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Management

Gelungener Generationenmix

Der Zusammenhalt zwischen Jung und Alt

Zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern in der Apotheke liegen zuweilen mehr als 40 Jahre. Die Zusammenarbeit funktioniert, wenn der Zusammenhalt in der altersgemischten Gruppe gut ist. Was der einen Generation fehlt, kann die andere sinnvoll ergänzen.

Ältere blicken häufiger zurück und neigen dazu, Gegenwärtiges mit den Maßstäben der Vergangenheit zu messen. Durch die Messlatte „damals“ wird „Heutiges“ erst einmal infrage gestellt, skeptisch gesehen, kritisch betrachtet. Oft fehlt das Verständnis für die Eigenarten der jungen Generation.

Wer älter ist, wünscht sich ...

  • ... eine interessante, abwechslungsreiche Tätigkeit
  • ... volle Akzeptanz der jungen Generation
  • ... stressfreies Arbeitstempo, weniger Hektik
  • ... selbstständiges Arbeiten ohne dauernde Kontrollen
  • ... Vertrauen in die Leistungsfähigkeit
  • ... Anerkennung bei den Kunden
  • ... Wertschätzung der eigenen Meinung

Berufserfahrung und gewachsene Beziehungen zu Kunden sind wichtige Merkmale der älteren Kollegen. Wenn sie zu ihrem Alter stehen und nicht versuchen, so zu sein wie die um 20 Jahre Jüngeren, wirken sie authentisch und verschaffen sich Respekt.

Wer jung ist, wünscht sich ...

  • ... Handlungsspielräume und Verantwortung
  • ... gutes Verhältnis zu älteren Kollegen und Kunden
  • ... Wertschätzung und Akzeptanz der Vorgesetzten
  • ... anspruchsvolle Aufgaben
  • ... berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
  • ... Toleranz und freie Meinungsäußerung
  • ... Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit

Ein Pluspunkt der Älteren ist die emotionale Stabilität, denn Jüngere unterliegen oft stärker plötzlichen Stimmungsschwankungen. Dagegen haben ältere Mitarbeiter häufiger die Befürchtung, dass die Kräfte nachlassen, dass sie nicht mehr „mitkommen“ und nicht mehr bei jüngeren Kunden ankommen. Dabei akzeptieren jüngere Kunden die älteren Mitarbeiter voll und ganz, sofern diese motiviert sind und ihr Wissen ständig aktualisieren. Und gerade ältere Kunden sind oft sogar froh, wenn sie ihre Probleme nicht einem deutlich jüngeren Apotheker oder PTA schildern müssen.

Dagegen brauchen Ältere beispielsweise bei einer neuen Software oft eine etwas längere Eingewöhnung. Ein Beweis des Zusammenhalts zwischen den Generationen ist hier die Unterstützung durch die Jüngeren.

Generell gilt: Wer zu früh an den Ruhestand denkt oder sich Gedanken über die nachlassende Leistungsfähigkeit macht, reduziert sein Leistungspotenzial und macht sich selbst älter. Wenn man bereits Jahre vor dem Ruhestand Pläne über das „Danach“ macht, wirkt man so, als hätte man sich schon weitgehend aus dem Arbeitsleben verabschiedet.

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Im Mitarbeiterteam aus Jung und Alt können beide Seiten voneinander profitieren, wenn jeder auf die Eigenheiten des anderen Rücksicht nimmt.

Unterschiede bei der Ausdrucksweise

Jüngere Mitarbeiter kommen frisch von der Ausbildung und treten deshalb oft recht selbstbewusst auf. Viele „Junge“ wollen endlich Verantwortung übernehmen, sind ungeduldig und drängen nach vorne, obwohl noch Erfahrung fehlt. Sie müssen sich erst bewähren, strengen sich also ein Stück weit mehr an, um „Bonuspunkte“ zu sammeln. Dabei überschätzen sie aber auch häufig ihre Fähigkeiten und erkennen nicht die Überforderung.

Ausdrucksweise und Redensarten sind bei den Altersgruppen unterschiedlich. Jüngere gebrauchen gerne Anglizismen, sie haben entsprechende Wortschöpfungen auf der Zunge und benutzen Begriffe, die es früher nicht gab.

