Arzneimittel und Therapie

Diabetes ist nicht gleich Diabetes

Forscher identifizieren drei Subtypen

Eine Gruppe von Genetikern und Bioinformatikern hat Daten von über 11200 Diabetes-Patienten mit der sogenannten topologischen Analyse, die eine Visualisierung enormer Datenmengen erlaubt, ausgewertet. Die New Yorker Forscher setzten eine Vielzahl klinisch relevanter Parameter (z. B. BMI, Alter, Blutgerinnung, Blutproteingehalt), Begleit- respektive Folgeerkrankungen sowie die genetische Ausstattung in Beziehung und unterzogen alle Daten einer Gesamtschau. Dabei fanden sie heraus, dass es drei Patienten-Subtypen gibt, die sich doch signifikant unterscheiden.
Foto: Schlierner – Fotolia.com

Verschiedene „Zucker“-Typen: es scheint drei Gruppen von Typ-2-Diabetikern zu geben.

Im Subtyp 1 (30%) sind diejenigen Patienten zu subsumieren, bei denen Faktoren wie Übergewicht, erhöhte Blutzuckerwerte sowie korrelierende Begleit- bzw. Folgeerkrankungen wie Nieren- oder Augenerkrankungen auftreten. Sie entsprechen somit dem klassischen Verständnis des Typ-2-Diabetikers mit den hinlänglich bekannten Implikationen. Als charakteristisch zeigt sich aber auch eine erhöhte Neigung zu respirato­rischen Infekten oder Hauterkrankungen.

Die Gruppe des Subtyps 2 (24%) sammelt Patienten mit Begleiterkrankungen wie Lungenkrebs oder Tuberkulose und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Der Subtyp 3 (43%) hingegen ist vorwiegend durch neurologische Erkrankungen wie Depressionen oder Suchterkrankungen gekennzeichnet. Daneben findet sich bei diesem Patientenkollektiv ein höheres Auftreten von Bluthochdruck, allergischen, aber auch HIV-Erkrankungen.

Aus diesen Erkenntnissen könnten die Mediziner in Zukunft individuellere Behandlungsschemata ableiten. Bis das Realität wird, müsste allerdings eine erheblich größere Zahl an Patientendaten ausgewertet werden.

Methode mit Schwächen

Problematisch an der verwendeten Methode ist allerdings, dass keine Aussagen gemacht werden können, ob die neben dem Diabetes diagnostizierten Krankheiten tatsächlich Folge oder auch Ursache sein können. Das räumen die Autoren selber ein. |

Quelle

Li Li et al. Identification of type 2 diabetes subgroups through topological analysis of patient similarity Sci. Transl. Med. 28 Oct 2015: Vol. 7, Issue 311, pp.

Apothekerin Dr. Annette Diekmann-Müller


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