Gesundheitspolitik

Was spart das AMNOG?

BPI: Einsparungen werden unterschätzt

BERLIN (ks) | Am 26. September wird in Berlin der Arzneiverordnungs-Report (AVR) 2016 vorgestellt. In bewährter Tradition werden die Herausgeber des Standardwerks vorrechnen, wie viel Geld in der Arzneimittelversorgung gespart werden kann. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) ist seit einigen Jahren dazu übergegangen, schon im Vorfeld auf die nicht immer ganz stimmigen Berechnungen hinzuweisen.

In diesem Jahr kapriziert sich der BPI auf zwei Zahlen: 2 Mrd. Euro und 10%. 2 Mrd. Euro – das ist die Summe, die das AMNOG als anvisierte Einsparsumme nennt. Zugleich heißt es aber in Begründung von 2010, dass „der Zeitpunkt, ab dem diese Entlastung erreicht wird, [ab]hängt vom Zeitbedarf für die Einbeziehung der bereits im Markt befindlichen nicht festbetragsfähigen Arzneimittel“. Bekanntlich hat der Gesetzgeber später von der zunächst geplanten Bestandsmarktbewertung Abstand genommen.

Im vergangenen Jahr beklagten die AVR-Herausgeber, dass die Einsparungen sich 2014 erst auf 380 Mio. Euro summiert hätten. Ein Betrag, der sich aus Differenz der ursprünglichen Hersteller­preise und der Erstattungsbeträge ergibt. Stimmt, sagt sogar der stellvertretende Geschäftsführer des BPI, Norbert Gerbsch. Bei der kürzlich erfolgten Vorstellung des TK-Innovationsreports hieß es dann, 2015 hätten sich die Einsparungen bereits auf 800 Mio. Euro belaufen. Auch dies kann Gerbsch bestätigen. Für ihn ist das allerdings nicht beklagenswert, sondern die „zu erwartende Zielgerade“. Rechnet man nun weiter hoch – 2016 sind bislang weitere 49 neue Arzneimittel abschließend bewertet worden – sei für 2016 eine Ersparnis von „deutlich über 1 Mrd. Euro“ zu erwarten.

Und: Der BPI meint, der AVR unterschlägt weitere Einsparungen. Berücksichtigt werden müssten nämlich auch die eingesparten Kosten für Arzneimittel, die nach dem AMNOG gar nicht erst auf den Markt gekommen sind, bzw. wieder aus diesem verschwunden sind. Immerhin 26 Präparate zogen die Hersteller zu unterschiedlichen Zeitpunkten des AMNOG-Verfahrens aus dem Markt zurück. Und nach Berechnung des BPI sind 30 Präparate, die nach Inkrafttreten des AMNOG von der EMA zugelassen wurden und die frühe Nutzenbewertung hätten durchlaufen müssen, gar nicht erst in Deutschland eingeführt worden. Gerbsch spricht daher von einer „Barriere-Wirkung“ des AMNOG. Nach einer Schätz-Rechnung des BPI, würden die hierdurch erzielten Einsparungen zusammen mit den bereits erreichten 800 Mio. Euro zusammen über 2 Mrd. Euro ergeben.

Die 10%, die der BPI als zweite ­relevante Zahl ins Spiel bringt, ­beziehen sich übrigens auf den Anteil der Pharmazeutischen Industrie an den Ausgaben der GKV im ambulanten Sektor. Zwischen 1997 und 2014 bewegte sich dieser konstant zwischen 8 und 10%. |

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