. Die Bewerberzahlen um ein Pharmaziestudium werden zurückgehen, ein Trend, den man schon in den letzten Jahren sieht. Das liegt meines Erachtens auch daran, dass der Apotheker in den Medien entweder meist negativ dargestellt wird oder, was vielleicht noch schlimmer ist, nicht in Erscheinung tritt, selbst dann nicht, wenn es zum Beispiel in Talkshows um das Thema Arzneimittel geht. Das Studium gilt zudem als verschultes „Hardcore-Fach“, zu dem es Alternativ-Studiengänge gibt, die sich an die Pharmazie anlehnen und Teile davon übernehmen, wie beispielsweise die molekulare Medizin.

DAZ: Die Pharmazie soll zukunftsfest gemacht werden – das fängt bei der Ausbildung der Pharmazeuten an. Die pharmazeutischen Fächer sollen aktuelle Inhalte vermitteln. Von verschiedener Seite wird gefordert, das Studium zu modernisieren. Sie sprechen davon, Inhalte relevanter darzustellen. Was verstehen Sie hierunter?

Laufer: Lassen Sie mich dazu ein Beispiel geben: Mit dem Lehren alter Farbreaktionen wie der Liebermann-Burchard Reaktion, also dem Beträufeln von Cholesterol mit konz. Schwefelsäure und der anschließenden Rotfärbung, lockt man niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Auf der anderen Seite: Die analytische Grundlage der Gendiagnostik ist nichts anderes als eine Farbreaktion, z. B. die Fluoreszenzfarbstoffe der Gensequenzer. Solche modernen Inhalte wie die Gensequenzierung gehören nach meiner Meinung ins Studium. Ein anderes Beispiel für moderne Inhalte: Wenn bei der Arzneimittelabgabe in der Offizin ein Fenster auf dem Bildschirm aufpoppt und vor Interaktionen warnt, sollte ein Pharmazeut verstehen, welche molekularen Zusammenhänge dieser Interaktion zugrunde liegen. Um das zu verstehen, brauche ich aber eine ganze Menge an Chemie. Wir Hochschullehrer haben die Pflicht, unseren Stoff, z. B. die Chemie relevanter zu vermitteln, das heißt anwendungsbezogen auf die Probleme, die sich heute und in Zukunft in der Praxis stellen. Was auf die Studierenden zukommt, können wir gut abschätzen: Die Entwicklung eines Arzneistoffs benötigt 20 bis 25 Jahre. Wir sehen jetzt, was in zwanzig Jahren in den Apothekenschubladen liegt. Und dies vor ­Augen lässt sich die Lehre heute schon darauf ausrichten.

DAZ: Wird da ein Schwerpunkt auf den Biologicals liegen?

Laufer: Neue Arzneistoffe werden auch in Zukunft immer noch zu einem erheblichen Teil klassische chemische Moleküle, die sogenannten Small Molecules, sein. Schon allein, weil deren Herstellung nach Auslaufen des Patentschutzes als Generika unschlagbar günstig sein wird. Dazu kommt, dass auch heute wesentliche Therapiedurchbrüche mit solchen Arzneistoffen erzielt werden, siehe bei HIV, bei den ­Kinaseinhibitoren oder jüngst in der Hepatitis-C-Therapie. Therapeutische Proteine wie Impfstoffe, Biologicals und Antikörper werden sicher noch an Bedeutung gewinnen, aber sie werden die Small Molecules weder verdrängen noch ersetzen, schon allein aus Preisgründen. Das bedeutet: Diese Entwicklung müssen wir in der Ausbildung der Pharmazeuten von Morgen abbilden, und zwar naturwissenschaftlich.

DAZ: Zurück zu den relevanten, neuen Inhalten. Was verstehen Sie denn konkret darunter?

