Aus den Ländern

Viel Zukunft, viel Zufriedenheit, mehr Beitrag

Mitgliederversammlung des Apothekerverbands Nordrhein

DÜSSELDORF (diz) | Auf seiner Mitgliederversammlung am 20. April 2016 in Düsseldorf konnte der Apothekerverband gleich zwei Jubiläen begehen: die 100. Mitgliederversammlung und 65 Jahre Apothekerverband Nordrhein. Vorgestellt wurden die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung und einer Trendstudie zur Zukunft. Beschlossen wurde eine Änderung der Beitragsordnung: Ab 2017 steigt der Beitrag.
Foto: Alois Müller

Thomas Preis: Nicht nachlassen, eine Anpassung des Apotheker­honorars zu fordern.

Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein, rief dazu auf, der Politik mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl im kommenden Jahr schon jetzt zu vermitteln, dass das Fremd- und Mehrbesitzverbot, der einheitliche Arzneimittelpreis für Rx, die freie Apothekenwahl und die Apothekenpflicht für Arzneimittel auch in Zukunft erhalten bleiben müssen. „Ohne diese Punkte ist die flächendeckende Arzneimittelversorgung nicht darstellbar“, so Preis.

2015 nannte er rückblickend ein Jahr mit Licht und Schatten. Die betriebswirtschaftliche Situation der Apotheken habe sich zwar ein wenig aufgehellt, getrübt worden sei die Lage aber durch zahlreiche Apothekenschließungen: Die Zahl der Apotheken nahm in Deutschland um 200 ab, allein in Nordrhein-Westfalen gab es 36 Apotheken weniger als ein Jahr zuvor.

Mit Blick auf die Entwicklung im laufenden Jahr dürfe man nicht lockerlassen, so der Vorsitzende, eine Anpassung des Apothekerhonorars zu fordern – trotz des vom Bundeswirtschaftsministeriums in Auftrag gegebenen Gutachtens.

Zum Thema Retax: Hier setzt man auf eine adäquate Entscheidung der Schiedsstelle, gegebenenfalls sei die Politik gefordert, Schaden von den Apotheken abzuwenden.

Nicht nachlassen sollte man auch bei der Forderung, den Versandhandel mit Rx zu verbieten. Auch Finanzminister Schäuble habe unlängst vor den Gefahren des Arzneimittelversands gewarnt.

Foto: Alois Müller

65 Jahre Apothekerverband Nordrhein, die 100. Mitgliederversammlung – die Mitglieder zeigten sich mit der Arbeit ihres Verbands weitgehend zufrieden. Eine Beitragserhöhung ab dem nächsten Jahr wurde beschlossen.

75 Prozent sind zufrieden

Die meisten Mitglieder des Apothekerverbands Nordrhein, nämlich 75 Prozent, sind mit ihrem Verband zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Dr. Markus Preißner vom Institut für Handelsforschung, Köln, stellte die Ergebnisse der Mitgliederbefragung vor, die der Verband beim IFH in Auftrag gegeben hatte. Die höchste Zufriedenheit wurde den Mitarbeitern der Geschäftsstelle hinsichtlich Freundlichkeit und Fachkompetenz attestiert. Leicht verbesserbar ist die telefonische Erreichbarkeit. Immerhin, 86 Prozent der Mitglieder würden eine Mitgliedschaft im Verband empfehlen.

Eher unzufrieden zeigten sich die ­Mitglieder bei den Leistungen des ­Verbands, wenn es um die Interessenvertretung gegenüber Krankenkassen, Politik und Ärzten geht. Dagegen war die Zufriedenheit mit Informationen vom Verband, mit der Beratung und den Serviceleistungen z. B. zu Krankenkassenangelegenheiten und zu Hilfsmitteln sehr hoch. Gerne genutzt werden die Infomedien des Verbands wie Rundschreiben und Sonderrundschreiben, während sich von Verbandsveranstaltungen wie dem OTC-Gipfel oder dem Zukunftskongress nur vergleichsweise wenige angesprochen fühlten.

Von den meisten wurde dagegen die überbordende Bürokratie und Retaxationen beklagt, außerdem die Schwierigkeit, Personal zu finden. Trotz allem: Über 90 Prozent der Befragten messen der Apotheke auch in Zukunft eine große Bedeutung im Gesundheitswesen bei, auch als Beratungsinstanz. Als ausbaubar wird die Beziehung zwischen Ärzten und Apothekern eingeschätzt.

Zukunftstrends

Foto: Alois Müller

Wie erreicht man, dass die Mitglieder mit der Verbandsarbeit noch zufriedener sind und wie sieht die Zukunft der Apotheke aus? Es diskutierten (v.l.): Trendforscher Michael Carl, Dr. Markus Preißner (IFH) und Thomas Preis (AV Nordrhein).

