Wirtschaft

Digitalisierung im Fokus

apoBank-Studie: Unterschiedliche Erwartungen an die Entwicklung im Gesundheitsmarkt

DÜSSELDORF (vobu) | 500 Ange­hörige aller Heilberufe, Standesvertreter und Experten hat die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) für eine Studie zur Digitalisierung im Gesundheitsmarkt befragt. Sie zeigt: Apotheker und Ärzte sehen vor allem durch die Vernetzung untereinander große Veränderungen auf sich zukommen.

Unter anderem, um sich einen Überblick zu verschaffen, was die wesentlichen Entwicklungsfelder der Digitalisierung eigentlich sind und wie diese sich im Berufsalltag der Apotheker, Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte auswirken, hat die Apobank eine sog. „360-Grad-Studie“ in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse stellte sie letzte Woche in Düsseldorf vor.

Zehn wesentliche Entwicklungspfade der Digitalisierung im Gesundheitssektor habe man identi­fizieren können, erklärte Daniel Zehnich, stellvertretender Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank und Projektleiter der Studie. Das ist unter anderem der Bereich „Digitale Vernetzung“, der den Austausch von Daten etwa via elektronischer Gesundheitskarte umfasst. Weitere Bereiche sind beispielsweise „Anwendungen rund um Medikation“ mit digitalen ­Medikationsplänen und mehr sowie „Assistenzsysteme ärztlicher Leistungen“.

Die Heilberufler wurden online befragt, was diese Entwicklungsfelder für sie und ihren Beruf bedeuten. Dabei kam heraus, dass eine Mehrheit von 82% vor allem durch die digitale Vernetzung große Veränderungen in ihrem Berufsalltag sieht. Die befragten Apotheker sehen Veränderungen in ihrem Bereich insbesondere durch Anwendungen rund um die Medikation auf sich zukommen. Insgesamt geben alle Befragten an, durch alle Felder der Digitalisierung eher Veränderungen im beruflichen Alltag zu erwarten als etwa Veränderungen im Verhältnis zwischen Heilberuflern und Patienten.

Bessere Versorgung vs. Datenmissbrauch

Besonders im Bereich der digitalen Vernetzung, aber auch insgesamt befürchtet die Mehrheit der Befragten hohe Investitionskosten während sie zugleich nur geringe wirtschaftliche Profite aus der Investition erwarten. Dennoch sieht die Mehrheit eine rasche Umsetzungsgeschwindigkeit innerhalb der kommenden vier Jahre für viele digitale Entwicklungs­felder als gegeben an.

Auch nach Chancen und Risiken der Digitalisierung ließ die Bank fragen. „Bessere Versorgung und Qualität“, „Transparente Dokumentation“ und „Effizientes Datenmanagement“ sahen die Heilberufler hier auf der Chancen-Seite, während sie „Datenmissbrauch“, „Bürokratie und Informationsflut“ und „Kosten“ aufseiten der Risiken am häufigsten nannten.

Auch Standesorganisationen und Experten befragt

Neben den Heilberuflern wurden auch 30 Vertreter von Standesorganisationen nach ihren Ansichten zum Thema Digitalisierung befragt. Diese schätzen die Veränderungswucht geringer ein als die Heilberufler, wie Zehnisch erklärte. Aber auch sie erwarten größere Auswirkungen auf die Strukturen der Gesundheitsversorgung, vor allem durch die digitale Vernetzung. In geringerem Ausmaß als die Heilberufler fürchten sie zusätzliche Investi­tionen. Ebenso wie diese erwarten sie nur geringen Profit.

In einem letzten Schritt befragte die apoBank per Telefon acht Experten aus dem Bundestag, dem Bundesgesundheitsministerium, der Wissenschaft, von einer Standesorganisation, aus der stationären Versorgung und der Wirtschaft. Dabei gab es durchaus kontroverse Aussagen. Während etwa Christian Belgardt, Präsident der Apothekerkammer Berlin, „keine digitale Revolution in den nächsten zehn Jahren, die bestehende Strukturen und Prozesse komplett ersetzt“ sieht, sagt Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin sowie Professor für Unfallchirurgie an der Uni Greifswald, man werde dank der digitalen Techniken Krankheiten behandeln können, die bisher nicht behandelbar gewesen seien. Insbesondere im Bereich der Onkologie durch molekulare Medizin, durch 3-D-Druck von Prothesen oder sogar ganzer Organe mit körpereigenem Gewebe sieht er die großen Fortschritte, die zum Teil bereits realisiert seien.

Man habe die Studie auch in Auftrag gegeben, weil es Aufgabe der Apobank als Standesbank sei, zu sehen, wie sich Trends auf die Kunden auswirkten, sagt Zehnich. „Es ist nun keine Frage mehr, ob die Digitalisierung kommt. Sie ist schon in unterschiedlichen Ausprägungen da.“ Nun müssten die Heilberufler auf diesen Zug auch aufspringen und investieren, sagte Sommer. „Digitalisierung bedarf hoher Investitionen, bringt aber auch hinterher große Effizienzen.“ Allerdings gebe es sowohl bei den Heilberuflern als auch den Standesorganisationen auf der einen Seite ein großes Interesse, auf der anderen Seite aber auch immer eine gewisse Abneigung gegen Veränderungen, so Sommer. „Aber wir sehen die Veränderungen und die Notwendigkeit für Veränderungen.“

Allerdings sei das Thema auch in der kreditwirtschaftlichen Betrachtung der Banken noch nicht vollständig angekommen, räumte Sommer ein. |

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