Laufer: Als Arzneimittelfachmann muss der Apotheker den Wirkmechanismus einer Substanz verstehen. Und hierfür braucht er Wissen über allgemeine Chemie, Strukturverständnis, Kenntnis von physikochemischen Wechselwirkungen. Das heißt: Für ihn sollte der Arzneistoff nicht nur ein Name sein, auch nicht nur eine auswendig gelernte Formel. Er muss vielmehr wissen, welcher Rest macht was an welcher Zielstruktur. Um es auf den Punkt zu bringen: Er muss nicht für ein Barbiturat, das es mittlerweile nicht mehr gibt, drei Synthesen kennen. Er sollte aber schon eine Ahnung haben, wie der Zugang zu einer solchen Substanzklasse aussieht. Eine organikfreie pharmazeutische Chemie kann es nicht geben. Aber eine syntheselastige Chemie muss es nicht geben und gibt es nicht mehr.

DAZ: Von verschiedener Seite wird angeregt, vor allem dem achten Semester neue Inhalte zu geben, die Klinische Pharmazie auszubauen …

Laufer: Diese Anregungen kann ich gut verstehen. Obwohl wir hier in Tübingen die Klinische Pharmazie nicht mit einer Professur besetzt haben, sondern die Lehre auf verschiedene Personen verteilen, setzen wir viel von den Anregungen um. Im achten Semester beispielsweise machen wir therapeutisches Drug-Monitoring, wir beschäftigen uns mit der Phänotypisierung und bestimmen z. B. die Metabolisierungsraten von Coffein oder Paracetamol über Speicheltests. Auch an anderen pharmazeutischen Instituten wird viel mehr als nur titriert und analysiert. Damit will ich sagen: Es wurde schon viel verändert, wir haben bei der Gestaltung der Lehre viel Flexibilität.

DAZ: Wenn wir Sie richtig verstehen, eine Änderung der Approbationsordnung ist Ihrer Meinung nach daher nicht notwendig?

Laufer: Ja, wir brauchen keine neue AppO. Wenn wir jetzt eine neue AppO fordern, würde zunächst einmal zehn Jahre lang nichts passieren. Außerdem bekämen wir anstatt des heutigen Staatsexamens als Abschluss ein Bachelor-Master-System – und damit wäre die einheitliche Ausbildung weg. Und es stellt sich die Frage, wofür ein Bachelor qualifizieren soll. Die Risiken und Nebenwirkungen einer solchen Forderung wären ungeheuer groß. Ich glaube auch, dass dann eine erkleckliche Anzahl von Universitäten ihr Heil eher in einer forschungs- und industrieorientierten Masterausbildung suchen würde als in einem Master für Offizinpharmazie. Deshalb meine ich: Innerhalb der heutigen Approbationsordnung habe ich viel Spielraum, etwas zu bewegen, vor allem im zweiten Ausbildungsabschnitt: Hier prüfe ich, was ich lehre, hier kann ich Schwerpunkte setzen. Innerhalb einer Veranstaltung kann man 20 Prozent flexibel gestalten, und das ist schon eine Menge – viel mehr Änderungen kämen bei einer neuen Approbationsordnung auch nicht heraus. Vor allem auch, weil eine neue AppO kostenneutral zu sein hat.

DAZ: Und wie stehen Sie zu den neuen Aufgaben, die das Perspektivpapier der Apotheker anspricht: Medikations­analyse und Medikationsmanagement?

Laufer: Die DPhG hat sich schon vor zwei Jahren in einem Statement für die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement ausgesprochen. Doch angesichts der gesundheitspolitischen Entwicklungen halte ich eine rasche Umsetzung in die pharmazeutische Praxis derzeit für noch wenig realistisch. Solange der Apotheker die ärztliche Diagnose des Patienten nicht einsehen darf – das ist der aktuelle Stand der Dinge –, wird ein richtiges Medikationsmanagement, so wie die Apotheker es sich vorstellen, schwerlich realisierbar sein.

