Wirtschaft

Innovation als Rendite

Risikokapital-Beteiligung der Barmer GEK

mvdh | Erstmals investiert eine gesetzliche Krankenkasse aus Deutschland in einen Venture-Capital-Fonds. Die Barmer GEK hofft dabei weniger auf satte Renditen. Vielmehr will sie mit der Investition innovative Versorgungsformen fördern. Risiken für Mitglieder gebe es laut Bundesversicherungsamt nicht.

In der vergangenen Woche hat Earlybird Venture Capital den Abschluss seines ersten Health Tech Funds mit einem Volumen von 100 bis 120 Millionen Euro bekanntgegeben. Ziel sei, in moderne Medizintechnologien zu investieren, heißt es in einer Mitteilung. Unter den Geldgebern befinden sich nicht nur bekannte Größen wie die NRW-Bank, die Generali-Versicherungsgruppe oder der Haushalts- und Medizinprodukte-Hersteller Miele. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beteiligt sich. Technisch ist das über sogenannte ERP-Sondervermögen, ein Relikt des früheren European Recovery Program (ERP), möglich. Eher überraschend ist ein weiterer Geldgeber: die Barmer GEK, mit rund 8,5 Millionen Versicherten Deutschlands zweitgrößte Krankenkasse.

Technologien und Unter­nehmen identifizieren

Thom Rasche von Earlybird kommentiert, zum ersten Mal sei eine deutsche öffentliche Versicherungsgesellschaft bei einem Venture Capital-Fonds dabei. Durch die strategische Partnerschaft mit der Barmer GEK erwartet er bessere Einblicke in die Branche, um die vielversprechendsten Technologien und Unternehmen zu identifizieren. Damit könne es gelingen, zwölf bis 15 innovative Unternehmen zu identifizieren, ergänzt Rasche. Ihm kommt die Expertise der Krankenversicherung sehr zugute.

„Megathema des 21. Jahrhunderts“

Ein Blick auf die Strategie dahinter: Athanasios Drougias, Unternehmenssprecher der Barmer GEK, bewertet die Digitalisierung des Gesundheitswesens als ein „Megathema des 21. Jahrhunderts“. Seine Versicherung wolle diese Entwicklung nicht nur begleiten, sondern aktiv gestalten. „Aus diesem Grund investieren wir in einen Technologiefonds, den der Venture-Capital-Investor Earlybird aufgesetzt hat“, so Drougias. Er spricht primär von Investitionen in Start-Ups der Gesundheitsbranche, die IT-Technologien entwickeln. Langfristig hofft er auf neue Versorgungsformen, von denen Patienten profitieren. Athanasios Drougias: „Wir sehen deshalb unseren Beitrag weniger als klassische Kapitalanlage, sondern in erster Linie als Investition in die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung.“

Deshalb bewertet er auch neue Produkte und innovative Versorgungsformen als Rendite. „Dafür bringen wir unser Know-how als große Krankenkasse in die Beteiligung ein, um bei der Auswahl geeigneter Technologiefirmen fachlich den entscheidenden Input zu liefern.“ Zur Höhe der Beteiligung äußert sich der Barmer-Sprecher nicht – laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ geht es um 15 Millionen Euro.

Rettungsanker eingebaut

Ganz so einfach funktioniert die Investition aber nicht. In Deutschland macht das Bundesversicherungsamt strenge Vorgaben bei Venture-Capital-Investitionen von Krankenkassen. Es will vermeiden, dass Beiträge von Mitgliedern in Flammen aufgehen. Die eine Hälfte wird deshalb über die ERP-Gelder abgesichert – ein konkreter Beitrag zur „digitalen Strategie 2025“ der Bundesregierung. Risiken für die andere Hälfte tragen Partner von Earlybird. Diese Notfallprogramme haben aber ihren Preis: Die Barmer GEK muss akzeptieren, dass ihre Rendite auf maximal zwei Prozent pro Jahr gedeckelt wird. |

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