Prisma

Dicke Luft macht dick

Entzündungsprozesse verursachen metabolisches Syndrom

cae | Wenn der Körper mit der Atemluft dauerhaft viel Feinstaub aufnimmt, kann dies zu Stoff­wechselstörungen und Übergewicht führen. Darauf deuten kontrollierte Versuche mit Ratten hin.
Foto: axz65 – Fotolia.com

Die Verbrennung von Kohle sorgt für die meisten Immissionen in Beijing. Ein Partikelmix von grobem Ruß bis Feinstaub kontaminiert die Atemluft.

Ein amerikanisch-chinesisches Team von Umweltwissenschaftlern führte in Beijing während der Wintermonate, wenn die Luft besonders stark belastet ist, eine Beobachtungsstudie mit trächtigen Ratten und ihrer Nachkommenschaft durch, um Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit dieser Tiere zu erkennen. Als Kontrollgruppe dienten Ratten, die genau die gleiche Nahrung erhielten und in identischen Käfigen gehalten wurden, aber gefilterte Luft atmeten.

Nach 19 Tagen fiel der Vergleich der Ratten sehr deutlich zuungunsten der Tiere aus, die die Smogluft atmen mussten: Im Durchschnitt waren ihre Tri­glyceridspiegel um 48 Prozent, die Gesamtcholesterolspiegel um 97 Prozent und die HDL-Cholesterolspiegel um 50 Prozent höher als bei den Kontrolltieren. Zudem zeigte sich bei ihnen bereits eine Insulinresistenz als Vorstufe eines Diabetes Typ 2. Bei dem Nachwuchs fiel Folgendes auf: Die Tiere, die bereits im Mutterleib und noch acht Wochen lang nach ihrer Geburt der ungefilterten Luft ausgesetzt waren, wogen zehn Prozent (Weibchen) bzw. 18 Prozent (Männchen) mehr als die jeweiligen Kontrolltiere.

Sowohl die Mutter- als auch die Jungtiere wurden später histologisch untersucht, wobei sich insbesondere peri­bronchiale und perivaskuläre Entzündungen in den Lungen fanden. Aber auch andere Organe und Gewebe hatten unter Entzündungen und oxidativem Stress gelitten; bei dem männlichen Nachwuchs waren z. B. auch die Nebenhoden betroffen. Die Autoren vermuten, dass der Feinstaub über Toll-like-Rezeptoren der Typen 2 und 4 auf Lungenzellen zuerst eine lokale Entzündungsreaktion hervorgerufen hat, die quasi systemisch geworden ist.

Fazit: Wenn auch falsche Ernährung und Bewegungsmangel die Hauptursachen für einen Diabetes Typ 2 sind, so kommt die dauerhafte Belastung mit Feinstaub nun als dritter Risikofaktor in Betracht. Zum Glück ist die Luft in keiner deutschen Stadt auch nur an­nähernd so schlecht wie in Beijing. |

Quelle

Wei Y, et al. Chronic exposure to air pollution particles increases the risk of obesity and metabolic syndrome: findings from a natural experiment in Beijing. Faseb J; epub 18.2.2016

Das könnte Sie auch interessieren

Interview mit Prof. Dr. Thomas P. Hüttl

Vom „dicken Dicken“ zum „dünnen Dicken“

Bei Adipösen kann sich die Pharmakokinetik einzelner Arzneistoffe ändern

Brauchen Dicke mehr?

Nobelpreis-würdige Erforschung des zellulären Sauerstoffmesssystems

Dicke (oder dünne) Luft?

Schon nach einer schlaflosen Nacht

Dick durch Schlafmangel?

Kausalität noch ungeklärt

Macht dick dumm oder dumm dick?

Ernährungsforschung

Alkohol macht dick

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.