Gesundheitspolitik

„Die Politik muss handeln!“

ABDA startet Kampagne für Rx-Versandhandelsverbot

BERLIN (hfd/az) | Eine Woche nachdem der Europäische Gerichthof (EuGH) entschieden hat, dass die deutsche Rx-Preisbindung nicht für EU-ausländische Versandapotheken gilt, hat die ABDA mit einer Anzeige in der Süddeutschen Zeitung eine überregionale Werbekampagne gestartet. Darin erklärt sie, dass die Rundumversorgung durch wohnortnahe Apotheken aufs Spiel gesetzt wird.

Mit einem Karabinerhaken und der Überschrift „Sichern!“ fordert die ABDA in der viertelseitigen Anzeige, die am 26. Oktober in der SZ erschien, die Politik zum Handeln auf. Warum? Das verbriefte Recht der EU-Mitgliedstaaten auf selbstständige Ausgestaltung ihres Gesundheitswesens sei durch das Gerichtsurteil aus Luxemburg angegriffen worden.

„Unser bewährtes System der Arzneimittelversorgung wird gefährdet“, erklärt die ABDA weiter. „Statt Beratung durch pharmazeutische Experten stehen Preise und Renditen im Vordergrund.“ So werde die Rundumversorgung durch wohnortnahe Apotheken „ohne Not aufs Spiel gesetzt“.

Schon kurz nach Verkündung des Grundsatzurteils des EuGHs hatte die ABDA angekündigt, mit allen Mitteln gegen negative Konsequenzen der Entscheidung vorgehen zu wollen. Der Anzeige in der Süddeutschen Zeitung, die laut Mediadaten um die 30.000 Euro gekostet haben dürfte, sollen weitere Anzeigen in überregionalen Medien wie auch Parteizeitungen folgen. „Es geht auf verschiedenen Ebenen weiter“, erklärte ABDA-Pressesprecher Reiner Kern auf Nachfrage.

Kampagnen-Webseite

Die Anzeige verweist auch mit einem QR-Code auf die ABDA-Internetplattform www.wir-sind-ihre-apotheken.de. Dort macht die ABDA darauf aufmerksam, welche Folgen die Freigabe der Rx-Preisbindung für ausländische Versandapotheken haben könnte. „Statt Beratung und Qualität in der Patientenversorgung stehen dann Preise und Renditen im Vordergrund“, erklärt die ABDA. „Das gefährdet die Apotheke in Ihrer Nachbarschaft.“ Auf der Internetseite ist auch ein Infoblatt zum Hintergrund des EuGH-Urteils verfügbar.

Laut Kern müssen nun einerseits ein dickes Brett gebohrt werden, andererseits hätten aber bereits alle Bundestags-Fraktionen Handlungsbedarf signalisiert. „Es zeigt sich, dass sich jetzt auszahlt, was in den letzten Jahren an Arbeit geleistet worden ist“, erklärte er. „Die ABDA hat sehr gute Arbeitsbeziehungen aufgebaut – dass es diese gibt, lohnt sich in solchen Momenten, wie wir sie derzeit haben“, betonte Kern.

ABDA-Spitze bei Gröhe

Tatsächlich konnte die ABDA-­Spitze – bestehend aus ABDA-Präsident Friedemann Schmidt, DAV-Chef Fritz Becker und BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer – schon am 25. Oktober bei Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe vorsprechen. Er nahm sich Zeit für ihr Anliegen, wenngleich über die genauen Inhalte des „internen Treffens“ Stillschweigen vereinbart wurde. Doch seitdem scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen – offensichtlich kam die Nummer-1- Forderung der ABDA – das Verbot des Rx-Versandhandhandels – beim Minister an. |

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