Gesundheitspolitik

Betrug mit Pillen für Afrika

Illegale Reimporte aufgeflogen

BERLIN (ks) | Vor dem Landgericht Hamburg hat Anfang vergangener Woche ein Prozess gegen neun Angeklagte begonnen, die Arzneimittel der Firma 1A-Pharma in den Süden Afrikas verschoben haben sollen – um sie am Ende gewinnbringend in Form illegaler Reimporte wieder in Europa auf den Markt zu bringen.

Sechs Männer und drei Frauen sind in Hamburg angeklagt: fünf Deutsche, zwei Belgier, ein Süd­afrikaner und ein Däne aus Ser­bien. Darunter ein Apotheker aus Unterschleißheim und sein Sohn. Sie sollen sich des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs schuldig gemacht haben und zudem gegen das Arzneimittel- und das Markengesetz verstoßen haben.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten vor, in der Zeit von Juli 2013 bis November 2014 im arbeitsteiligen Zusammenwirken systematisch den illegalen Reimport von für den afrikanischen Markt bestimmten und dorthin gelieferten Arzneimitteln in den europäischen Wirtschaftsraum betrieben zu haben. Dabei hatten sie in anderen Ländern weitere Mittäter, die teilweise nun dort verfolgt werden, und konnten auf ein umfangreiches Firmengeflecht zurückgreifen. 99 Seiten umfasst die Anklage.

Medizin für Health-Shops in Sambia

Es war offenbar ein weitgespanntes Netz: Die Angeklagten sollen die Arzneimittel in großem Stil beim Hersteller 1A Pharma gekauft haben. Und zwar zu einem besonders günstigen Preis, da sie ja nicht für den hiesigen Markt bestimmt sein sollten. Vielmehr hatte man erklärt, die Medikamente sollten nach Sambia. Polizeihospitäler, die dort speziell Polizisten und ihre Angehörigen versorgen, sollten Abnehmer sein, ebenso sogenannte „Health-Shops“. Über Südafrika sollten die Arzneien nach Sambia gelangen. Doch dieses Ziel erreichten sie überwiegend nicht, so eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft. Stattdessen wanderten sie wieder zurück nach Deutschland und in andere europäische Länder. Dort waren sie zwar aufgrund markenrechtlicher und arzneimittelrechtlicher Bestimmungen nicht mehr legal vertriebsfähig. Doch die Täter fanden gutgläubige Abnehmer. Unter anderem der Großhändler Phoenix soll von der Gruppe geprellt worden sein. Laut Anklage ging es um Arzneimittel mit einem Gesamtvolumen von zirka 13,6 Millionen Euro netto.

„Pate“ des weltweiten Betrugsgeflechts soll nach einem Bericht der „Welt“ ein Hamburger Pharmagroßhändler gewesen sein, der allerdings vor mehr als zwei Jahren gestorben ist und nicht mehr belangt werden kann. Die nun angeklagten Personen seien ehemalige Angestellte und „Geschäftsfreunde“.

Aufgeflogen sind die Angeklagten durch einen Tipp der Kriminalpolizei im belgischen Antwerpen an ihre deutschen Kollegen. Einer der Angeklagten agierte von dort aus. 2014 nahm die Staatsanwaltschaft Hamburg den Fall auf. Der Prozess wird noch eine Weile dauern. Derzeit sind bis Mitte Februar Verhandlungstermine anberaumt. |

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