Gesundheitspolitik

Minister Strobl als DocMorris-Fan?

Wirtschaftswoche berichtet über geplante Arzneimittelabgabestelle in Hüffenhardt

TRAUNSTEIN (cha) | Wenn es um angebliche „Liberalisierungen“ auf dem Apothekenmarkt geht, wird dies üblicherweise in der Wirtschaftspresse kritiklos bejubelt – so auch in der jüngsten Ausgabe der Wirtschaftswoche. Das Besondere: Dort wird Baden-Württembergs CDU-Innenminister Thomas Strobl als Befürworter einer von DocMorris geplanten obskuren Arzneimittelabgabestelle in Hüffenhardt zitiert.

„Neue Apotheker braucht das Land“ titelt die Wirtschaftswoche und schreibt eingangs ganz harmlos über engagierte Apotheker mit neuen Ideen, die verblistern, beraten und Rezepturen herstellen. Einige von ihnen betreiben selbst einen Versandhandel, eine andere Kollegin hat zumindest nichts gegen den Versand von Medikamenten. Doch dann verlässt die Wirtschaftswoche die freundlichen Apotheker und legt sich kräftig für DocMorris ins Zeug.

Da es mit der Gesundheitsversorgung auf dem Land hapere, weil sich die meisten der 20.000 Apotheken in den Städten ballten, seien auch hier neue Ideen gefragt. Erste Modellprojekte gebe es bereits. Und dann wird ausführlich über die von DocMorris geplante Arzneimittelabgabestelle im baden-württembergischen Hüffenhardt berichtet, die im letzten Sommer für einigen Wirbel in der Fachpresse sorgte.

Zur Erinnerung: Nachdem der örtliche Apotheker keinen Nachfolger finden konnte, werden die ehemaligen Apothekenräume derzeit von DocMorris umgebaut. Ein Kommissionierautomat und eine Videoschaltung zur DocMorris-Zentrale sollen die Apotheke ersetzen – eine Konstruktion, die rechtlich kaum haltbar sein wird.

Foto: imago/Sven Simon
Findet Digitalisierung gutund sieht Vorteile in einer „automatisierten Apotheke“: Thomas Strobl (CDU), Innenminister in Baden-Württemberg.

Neben DocMorris-Vorstand Max Müller, der Hüffenhardt nicht nur mit Medikamenten, sondern sogar noch mit schnellem Internet („sonst könnten wir gar nicht beraten“) beglücken will, kommt auch Thomas Strobl (CDU), Innenminister und Vize-Regierungschef von Baden-Württemberg, in der Wirtschaftswoche zu Wort. Er begrüße solch neue Konkurrenz und sei sich sicher: „So eine automatisierte Apotheke kann den Menschen zeigen, welche Vorteile, welchen Nutzen sie aus der Digitalisierung ­ziehen können.“

Auf Anfrage der AZ bestätigte die Pressestelle des Innenministeriums von Baden-Württemberg, dass Minister Strobl diese Aussage in diesem Kontext getätigt hatte. Verbunden mit dem Zusatz: „Das gilt vor allem, wenn die ­Alternative wäre, dass es sonst gar keine Apotheke mehr am Ort gibt.“ |

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1 Kommentar

Video-Apotheke Hüffenhardt

von Dr. Christoph Mauz am 13.12.2016 um 12:24 Uhr

Jetzt habe ich endlich die Lösung für mein Problem gefunden:
Wenn mein RP keine Betriebserlaubnis mehr ausstellen will, weil ich 3 Eingangsstufen habe (denkmalgeschützt!) und die Stadt bzw. Landesdenkmalamt keine baulichen Veränderungen zulässt, dann wird einfach mit Unterstützung des Herrn Strobel und weiterer Presseorgane eine Video-Apotheke eingerichtet. Da kümmert sich offensichtlich niemand (siehe Fernsehbeitrag Hüffenhardt) um Barriere-Freiheit und Apothekenbetriebsordnung. Dumm nur, dass man das nur mit DocMo anstellen kann, weil ja keine Unterstützung durch die
Kammer möglich sein wird....

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