Prisma

Schlag aus dem Himmel

Wetter beeinflusst das Kreislaufsystem

cae | Ein Wetterwechsel kann bei Patienten mit kardiovaskulärem Risiko das Schlaganfallrisiko erhöhen. Das Risiko steigt umso mehr, je größer das vorbestehende Risiko ist.
Foto: schulzfoto – Fotolia.com

Plötzlich ist es kalt geworden – parallel dazu ist die Anzahl der Schlaganfälle gestiegen.

Neurologen des Universitätsklinikums Jena um Matthias Schwab nahmen in ihre Studie (Case-Crossover-Design) 1694 Patienten mit Diabetes oder Atherosklerose auf, die unterschiedlich schwerwiegende kardiovaskuläre Risikofaktoren aufwiesen. Sie verglichen bei den Patienten, die einen Schlaganfall erlitten, wie das Wetter in der vorausgegangenen Woche war, wobei sie den Gang der Temperatur, der relativen Luftfeuchtigkeit und des Luftdrucks berücksichtigten (nicht aber die Niederschläge). Daraus konnten sie Rückschlüsse ziehen, wie extreme Wetterwechsel in den letzten 24 Stunden vor dem Schlaganfall das Risiko erhöht hatten:

  • Das Sinken der Temperatur um 2,9° C steigerte das Risiko um elf Prozent, bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko sogar um 30 Prozent.
  • Die Änderung der Luftfeuchtigkeit um mindestens fünf Prozentpunkte steigerte das Risiko um 30 Prozent.
  • Die Änderung des Luftdrucks um mindestens 10 hPa steigerte das Risiko um 63 Prozent, bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko sogar um das Vierfache!

Damit bedeutet eine starke Luftdruckschwankung für Risikopatienten eindeutig die größte Gefahr.

Hier sei noch vermerkt, dass die plötzlich sinkende Temperatur in dieser Studie überproportional häufig einen kardioembolischen Schlaganfall auslöste, was wiederum auf häufigere atriale Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) zurückzuführen war. Hinzu kommt, dass die Gefäße sich bei plötzlicher Kälteeinwirkung stark verengen. Wegen dieses Mechanismus sind für Herz-Kreislauf-Patienten das kalte Duschen und das Abkühlen nach einem Sonnenbad oder gar einem Saunagang kontraindiziert. Umgekehrt stärken Kaltwasseranwendungen bei Gesunden die Anpassungsfähigkeit des Gefäßsystems, z. B. bei rasch wechselnden Wetterlagen oder beim Aufenthalt in ex­trem klimatisierten Räumen und Verkehrsmitteln. Abhärtung kann kardiovaskulären Ereignissen vorbeugen. |

Quelle

Rakers F, et al. Rapid weather changes are associated with increased ischemic stroke risk: a case-crossover study. Eur J Epidemiol; Epub 7.7.2015

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