Gesundheitspolitik

Grüne fordern mehr Heilberuf vom Apotheker

Klein-Schmeink: Apotheken müssen zeigen, dass sie mehr sind als nur eine Abgabestelle

TRAUNSTEIN (cha) | Eine Koalition zwischen der CDU/CSU und den Grünen wie in Baden-Württemberg und in Hessen könnte nach der Bundestagswahl 2017 auch eine Option für ganz Deutschland sein. Umso interessanter wird es, was grüne Politiker über die Apotheker denken.

Mit ihrer grünen Gesundheitsministerin Steffens sind die Apotheker in Nordrhein-Westfalen recht zufrieden. Nun hat sich in DAZ.online auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Maria Klein-Schmeink, zu Wort gemeldet. Anlass war ein Bericht über ein Papier des geschäftsführenden Vorstands der ABDA, das die Verhandlungsmöglichkeiten der Kammern mit den Krankenkassen empfindlich eingeschränkt hätte. Klein-Schmeink hatte dazu getwittert: „Finde gut, wenn Apotheker ihre heilberuflichen Kenntnisse wieder stärker in die Versorgung einbringen.“ Das Papier ist mittlerweile vom Tisch – was sie von der zukünftigen Rolle der Apotheker denkt, äußerte Klein-Schmeink im Interview mit DAZ.online.

Foto: DAZ/Alex Schelbert

Maria Klein-Schmeink (Grüne): Apotheker müssen Arzneimittel-Kompetenz mehr ein­bringen.

Beim eigentlichen Anlass ihrer Twitter-Botschaft – dem Versuch der ABDA-Spitze, die Verhandlungsmöglichkeiten der Kammern mit den Krankenkassen einzuschränken –, zeigte Klein-Schmeink sich zurückhaltend: Ihr sei egal, welche Institution verhandelt. Sie wolle den Apothekern nur mitteilen: „Orientiert euch am Versorgungsgeschehen und daran, was die Patienten brauchen.“ Es gehe nicht mehr nur ­darum, „wie viel Eurocent ich mehr oder weniger für ein Rezept bekomme“.

Das Gesundheitswesen werde, so Klein-Schmeink weiter, in Zukunft immer mehr auf Abstimmung und Teamwork aller Beteiligten angewiesen sein. Gerade beim Arzneimittelsektor setzt die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen auf die Apotheker: Diese sollten „ihre Arzneimittel-Kompetenz mehr einbringen, weil die ja in der Regel bei den Ärzten nicht so stark ausgeprägt ist wie bei Pharmazeuten“.

Dabei sieht Klein-Schmeink eine der Kernaufgaben der Apothekerkammern darin, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sich das Versorgungsgeschehen verändert habe und welche Kernkompetenzen „die Apotheker dazu beitragen können, bei diesen Veränderungen am Ball zu bleiben“. Als positives Beispiel nennt sie das Projekt der Apothekerkammer Westfalen-Lippe mit der AOK, bei dem die Pharmazeuten Medikationschecks anbieten. Aber das könne noch weitergehen, denkbar sei, dass der Apotheker eine „Fallkonferenz“ mit Haus- und Facharzt einberufen könne, wenn ein Patient mehrere Rezepte von unterschiedlichen Ärzten in die Apotheke bringe. Eine solche Vereinbarung sei aber keine Aufgabe der Politik, sondern der Selbst­verwaltung, wobei grundsätzlich die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker verbessert werden müsse.

Kein flächendeckendes Beratungshonorar …

Bleibt der Knackpunkt der Honorierung: Für Klein-Schmeink ist es zwar klar, dass man die Ver­gütung solcher Beratungsmodelle „sicherlich nicht über die Abgabepreis-Honorierung lösen“ könne. Aber zunächst gehe es ja auch nur darum, Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln. „Wir können nicht einfach ein flächendeckendes Beratungshonorar einführen, ohne die Wirkung solcher Projekte evaluiert zu haben“, so Klein-Schmeink wörtlich.

… aber Finanzierung über den Innovationsfonds

Klein-Schmeink möchte in Zukunft noch viel mehr darauf setzen, in integrierten Versorgungskonzepten vor Ort „häufiger auch das Wissen der Apotheker einzubringen“. Dabei setzt sie auf den Innovationsfonds: Dieser werde dazu sicherlich viele Möglichkeiten bieten.

Auch eine Warnung gibt Klein-Schmeink den Apothekern mit auf den Weg: Grundsätzlich sollten sie deutlich machen, „dass sie mehr sind als nur eine Abgabestelle“. Denn sonst werde mit Sicherheit irgendwann die Frage entstehen, „ob diese bloße Ab­gabestelle nicht auch irgendwo anders sein kann“. |

Das komplette Interview mit Maria Klein-Schmeink finden Sie in DAZ.online: „Apotheken sind keine bloßen Abgabestellen“ (News vom 17. Mai).

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