Die Seite 3

Im Laboratorium

Peter Ditzel, Herausgeber der DAZ

Geht es nach den Vorstellungen unseres Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe, müsste der Apotheker heute in erster Linie wohl ein Hersteller und Prüfer von Arzneimitteln sein. Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man seinen vor Kurzem präsentierten Zehn-Punkte-Katalog liest, der das Berufsbild des Apothekers charakterisieren soll: Allein fünf Punkte beschäftigen sich damit, dass der Apotheker Arzneimittel herstellt und/oder prüft. Die Aufzählung vermittelt ein Bild vom Apotheker im Laboratorium. Überspitzt formuliert suggeriert sie, ein Großteil der Apotheke bestünde aus einem Herstellungs- und Prüflabor. Von Information und Beratung ist in diesem Berufsbild nur in einem Punkt die Rede.

Der Zehn-Punkte-Katalog ist Teil eines Gesetzentwurfs, mit dem die Berufsanerkennungsrichtlinie der EU in Deutschland umgesetzt werden soll. In diesem Zusammenhang will die Bundesregierung die Definition des Apothekerberufs in der Bundes-Apothekerordnung überarbeiten – der Zehn-Punkte-Katalog fußt dabei auf einer Passage aus der EU-Richtlinie, die apothekerliche Tätigkeiten beschreibt. Da stellt sich die Frage: War da die Bundesregierung nur schlecht beraten oder fokussiert sie sehenden Auges den Beruf des Apothekers auf Tätigkeiten, die sich überwiegend im Labor und Lager, ein wenig im Verkauf und nur am Rande in der Beratung des Patienten abspielen? Ist das Perspektivpapier der ABDA, das einen modernen patientennahen Apo­theker zeichnet – aber gewiss nicht einen Laborapotheker –, nicht bis ins Bundesgesundheitsministerium vorgedrungen?

Diese Neuformulierung der Bundes-Apothekerordnung greift auch für die ABDA zu kurz und hat sie zu einem Protest veranlasst. Die ABDA hofft nun, über Bundestag und Bundesrat auf den Gesetzentwurf Einfluss nehmen zu können, um in der Bundes-Apothekerordnung ein zeitgemäßes Bild des Apothekerberufs verankern zu können.

Wie ein solches Bild aussehen soll, will die ABDA ab 1. November im Netz von allen Apothekerinnen und Apothekern diskutieren lassen: Ein Textentwurf zum künftigen Berufsbild Apotheker steht dann zur Kommentierung im Netz (www.berufsbild-apotheker.de). Wir hätten Ihnen diesen Textentwurf gerne schon vorab zur Verfügung gestellt, um darüber nachdenken zu können. Aber die ABDA rückt diesen Entwurf nicht heraus und hält ihn noch streng geheim. Schade. Hätte die Diskussionslust sicher fördern können. Dennoch, es ist wünschenswert, dass sich möglichst viele Kolleginnen und Kollegen an dieser Diskussion beteiligen. Die Kammern haben bereits die Zugangscodes für die Teilnahme an der Diskussion verschickt.

Der Apotheker im Apothekenlabor – auch wenn es nicht zu erwarten ist, dass Labortätigkeiten im Mittelpunkt eines modernen Apotheker-Berufsbildes stehen: Laborarbeiten gehören dazu. An erster Stelle stehen hier die Prüfung von Ausgangsstoffen und die Herstellung von Rezepturen. Die vorliegende DAZ mit dem Schwerpunkt Labor möchte Ihnen die Laborarbeit vereinfachen. Wir geben Ihnen Hinweise, wie Sie Arzneistoffe ohne großen Aufwand auf ihre Identität prüfen können, z. B. mittels Schmelzpunktbestimmung, Mikro-DC oder NIRS. Außerdem haben wir einen Beitrag mit Tipps zum Thema Wiegen und zur Herstellung von Augentropfen aufgenommen. Damit Sie mehr Zeit für Ihre Kunden und Patienten haben.

Peter Ditzel


Das könnte Sie auch interessieren

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Bundes-Apothekerordnung

Engelen: Tiefe Sorge um freie Berufe

Trotz ABDA-Protest: Bundeskabinett beschließt Änderung der Bundes-Apothekerordnung

Gröhe definiert Apothekerberuf neu

Sozialgericht Aachen: Laborleiter muss nicht in die gesetzliche Rentenversicherung

Auch in der Industrie befreit

Neues Berufsbild für Apotheker

Die Revolution muss warten

Online-Diskussion über Entwurf des künftigen Berufsbilds

Ein neues Bild vom Apotheker

Das neue „Berufsbild der Apothekerin und des Apothekers“ ist veröffentlicht

Ein Bild von einem Beruf

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.