Um Zukunftstrends für die Apotheke aufzuspüren, hatte der Apotheker­verband Nordrhein eine Trendstudie in Auftrag gegeben. Michael Carl von 2b Ahead Thinktank stellte daraus einige Ergebnisse vor. Noch immer werden die Auswirkungen der Digitalisierung in unserer Gesellschaft unterschätzt, so der Trendforscher, doch mittlerweile durchdringt die digitale Revolution alle Lebensbereiche. Mittlerweile könnten sogar Computer Diagnosen stellen. Mediziner und Apotheker müssen sich darauf einstellen, dass sowohl sie als auch ihre Patienten den Service des Internets permanent und überall verfügbar haben – und die Menschen diesen auch mit wachsender Selbstverständlichkeit erwarten. Die Konsequenz: „Wir werden in den kommenden Jahren eine De­valuation des Expertentums erleben“, ist Carl überzeugt, „einen Bedeutungsverlust, der große Teile unserer Wirtschaft radikal ändert und neue Märkte entstehen lässt.“ Grund, jammernd den Kopf in den Sand zu stecken, sieht der Trendforscher dennoch nicht: „Wer aktiv mit diesem Trend umgeht, für den werden sich neue Chancen eröffnen.“

Carl sieht für die Zukunft zehn Triebfedern der Apotheken:

  • Allgegenwärtige Verfügbarkeit von Daten.
  • Die Definitionen von Gesundheit und Krankheit verschwimmen.
  • Verlust der Deutungshoheit.
  • Der Gesundheitsmarkt wird ein Kundenmarkt.
  • Das Bild von Apotheke und Praxis verändert sich.
  • Neue Player treten auf den Gesundheitsmarkt.
  • Neue Möglichkeiten der Diagnostik.
  • Neue Bedarfe an Beratungs­situationen.
  • Adaptive Produkte.
  • Demografische Entwicklung.

Diese Triebfedern markieren, so Carl, die Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Apotheken und werden die Zukunft der Apotheken prägen. Der Trendforscher entwickelte daraus fünf Szenarien für die Apotheke 2026:

1. Die Vollapotheke, wie wir sie heute kennen, wird es auch 2026 noch geben – der Mensch vor Ort steht im Mittelpunkt.

2. Integration der Apotheke in ein ­Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ): Dabei ist die Apotheke komplett und tief in das MVZ integriert. Ein spezialisiertes Team bringt top­aktuelles Knowhow auf höchstem Stand.

3. Die digital kompetente Apotheke – beim Kunden auf dem Schirm: Sie zielt nicht auf die Bestellung und den Versand. Im Mittelpunkt steht der durchgängig digitale Kunden­dialog, datenbasiert.

4. Die richtigen Arzneimittel richtig eingenommen – die Apotheke als Herzstück einer wirksamen Therapie und Pflege.

5. Der Apotheker als ganz per­sönlicher Gesundheitscoach – individuell, hochqualifiziert und topvernetzt. Das Netzwerk dieses Apothekers ist sein eigentliches Kapital.

Carl rief dazu auf, die Zukunft selbst zu gestalten. Der Apotheker sollte zentraler Ansprechpartner des Gesundheitsnetzes seines Kunden werden. „Seien Sie digital sichtbar – auf jedem Display des Kunden.“ Er riet dazu, mehr in die IT zu investieren als in die Verkaufsräume. Und: „Auf alle Fälle Netzwerke bilden und sich in Netzwerken spezialisieren, apothekerliche Kompetenz zeigen. Übernehmen Sie eine strukturierende Führungsaufgabe.“

Regularien und Beschlüsse

Der Apothekerverband Nordrhein schloss sein Geschäftsjahr 2015 nach den Berichten des Schatzmeisters und des Kassenprüfers mit der Entlastung des Vorstands ab.

Der Haushaltvoranschlag 2017, der u. a. wegen höherer Beiträge an die ABDA im Vergleich zu 2016 um 419.000 Euro höher ausfiel, wurde einstimmig genehmigt. Ebenfalls genehmigt wurden höhere pauschale Entschädigungen für Zeitversäumnisse der weiteren Vorstandsmitglieder.

Verständnis zeigten die Mitglieder letztlich auch für eine Erhöhung der Beiträge ab 2017, die einstimmig mit wenig Enthaltungen angenommen wurde. Danach beträgt der Mitgliedsbeitrag für eine Hauptapotheke 1650 Euro (statt bisher 1400 Euro) und für eine Filialapotheke 1300 Euro (statt bisher 1100 Euro). |

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