Wirtschaft

Monsanto-Übernahme weckt Sorgen

Schadet die Übernahme des US-Agrochemie-Konzerns dem Pharmageschäft von Bayer?

wes | Medien, Politik und Öffentlichkeit diskutieren die Aus­wirkungen der Monsanto-Übernahme durch Bayer hauptsächlich hinsichtlich der Folgen für die Landwirtschaft. Pharma-Ex­perten befürchten derweil eine Schwächung des zuletzt so erfolgreichen Healthcare-Geschäfts der Leverkusener.

Mit einem Volumen von 66 Milliarden US-Dollar ist es die bisher teuerste Firmenübernahme in der deutschen Geschichte: der Kauf des US-Saatgut- und Pestizidherstellers Monsanto durch den deutschen Pharma-, Kunststoff- und Agrochemiekonzern Bayer. Während sich viele Wirtschaftsexperten Sorgen darum machen, ob das Image von Bayer durch die Übernahme des umstrittenen Herstellers von gentechnisch verändertem Saatgut und des Pestizids Glyphosat leiden könnte, machen sich Pharma-Insider eher Gedanken darüber, ob Bayer nun sein Healthcare-Geschäft vernachlässigen könnte.

So spricht die „Rheinische Post“ von einem „Milliarden-Deal mit Nebenwirkungen“ und befürchtet, dass im Pharma-Bereich die In­vestitionsmittel sinken könnten. Schon heute klagten Mitarbeiter dort, „dass jeder Euro dreimal umgedreht werde und kaum neue Mittel genehmigt würden“. Der Finanzdienst „Bloomberg“ hatte zuvor unter Verweis „auf Kreise“ berichtet, Bayer plane den Verkauf seines „Dermatologie-Geschäfts“, und einen Zusammenhang mit dem Monsanto-Deal hergestellt.

Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Werner Baumann, hatte dagegen betont, dass der Monsanto-Kauf keinen Verkauf von Unternehmensteilen erfordere. „Falls es zu irgendwelchen Divestments kommen sollte, hat dies strategische Portfolio-Gründe“, ergänzte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der AZ.

Und auch bei einer Investoren­konferenz in der letzten Woche betonte Baumann die Bedeutung der Pharma- und OTC-Sparte für Bayer. Hier erwarte man besonders hohe Umsatz- und Margenzuwächse. „Hierzu soll vor allem die erfreuliche Entwicklung unserer neueren Produkte beitragen, deren Spitzenumsatzpotenzial wir jetzt bei insgesamt mehr als 10 Milliarden Euro sehen“, sagte Baumann. Insgesamt erwartet Bayer das höchste Wachstum und die stärkste Renditeverbesserung in der Sparte Healthcare: Bei den rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Pharmaceuticals) soll der Umsatzanstieg bis 2018 beispielsweise 6 Prozent betragen – jedes Jahr. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 15,3 Milliarden Euro.

Vor den Investoren hob Bayer-Chef Baumann fünf Pharma-Produkte besonders hervor, deren kumuliertes jährliches Umsatzpotenzial er auf bis zu 10 Milliarden Euro schätzt: den Gerinnungshemmer Xarelto® (Rivaroxaban), das Ophthalmologikum Eylea® (Aflibercept), die Krebsmittel Xofigo® (Radium-223-dichlorid) und Stivarga® (Regorafenib) sowie Adempas® (Riociguat) zur Behandlung der pulmonalen Hypertonie.

Auch im OTC-Bereich (Consumer Health), der 2015 einen Umsatz von 6,1 Milliarden Euro gemacht hat, erwartet Baumann Zuwächse von jährlich vier bis fünf Prozent. In diesem Bereich will sich Bayer „auf globale Marken konzentrieren, die in ihren jeweiligen Kategorien führend sind“, sagte Baumann und nannte in diesem Zusammenhang u. a. Aspirin® und Bepanthen®/Bepanthol®. Zuvor hatte bereits ein Bayer-Sprecher gegenüber der AZ betont, ein Verkauf der Marke Bepanthen® stehe „nicht zur Debatte“.

Um vier bis fünf Prozent pro Jahr soll auch der Umsatz mit Tierarzneien steigen, die im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro erlösten.

Pharma lukrativer als Agrar – aber Bedeutung nimmt ab

Zusammengenommen erlöste das Arzneimittelgeschäft des Leverkusener Konzerns damit im letzten Jahr 23,3 Milliarden Euro – etwas mehr als die kombinierten Um­sätze der Bayer-Agrarsparte Crop Science und Monsanto ergeben. Vor allem aber ist das Agrargeschäft nicht so lukrativ wie die verschreibungspflichtigen Arzneimittel. Die EBITDA-Marge (Verhältnis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – EBITDA – zum Umsatz) der fusionierten Geschäfte liegt nach einer Pro-forma-Rech­nung laut „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ heute bei 27 Prozent, in den kommenden drei Jahren soll sie auf 30 Prozent steigen. Die Sparte Pharmaceuticals kam schon 2015 auf diesen Wert, bis 2018 soll ihre EBITDA-Marge auf 32 bis 34 Prozent steigen.

Doch bei all diesen Entwicklungen bleibt es eine Tatsache, dass das Gewicht des Agrochemie-Geschäfts im Gesamtkonzern mit der Monsanto-Übernahme steigt, die Healthcare-Sparte dagegen in ihrer relativen Bedeutung sinkt: Bisher erzielte Bayer Crop Science rund 30 Prozent des Konzernumsatzes von zuletzt 34,3 Milliarden Euro. Dieser Anteil wird auf 49 Prozent steigen. Das Healthcare-Geschäft mit den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, den OTC-Präparaten und den Tierarzneimitteln war bislang für 67 Prozent des Konzernumsatzes verantwortlich. Dieser Anteil wird künftig – wie Crop Science – nur noch 49 Prozent ausmachen. |

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