DAZ: Mit dem Perspektivpapier soll doch ein Paradigmenwechsel eingeläutet werden. Nicht mehr das Arzneimittel, sondern der Patient soll im Mittelpunkt stehen. Wird das an der Uni bereits nachvollzogen?

Laufer: In gewisser Weise möchte ich da widersprechen. Wenn der Apotheker nicht mehr der Spezialist für das Arzneimittel ist, wer soll es dann sein? Der Arzt ist es aufgrund seiner Ausbildung sicher nicht. Weil das Arzneimittel nun mal das Alleinstellungsmerkmal der Apotheker ist und bleiben wird, muss ich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit allen Facetten des Arzneimittels in der Ausbildung abbilden. Nur entsprechend naturwissenschaftlich ausgebildete Apotheker sind in der Lage, Patienten später kompetent und verantwortungsvoll zu beraten. Das bedeutet aber nicht, dass der Patient zu kurz kommt, denn eine Pharmazie ohne Patient gibt es nicht.

DAZ: Aber die Klinische Pharmazie hat doch auch den Anspruch, die Studierenden in Richtung Medikationsmanagement, Medikationsanalyse auszubilden. Wird dieses Fach stiefkindlich behandelt?

Laufer: Die Klinische Pharmazie bereitet die Studierenden auf ein Medikationsmanagement vor. Die DPhG fördert das Fach Klinische Pharmazie schon seit vielen Jahren. Unsere Fachgruppe Klinische Pharmazie ist sehr aktiv in der Fortbildung. Natürlich wäre ein eigener Lehrstuhl für Klinische Pharmazie an jedem Standort erstrebenswert, um das Fach auch nach außen entsprechend darzustellen. Aber die Tatsache, dass aus finanziellen, personellen und räumlichen Gründen noch nicht an allen Unis ein eigener Lehrstuhl aufgebaut wurde, bedeutet nicht, dass an diesen Hochschulen eine schlechtere oder unzureichende Klinische Pharmazie abgebildet und gelehrt wird. Schauen Sie sich mein Bundesland Baden-Württemberg an: Hier hat noch keine der drei Hochschulen einen eigenen Lehrstuhl für Klinische Pharmazie, aber die Studierenden werden in diesem Fach optimal ausgebildet.

DAZ: Könnte die Ausbildung an der Uni praxisgerechter ­werden?

Laufer: Den Universitäten wird seit geraumer Zeit angelastet, dass wir nicht praxisgerecht genug wären. Sollte die Konsequenz von mehr Praxisbezug bedeuten, dass ich an einer Eliteuni wie Tübingen Offizin-Beratungsgespräche in einer Modellapotheke simulieren muss? Wie soll ich das meinem Prorektor für Forschung vermitteln? Wie soll ich dem Landesministerium klarmachen, dass ich dafür Geld benötige? Könnte da nicht die Gefahr bestehen, dass sehr schnell ein Bezug zur Dualen Ausbildung an einer Dualen Hochschule hergestellt wird? Könnte dann nicht die Gefahr bestehen, dass man auch die pharmazeutische Ausbildung lieber an einer Dualen Hochschule angesiedelt sehen möchte? Und dass man dann diesen vermeintlichen Wunsch gern erfüllt, zumal ein Ausbildungsplatz dort wesentlich günstiger ist als an einer Universität? Das ist doch die Gefahr! An der Universität muss die wissenschaftliche Ausbildung im Vordergrund stehen. Die Vermittlung von Fertigkeiten dem Patienten gegenüber gehört in den Dritten Ausbildungs­abschnitt, der außerhalb der Universität stattfindet.

DAZ: Wie steht es dann damit, den Dritten Ausbildungs­abschnitt besser auf Praxisfähigkeiten auszurichten?

