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Management

Führen mit Fakten

Nicht nur emotional, sondern auch rational motivieren

Das emotionale Führungsmanagement ist in aller Munde – so sehr, dass es kaum noch hinterfragt wird. Aber bei manchen Mitarbeitern und in manchen Situationen in der Apotheke sollten die Gefühle besser schweigen und der Chef durch Zahlen, Daten und Fakten – kurz ZDF – überzeugen.

Wir sprechen vom emotionalen Führungsmanagement, wenn es dem Apothekenleiter gelingt, seine Mitarbeiter motivatorisch bei den emotionalen Hörnern zu packen. Dazu analysiert er ihr bevorzugtes Emotionssystem und führt zum Beispiel den dominanten und extrovertierten Mitarbeiter anders als den auf Sicherheit bedachten introvertierten. Entscheidend ist, die Gefühle der Einzelnen individuell anzusprechen und die Motivationsarbeit auf das Zustandekommen positiver Emotionen abzustimmen.

Das emotionale Führungsmanagement bietet zweifellos ein erfolgreiches und richtiges Führungs­instrumentarium. Es wird jedoch häufig dahingehend missverstanden, dass Chefs glauben, sie müssten grundsätzlich flammende Motivationsreden halten und die Mitarbeiter etwa bei Veränderungsprozessen mitreißen, indem sie die Zukunft der Apotheke in leuchtenden Farben ausmalen.

Statt das emotionale Führen zum Nonplusultra zu erklären, sollten sie sich verdeutlichen, dass bei manchen Mitarbeitern und in manchen Führungssituationen das Motivieren mit Fakten Erfolg versprechender ist. Darum ist es zielführend, mit Emotionen und mit Fakten zu führen. Manche Mitarbeiter brauchen die emotionale Ansprache und manche die Überzeugungskraft der Fakten.

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Ein festes Fundament gibt Sicherheit Das gilt für Brücken genauso wie für das Führen von Menschen. Emotionen können dann darauf aufbauen.

Schiffsbau mit Vision und Fakten

Führen und Motivieren mit Emotionen und Fakten – was bedeutet das konkret? Das heißt zunächst einmal, dass der Apothekenleiter – bleiben wir bei dem Beispiel – bei Veränderungsprozessen mit eindeutigen Zielen und klaren Ansagen führt. Wir alle kennen das berühmte Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Es ist durchaus richtig, bei komplexen Veränderungen mit einer Leuchtturmvision die Richtung zu bestimmen, also mit einer Vision, die den Mitarbeitern einen sinnstiftenden und Halt bietenden Orientierungsrahmen gibt. Als Beispiel kann Steve Jobs dienen, der bei Apple einst die Mitarbeiter durch begeisternde Ansprachen zur Identifikation mit dem Unternehmen bewegte und ihnen so das Gefühl vermittelte, Teil eines „großen Ganzen“ zu sein.

Aber muss dann nicht auch die klare Ansage erfolgen, dass es ­unumgänglich ist, jetzt in die Umsetzung zu gelangen und mit dem Schiffsbau zu beginnen, und zwar mit den und den Ausmaßen und den und den Funktionalitäten?

Allerdings: Es geht nicht darum, in das andere Extrem zu verfallen und – frei nach Altbundeskanzler Helmut Schmidt – Chefs, die mit Visionen führen wollen, zum Arzt zu schicken. Aber es ist eine Überlegung wert, die Vision mit klaren Zielsetzungen, einem konkreten Zeitplan und detaillierten Umsetzungsaktivitäten zu unterfüttern.

Präzise Ziele unterstützen Motivation

„Ich finde, unsere Kunden wirken immer zufriedener. Das ist doch ein schöner Erfolg unserer Kundenqualitätsoffensive. Packen wir es an und machen weiter so!“ Es gibt Mitarbeiter, die sich durch diese Art der Ansprache inspiriert fühlen. Was jedoch spricht dagegen, diese Formulierung folgendermaßen zu ergänzen oder zu ersetzen: „Die Kundenbefragung hat ergeben, dass die Kunden uns mit einem Wert von 2,1 benoten. Das ist ein schönes Ergebnis, aber da ist noch Platz nach oben. Lassen Sie uns einen Fünf-Punkte-Plan mit zehn Aktivitäten entwickeln, damit wir bei der nächsten Kundenbefragung in einem halben Jahr einen Wert mit einer 1 vor dem Komma erreichen.“

Mitarbeiter emotional und rational ansprechen

Präzise beschriebene Ziele machen eine Vision nicht überflüssig, sie sind vielmehr als Ergänzung und Unterstützung gedacht und geeignet, einen zusätzlichen Motivationsschub zu entfachen und vor allem die Zahlen-Daten-Fakten-Mitarbeiter mitzunehmen.

Auf den Punkt gebracht: In der ­Realität gibt es meistens nicht den ZDF-Mitarbeiter, der sich nur durch Fakten begeistern lässt. Auch der Mitarbeiter, den allein die Vision über die Ziellinie trägt, kommt selten vor. Oft lassen wir uns durch ein Bündel an Argumenten überzeugen und zu etwas Außergewöhnlichem bewegen – und darum ist es zielführend, wenn der Apothekenleiter beide Sprachen überzeugend spricht, die emotionale und die faktengesättigte.

Transparenz führt zu mehr Sicherheit

Das Führen (auch) mit Fakten hat den Vorteil, dass Aspekte wie Transparenz und Sicherheit mitschwingen und Menschen Informationen an die Hand bekommen, die ihnen ein festes und stabiles Fundament geben. Sie erhalten ein Gerüst, an dem sie sich festhalten können. Sind zu viele und zu heftige Gefühle im Spiel, droht das ­nebulöse Herumstochern in wenig konkreten Vereinbarungen.

Dies ist etwa der Fall, wenn die Zukunft der Apotheke gefährdet oder einem Mitarbeiter ein Fehler unterlaufen ist. Hier allein auf die Emotionskarte zu setzen und das Bauchgefühl anzusprechen, kann zu ­Unsicherheit und Desorientierung führen. Die eindeutige Klarstellung hingegen, wo die Apotheke steht und wie sie ihr Überleben sichern kann, wirkt oft beruhigend. Und wenn der Apothekenleiter dem ­Mitarbeiter klar vor Augen stellt, was schlecht gelaufen ist und demnächst besser gemacht werden könnte, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass diesem derselbe Fehler kein zweites Mal unterläuft.

ZDF-Prinzip auch für den Chef

Jeder Chef ist gut beraten, wenn er das Prinzip „Führen mit Emotionen und mit Fakten“ auch auf sich selbst anwendet. So sollte er z. B. bei schwierigen Entscheidungen die Situation wie der rationale Zahlen-Daten-Fakten-Mensch analysieren. Erst wenn er damit nicht mehr weiterkommt, kann er seine Intuition und sein Bauchgefühl ein emotionales Wörtchen mit­reden lassen. |

Dr. Michael Madel, freier Autor und Kommunikationsberater

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