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Generika helfen nicht nur sparen

Berliner IGES-Institut zeigt Wert abseits der Kostenersparnis auf

BERLIN (ks) | 76 Prozent der in Deutschland verordneten Arzneimittel sind Generika. Dabei machen sie nur zehn Prozent der GKV-Arzneimittelausgaben aus. Dass ihr Nutzen über das bloße Sparen hinaus geht, will eine aktuelle Studie des Berliner IGES-Instituts aufzeigen.

Das IGES-Institut hat für Pro Generika und den Europäischen Generika- und Biosimilarverband (EGA) den Wert von Generika analysiert. Und zwar abseits der sonst stets im Mittelpunkt stehenden Kostenersparnis. Diese ist in Deutschland zwar von hoher Bedeutung, denn mit einem Versorgungsanteil von 76 Prozent steht Deutschland europaweit an der Spitze. Und darüber können sich die Krankenkassen freuen – schließlich entfallen auf diesen Großteil der Arzneimittelversorgung nur zehn Prozent ihrer Arzneimittelausgaben. Preiswettbewerb, aber auch Sparinstrumente wie Festbeträge machen es möglich. Doch bekanntlich wollen die Kassen immer noch weniger zahlen – ihr zusätzliches Instrument sind die Rabattverträge.

Angesichts dieses unbedingten Sparwillens wollen die Generika-Verbände darauf aufmerksam machen, dass ihre Produkte auch einen Nutzen haben, der über reine Kostenaspekte hinausgeht: Etwa weil sie den Zugang von Patienten zu Arzneimitteln verbessern und letztlich Gesundheitssystem und Volkswirtschaft generell entlasten.

Antihypertensiva: Mehr Menge, aber nicht mehr Kosten

Beispiele sind gegen Bluthochdruck angewandte Antihypertensiva. Ihr Nutzen ist umfangreich belegt; sie senken das Risiko für Schlaganfälle, koronare Herzkrankheit, Herzversagen und kardiovaskuläre Todesfälle. In Deutschland, so zeigt die IGES-Studie auf, hat die Behandlung mit diesen Arzneimitteln stark zugenommen, sobald diese patentfrei wurden. Doch trotz des Mengenzuwachses blieben die Ausgaben für diese Arzneimittelgruppe weitgehend gleich. Für die Studienautoren und ihre Auftraggeber ist das Signal klar: Generika sorgen für einen besseren Zugang zur Arzneimittelversorgung.

Teuer ist das nicht, rechnet Pro Generika vor. So zahle die GKV dem Hersteller für eine Drei-Monats-Therapie mit generischem Amlodipin (5 mg, 100 Tabletten) lediglich 0,98 Euro (ohne Apothekenzuschläge). Dies ­bedeutet Tagestherapiekosten von ­weniger als einem Cent pro Tag. Und selbst für dieses Arzneimittel haben die Krankenkassen zusätzlich Rabattverträge abgeschlossen.

Für Pro Generika zeigt dieses Preisbeispiel, dass der Wert der Generika von den Krankenkassen nicht ausreichend anerkannt wird. Und die Konzentration auf weitere Einsparungen habe Folgen: So nehme die Anbietervielfalt von versorgungsrelevanten Wirkstoffen seit Jahren ab. Zugleich steige die Gefahr von Lieferengpässen – bei Generika sei der Preis- und Rabattdruck eine wesentliche Ursache für solche Engpässe.

Die bisher angedachten und diskutierten Maßnahmen gegen Engpässe – etwa eine Liste essenzieller Wirkstoffe, ein Pflicht-Register und eine vergrößerte Vorratshaltung entlang der Vertriebskette – sollen das Monitoring und das Management von Engpässen verbessern. Für Pro Generika setzen sie aber nicht an den Ursachen an.

Keine Rabattverträge für versorgungskritische Arzneimittel

Der Verband schlägt daher vor, dass es etwa für versorgungskritische Arzneimittel – so eine Liste solcher essenzieller Präparate kommt – keine Rabattverträge mehr geschlossen werden dürfen. Hilfreich fände man es auch, zwischen Rabattvertragszuschlag und Vertragsbeginn sechs Monate Zeit zu lassen. In diesen Monaten könnten die Hersteller ihre Produktion den neuen Anforderungen anpassen. |

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