Wirtschaft

„Habe keinen Verkaufsauftrag“

Stada-CEO Wiedenfels plant Zukäufe vor allem bei Markenprodukten

cha | Stada-Chef Mathias Wiedenfels hält sein Unternehmen für stark genug, um alleine bestehen zu können. Denn sonst, so der CEO im Interview mit dem Handelsblatt, hätte es ja keine Mittelfristziele für 2019 mit konkreten Zahlen vorgestellt.

„Eigenständigkeit ist nie Selbstzweck“ und selbstverständlich würde das Management eventuelle Übernahmeangebote auch prüfen, äußerte Wiedenfels weiter. Aber das heiße nicht, dass er einen Verkaufsauftrag habe. Verstärken will sich die Stada durch Zukäufe. Dabei seien vor allem Märkte interessant, „in denen wir schon ganz gut unterwegs sind“, sowie Trendthemen wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Vitamine, Mineralien und das Thema grüne Produkte.

300 Millionen Euro für Zukäufe pro Jahr

Pro Jahr stünden 300 Mio. Euro für Zukäufe zur Verfügung, im nächsten Jahr mehr, da dieses Jahr nicht viel Geld ausgegeben wurde.

Dabei will die Stada sich vor allem bei den Markenprodukten verstärken. Natürlich wolle man, so Wiedenfels, den Generikabereich nicht vernachlässigen. Dort schaue man bei Zukäufen aber eher auf die Zukunft und damit auf die Biosimilars. Auf die Frage, ob die Generikasparte von Sanofi und das Bio­similar-Portfolio von Merck interessant für die Stada seien, äußerte sich Wiedenfels eher ablehnend: Für Sanofis Aktivitäten wäre das Geld, das Stada für Zukäufe ausgibt, viel zu wenig, und bei Merck würden dieselben Biosimilars wie bei der Stada entwickelt.

Regional sieht Wiedenfels in Asien interessante Märkte, dort habe man mit dem Engagement in Vietnam eine gute Ausgangsbasis. In Südamerika habe die Stada einen ersten Schritt mit ihrer Gesellschaft in Argentinien gemacht. Sehr gut aufgegangen sei die Russland-Strategie, wo die Stada sich auf den schwierigen Markt eingestellt habe und aktuell die Nummer zwei sei.

Mit den Investoren – darunter auch dem „kritischen Investor“ AOC – würde mittlerweile, so Wiedenfels, eine sachliche Diskussion über operative Themen geführt, nachdem „wir die Kritik in Bezug auf die Unternehmensführung, die Corporate Governance, abgearbeitet haben“. Durch die personellen Veränderungen – neuer Vorstandsvorsitzender, neuer Aufsichtsratsvorsitzender, habe man nun eine neue Gesprächsebene, auch gebe es „eine bessere Chemie zwischen den handelnden Akteuren“.

Aufsichtsrat mit neuem Strategieausschuss

Mittlerweile hat sich der Aufsichtsrat, der Ende August bei der turbulenten Hauptversammlung gewählt wurde, formiert. Offenbar soll er künftig größeren Einfluss auf die Entscheidungen im Unternehmen haben, als dies unter dem ehemaligen CEO Retzlaff der Fall war. Denn nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde nun ein Strategieausschuss neu errichtet, der sich wohl in Zukunft mit Wiedenfels in Fragen der Unternehmensstrategie ausein­­andersetzen wird.

Bemerkenswerterweise steht an der Spitze dieses Ausschusses der ehemalige Novartis-Manager Eric Cornut, der seinerzeit auf Betreiben des AOC in den Aufsichtsrat eingezogen war. Weitere Mitglieder im Strategieausschuss sind Rolf Hoffmann (früher Amgen), Birgit Kudlek (früher Aenova), Tina Müller (Opel) sowie Ute Pantke von der Arbeitnehmerseite. |

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