Laufer: Das können wir uns sehr gut vorstellen. Aber: Wir hatten letztes Jahr gemeinsam mit der Bundesapothekerkammer und der ABDA eine Arbeitsgruppe gebildet, um den Dritten Ausbildungsabschnitt etwas stärker qualitativ zu vereinheitlichen. Ein tolles Papier, ein tolles Konzept wurde erarbeitet. Ende 2015 wurde das Konzept der Arbeitsgruppe leider von den Kammern mehrheitlich abgelehnt mit der Begründung, die Umsetzung bedeute zu viel Aufwand und man könnte den Kolleginnen und Kollegen nicht so sehr vorschreiben, wie sie die Praktikanten ausbilden sollen. Der Dritte Ausbildungsabschnitt macht nach Zeitstunden rund 30 Prozent der Apothekerausbildung aus. Daher bedauert es die DPhG sehr, dass die Kammern es mehrheitlich abgelehnt haben, mit uns diesen wichtigen Schritt in der Qualitätssicherung der Apothekerausbildung zu gehen. Wir bleiben als DPhG gesprächsbereit und hoffen auf ein Umdenken der Kammern.

DAZ: Die Forderung, den Patienten stärker in den Mittelpunkt zu stellen, steht im Raum. Das ist doch sinnvoll und kann man nicht ignorieren.

Laufer: Ja, diese Forderung ist natürlich sinnvoll, aber man müsste dem Apotheker auch die geeigneten Rahmenbedingungen geben. Und das trifft nicht nur auf die Ausbildung zu. Der Offizinapotheker müsste, wie ich schon gesagt habe, die Diagnose der Patienten kennen und dann idealerweise mit dem Arzt zusammen die Therapie entwickeln. Es wird sicher noch viel Überzeugungsarbeit bei den Ärzten und Politikern erforderlich sein, bis dieses Szenario Realität geworden ist. Was die Hochschulen betrifft, haben wir mit unserer DPhG-Agenda Pharmazie 2020 bereits Vorarbeit geleistet: Wir haben alle Hochschulfächer der Pharmazie aufge­fordert, darüber nachzudenken, wo sie 2020 stehen wollen. Einige Fächer sind schon relativ gut fortgeschritten, im Netz kann man die Konzeptpapiere der Fachgruppen nachlesen – Transparenz ist gegeben. Da üben wir Selbstkritik, da haben wir unsere Lücken analysiert – davon sind andere noch weit entfernt.

DAZ: Wird die DPhG-Agenda Pharmazie 2020 Auswirkungen haben?

Laufer: Mittelfristig auf alle Fälle. Dadurch werden Denk- und Änderungsprozesse angestoßen. Letztlich liegen hier aber nicht die akuten Sorgen. Die offenbaren sich eher, wenn wir die Berichterstattung über die Qualität der Beratung von Apotheken lesen, wenn wir die Ergebnisse der Ringver­suche ansehen! Es gibt genug Probleme, an denen wir alle gemeinsam arbeiten müssen.

DAZ: Wie sehen konkret Ihre Vorschläge aus?

Laufer: Jedes der pharmazeutischen Fächer sollte auf seinem Gebiet mit dem Ziel arbeiten, die Lehre zu aktualisieren. Das halte ich für notwendig und möglich, wie wir das auch mit der Agenda Pharmazie 2020 zeigen. Die Flexibilität, die wir haben, halte ich für ausreichend, um Verbesserungen zu erzielen. Außerdem: Wer eine stärkere Patientenorientierung will, möge bitte daran arbeiten, dass die Rahmenbedingungen dafür überhaupt gegeben sind, sprich: Es sind alle gefordert. Man muss mit den Ärzten und ihren Berufsvertretungen reden, man muss die Ausbildung an den Unis auf diesem Gebiet verbessern, man sollte die Inhalte des Dritten Ausbildungsabschnittes ­ändern. Es müssen alle etwas dafür tun.

DAZ: Herr Professor Laufer, vielen Dank für das Gespräch. |


Mit Professor Laufer sprachen DAZ-Chefredakteur Dr. Benjamin Wessinger und DAZ-Herausgeber Peter Ditzel.

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