Der ehrgeizige Nachwuchs möchte Handlungsspielräume haben und eigene Erfahrungen machen, ohne dauernd kontrolliert zu werden. Sich gegenseitig zu akzeptieren ist die beste Voraussetzung hierzu. Die Verantwortung dafür tragen beide Generationen. Differenzen müssen in einer Art angesprochen werden, die das Selbstwertgefühl des anderen nicht verletzt. Dabei muss man den eigenen Standpunkt nicht aufgeben, sondern den des Gegenüber anhören und hinterfragen.

Jüngere sind oft schneller wechselbereit, sie ändern ihre Meinung rascher, sind durch andere leichter beeinflussbar. Erst im Laufe der Jahre kommen sie zu einer festen Meinung. In jungen Jahren dis­kutiert man häufig gerne, ist konfliktfreudiger. Dabei legen auch Jüngere Wert auf ein gutes Betriebsklima. Ein Schmusekurs kommt allerdings oft nicht gut an, übertriebene Nähe zwischen den Generationen kann die Distanz vergrößern. Authentizität ist im Mix der Generationen ein absolutes Muss für jeden, um glaubwürdig zu wirken. Andere zu akzeptieren heißt dabei keinesfalls, sich unterzuordnen.

„Im Alter versteht man besser, die Unglücksfälle zu verhüten, in der Jugend, sie zu ertragen.“

Arthur Schopenhauer

Was bei der Zusammenarbeit gar nicht geht, ist hinter vorgehaltener Hand über altersbedingte Eigenschaften zu reden. Das Hintenherum-Gerede über Kollegen stört das Wir-Gefühl und schafft Misstrauen. Wer in jungen Jahren daran denkt, dass er später auch einmal zu den Älteren zählt, hat mehr Verständnis für Eigenarten der anderen Generation. Umgekehrt sollten sich auch die Älteren daran erinnern, wie sie sich zu Beginn ihrer Berufstätigkeit gefühlt und benommen haben.

Die Perspektive wechseln

Ein gelungener Generationenmix hängt davon ab, ob man den eigenen Standpunkt gedanklich verlassen und sich in die Lage der anderen Generation versetzen kann. Durch den Perspektivenwechsel sieht man vieles mit anderen Augen. Die Zusammenarbeit wird altersunabhängig funktionieren, wenn man bewusst andere Eigenarten akzeptiert. Mit dem Gedanken „Du bist ein wichtiger Arbeitskollege“ nimmt man dessen Standpunkt ein. Dabei muss man nicht alles gut finden und nicht alles verstehen. Wer versucht, mit dem Kopf der anderen Generation zu denken, kommt schneller zur richtigen inneren Einstellung.

Tipps für den Chef

Nach der „Defizittheorie“ sieht gerade der jüngere Apotheken­leiter unbewusst nur die nachlassenden Fähigkeiten der älteren Mitarbeiter. Wenn die Arbeitsprozesse an Ältere angepasst werden, bleibt die Arbeitsfreude und die Leistung des Betreffenden erhalten. Ältere entwickeln Ehrgeiz, wenn sie erkennen, dass man ihnen noch vieles zutraut. Denn wo das Vertrauen in die Leistung vorhanden ist, bleibt auch die Motivation der älteren Mitarbeiter erhalten. Falls ein ­älterer Mitarbeiter eine Teilzeitbeschäftigung wünscht, kann auch dies eine Möglichkeit sein, dass er länger leistungsfähig bleibt. Gerade angesichts des Fachkräftemangels bietet sich an, Ältere so lange wie möglich zu beschäftigen – auch jenseits des Renteneintrittsalters.

„Die Jüngeren rennen zwar schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzung.“

Ursula von der Leyen

In Stellenangeboten sollte man besser nicht Formulierungen wie „Für unser junges Team suchen wir …“ benutzen. Laut einem – allerdings noch nicht rechtskräftigen – Urteil des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg liegt dabei zwar keine Altersdiskriminierung gemäß § 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes vor. Dennoch wird man damit vermutlich nur jüngere Bewerber ansprechen. Ersetzt man das Wort „jung“ durch „erfolgreich“ oder „engagiert“, grenzt man dagegen den Kreis der Bewerber nicht unnötig ein. |

Rolf Leicher, Kommunikationstrainer, Oberer Rainweg 67, 69118 Heidelberg,
autor@deutsche-apotheker-zeitung.de

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