Wirtschaft

Stunde null bei Biosimilars?

Pro Generika fordert besseren Marktzugang für Bio-Nachahmerprodukte

dpa/az | Der Pharmaverband Pro Generika hat den Gesetzgeber aufgefordert, den Arzneimittelmarkt stärker für biotechnologisch hergestellte Nachahmerprodukte zu öffnen. Ein Hindernis für deren Marktzugang ­seien Rabattverträge mit den Originalherstellern. Dem widerspricht Baden-Württembergs AOK-Chef Hermann.

Sogenannte Biosimilars leisteten heute einen wichtigen Beitrag dazu, dass Patienten einen am Bedarf ausgerichteten Zugang zu modernen, preisgünstigen biopharmazeutischen Arzneimitteln bekämen, so Pro-Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer. Den im Verhältnis zum jeweiligen Originalprodukt preisgünstigen „Biosimilars“ sollte ein fairer Wettbewerb ermöglicht werden.

Eine Möglichkeit, Bio-Nachahmerprodukten den Weg zum Markt zu versperren, bestehe darin, dass Krankenkassen direkt nach Auslaufen des Patentschutzes exklusive Rabattverträge mit dem Originalhersteller schließen. Wo es, wie bei der AOK Baden-Württemberg, solche Verträge gebe, liege der Anteil der günstigeren Biosimilars weit unter dem bundesweiten Durchschnitt. Die höchsten Versorgungsanteile seien dort fest­zustellen, wo, wie bei der AOK Rheinland/Hamburg, keine ­Rabattverträge bestünden.

Pro Generika plädiert entsprechend für eine „Stunde null“ im Moment des Patentablaufs, von dem an sich der Markt ohne ­Rabattverträge relativ frei ent­wickeln könne.

Hermann: Versorgungs­qualität an oberster Stelle

Bei der AOK Baden-Württemberg sieht man das erwartungsgemäß ganz anders. Dass Pro Generika eine Umsetzungsquote bei den Bio­similars wolle, sei nichts Neues: „Von dort kommen schon lange solche planwirtschaftlichen Ideen, die gesetzliche Quoten für Biosimilars zum Ziel haben. Die AOK Baden-Württemberg setzt dagegen auch hier auf Wettbewerb und schließt Verträge ab, die die besten Konditionen bieten. So geht Marktwirtschaft“, äußerte Christopher Hermann, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, gegenüber der Apotheker Zeitung.

Der einseitige Pro-Generika-Blick auf den statistischen Anteil der Bio­similars ist nach Ansicht der AOK Baden-Württemberg Augenwischerei. Die AOK Baden-Württemberg schließe seit Jahren erfolgreich Verträge mit Pharma­unternehmen über Generika-Präparate, weil diese in ihrer pharmakologischen Wirkung den Original-Medikamenten entsprächen. Bei den Biosimilars sei zwar der Patentschutz auch ausgelaufen, aber das Biosimilar sei – wie der Name schon sage – dem Original nur „ähnlich“ und nicht identisch.

Die erst nach Therapieende mög­liche Kostenbeurteilung werde durch Pro Generika darüber hinaus völlig ausgeblendet. Hermann: „Wir vergleichen jedes einzelne Biosimilar-Präparat mit dem Original und entscheiden dann erst über die Vertragsausrichtung. Bei uns steht die Versorgungsqualität an oberster Stelle.“

Nach einer neueren Studie sind ­sieben der zehn ausgabenstärksten Arzneimittel Biopharmazeutika. Sie haben ein Umsatzvolumen von 2,73 Milliarden Euro. Deren Patente laufen in den nächsten Jahren aus. Die Ausgabenentwicklung bei den Biopharmazeutika insgesamt wird sich nach einer Prognose zwischen 2010 und 2020 auf 16,4 Milliarden Euro verdoppeln. |

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