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„Kein Anlass für Katzenjammer“

ABDA-Pressesprecher Reiner Kern sieht beim Medikationsplan noch Erfolgsaussichten

KIEL (tmb) | ABDA-Pressesprecher Reiner Kern sieht den Medikationsplan für die Apotheker noch nicht verloren, weil er den Weg zur späteren Medikationsanalyse öffnet. Bei der Kammerversammlung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein am 2. Dezember in Kiel stellte er die Öffentlichkeitsarbeit der ABDA vor und bewertete sie als erfolgreich.
Foto: DAZ/tmb

ABDA-Sprecher Kern: Auch die Ärzte erhalten keine gesonderte Vergütung für den Medikationsplan.

Kern betonte, dass das Engagement für einen höheren Festzuschlag bei der ABDA langfristig Priorität habe. Doch kurzfristig könne sich eine Gelegenheit bieten, ein weniger wichtiges Ziel, beispielsweise den Medikationsplan, zu verfolgen. Die ABDA habe die inhaltlichen Argumente für die Beteiligung der Apotheker erfolgreich vermittelt, aber „die Politik favorisiert jetzt eine Lösung, die im Moment nichts kostet“, so Kern. Denn die Ärzte würden für die Erstellung der Medikationspläne eine EBM-Gebühr erhalten, die zum Budget gehöre. Sie würden also nicht mehr Geld bekommen, während eine Honorierung der Apotheker die GKV Geld kosten würde. Doch sieht Kern „keinen Anlass für Katzenjammer“. Denn im Februar oder März werde die operative Umsetzung vereinbart, wobei auch die Apotheker beteiligt würden. Langfristig sei die Einführung des Medikationsplans vorteilhaft und schaffe eine Datenbasis für die Medikationsanalyse, bei der die Apotheker als Teil des heilberuflichen Netzwerks verankert seien. Außerdem erwartet Kern, dass die Apotheker bei der Einführung des elektronischen Medikationsplans Geld für die Infrastruktur bekämen.

Imagekampagne im Jahr 2016

Zur Imagekampagne der ABDA erklärte Kern, diese habe keine harte politische Aussage, sondern schaffe einen inhaltlichen Rahmen für die weitere Öffentlichkeitsarbeit. Im nächsten Jahr solle eine besonders intensive Kampagnephase in den Tag der Apotheke münden. Dieser solle einen neuen Charakter bekommen, kein Motto mehr haben und mit einer Pressekonferenz in Berlin „politischer“ werden. Künftig solle zunehmend das Netzwerk aus Apothekern genutzt werden, die jeweils einen Bundestagswahlkreis betreuen. Allerdings seien noch nicht für alle Wahlkreise Apotheker gefunden worden. Bisher seien 227 Wahlkreise verteilt.

Unterschiedliche Bewertungen

In der Diskussion wurde deutlich, wie unterschiedlich die Öffentlichkeitsarbeit abhängig von subjektiven Einschätzungen beurteilt wird. Während der Delegierte Ulrich Ströh die geringe Beteiligung der Apotheker an den Kampagnen beklagte, erklärte Kern, von den erreichten Quoten von bis zu 30 Prozent würden andere Heilberufe träumen. Gerd Ehmen, Präsident der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, fand, in der Tagespresse werde kaum über den Deutschen Apothekertag berichtet. Doch Kern verwies auf 86,2 Millionen Medienkontakte, im Vergleich zu 81 Millionen im Vorjahr, und wertete dies als Erfolg.

Sorgen nach dem BSG-Urteil

In seinem Bericht für die Kammerversammlung beklagte Ehmen, das jüngste Urteil des Bundessozialgerichts zur Zytostatikaversorgung habe die Tür für die Gestaltung von Selektivverträgen weit geöffnet. Dies könne dazu führen, dass Apotheken nach Leistung selektiert würden. Dr. Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, verwies sogar auf eine mögliche Gefährdung der Arzneimittelversorgung in der Fläche. Daher sollten die Vertragspartner zurückhaltend mit dem Urteil umgehen, mahnte Froese.

Etwa 300 Testkäufe geplant

Die Kammerversammlung beschloss, ihre „Beratungsinitiative“ fortzusetzen und im Jahr 2016 etwa 300 Testkäufe durchzuführen. Dabei soll den Apotheken nur noch jeweils ein freiwilliger Testkauf pro Jahr angeboten werden, weil die Zahl der zufällig ausgewählten Teilnehmer zuletzt stark zurückgegangen war.  |

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