Gesundheitspolitik

Kommentar: Der ABDA nicht unrecht tun

Kommentar von Christine Ahlheim

Die Unterschriftensammlung der ABDA ist unter heftigem Beschuss: Sie sei populistisch und schüre europafeindliche Ressentiments (siehe den Beitrag „Startschuss für Unterschriftenkampagne“ auf Seite 1 und 12 sowie den Kommentar „Nicht populistisch, aber ...“ auf Seite 1).

Und in der Tat nimmt die ABDA in ihrem Informationsflyer für die Patienten kein Blatt vor den Mund: Die Apotheken vor Ort seien gefährdet durch Entscheidungen der EU, die internationalen Konzernen das „Rosinenpicken“ erlaubten.

So unschön man das auch finden mag – es entspricht schlicht den Tatsachen. Es ist nun einmal der Europäische Gerichtshof, der es entgegen dem ausdrücklichen Votum der deutschen Justiz und des deutschen Gesetzgebers ausländischen Versendern erlaubt, Rx-Boni zu gewähren, und damit die deutschen Apotheken einem möglicherweise existenzbedrohenden Preiskampf aussetzt. Und selbst als überzeugter Europäer kann man sich das nicht schönreden, sondern muss kritisch sagen: Hier hat Europa seine Kompetenzen überschritten. Dass die ABDA die Bürger dazu auffordert, dagegen mit ihrer Unterschrift Stellung beziehen, ist – auch auf die Gefahr hin, dass man Beifall von der falschen Seite bekommt – durchaus legitim. Im Gegenteil: Wird jegliche Kritik an „Europa“ gleich als Populismus abgebügelt, dann wird genau daran die europäische Idee kaputtgehen.

Zugegeben: Die Qualität der Kampagne hat noch reichlich Luft nach oben. So sind zu grobe Vereinfachungen – „die EU“ statt „der EuGH“ – nicht notwendig und unterschätzen die Intelligenz der Bürger. Auch hätte man den Zusammenhang zwischen Rx-Boni und ausländischen Versandapotheken im Flyer zumindest erwähnen können.

Entscheidend wird ohnehin sein, wie die Apotheker die Unterschriftenliste an den Mann (und die Frau) bringen. Dass sie daraus keine europafeindliche Kampagne, sondern eine Unterstützungsaktion für unser Apothekensystem machen – darauf sollte man bei den Kollegen vor Ort allemal vertrauen können.

Dr. Christine Ahlheim


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