Arzneimittel und Therapie

Was hilft bei chronischer Sinusitis?

Review zeigt evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten

Die chronische Sinusitis ist eine entzündliche Erkrankung der Nasennebenhöhlen, die per definitionem bei Erwachsenen mindestens 12 Wochen ohne merklichen Rückgang der Beschwerden persistiert. Da die Symptome die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken, sind effektive Medikamente zur Symptomlinderung, die außerdem das Risiko für akute entzünd­liche Exazerbationen verringern, gefragt. Ein aktueller Review hat sich mit der Thematik befasst.

Zu den typischen Symptomen zählen Gesichtsschmerzen bzw. Druckgefühl, verminderter oder fehlender Geschmacks- und/oder Geruchssinn, verstopfte Nase oder eingedicktes Nasensekret. Laut dem Review zählen mehrmals tägliche salzhaltige Spülungen, topische und systemische Corticoide, Leukotrien-Antagonisten sowie Antibiotika zu den Erfolg versprechendsten Optionen.

Der Review basiert auf vier klinischen Studien (RCTs), 13 systematischen Reviews und 12 Metaanalysen des Zeitraums 1947 bis Januar 2015 und besitzt damit eine aktuellere Datenbasis als die beiden Rhinosinusitis-Leitlinien auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Von diesen ist aktuell nur die der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. gültig; die DEGAM-Leitlinie Rhinosinusitis wird derzeit überarbeitet. Beide Leitlinien enthalten auch Therapie-Empfehlungen für die akute Rhinosinusitis, die beim Review von Rudmik et al. außen vor bleiben.

Drei Empfehlungen

Die Autoren des Reviews leiten aus ihren Analysen drei „knackige“ Empfehlungen ab. Dabei differenzieren sie Kurz- und Langzeitbehandlung sowie Sinusitis-Patienten mit und ohne Nasenpolypen, also gutartigen Wucherungen, die auf der Basis einer entzündeten Nasenschleimhaut entstanden sind und häufig chirurgisch entfernt werden müssen. Eine solche Operation wird jedoch meist erst nach dem Scheitern medikamentöser Therapieversuche erwogen.

Spüllösungen und topische Corticosteroide

1. Salzhaltige Spüllösungen und topische Corticosteroide sind Mittel der ersten Wahl bei chronischer Rhinosinusitis mit und ohne Nasenpolypen.

Spülungen mit Salzlösungen sind geeignet, Schleim, Krusten und Luftschadstoffe zu entfernen und damit die mukoziliäre Clearance wiederherzustellen. Dabei sind isotonische und leicht hypertone Lösungen annähernd gleichwertig, jedoch erwies sich die Anwendung größerer Volumina (> 100 ml) als überlegen gegenüber geringeren Spülmengen. Es empfiehlt sich eine ein- bis dreimal tägliche ­Anwendung. Auch in der aktuellen Rhinosinusitis-Leitlinie findet sich die starke Empfehlung, dass Nasenspülungen mit hypertonen, d. h. 2 bis 3,5%igen gepufferten Lösungen bei chronischen Rhinosinusitiden zu­mindest die Beschwerden lindern können.

Topische Corticoide. Noch stärker konnten laut Studienlage die Symptome gemildert werden, wenn Spüllösungen mit topischen Corticoiden kombiniert wurden. Eine Behandlung mit diesen Substanzen reduzierte zudem die Rezidivrate nach einer Polypen-Operation. Für die Beratung im Rahmen der Selbstmedikation ist jedoch zu beachten, dass lediglich Beclometason rezeptfrei erhältlich ist (z. B. Rhinivict® nasal 0,05 mg Nasenspray) und diese Substanz zudem nur eine Zulassung für die allergische Rhinitis besitzt. Letzteres trifft auch für einige rezeptpflichtige topische Corticosteroide zu (z. B. Flunisolid, Syntaris®, Fluticason, z. B. Flutide® nasal). Dagegen ist Mometason (Nasonex®, Rp) bei Erwachsenen auch zur Behandlung von Nasenpolypen zugelassen.

Systemische Corticoide

2. Bei Patienten mit Nasenpolypen liegt die höchste Evidenz für eine kurzfristige Behandlung (ein bis drei Wochen) mit systemischen Corticoiden, eine Doxycyclin-Therapie über drei Wochen sowie für Leukotrien-Antagonisten vor.

Mit systemischen Corticoiden wie Dexamethason, Methylprednisolon, Prednison und Prednisolon sowie mit dem Antibiotikum Doxycyclin (200 mg initial, dann 100 mg täglich über 20 Tage) gelang es, im Vergleich mit Placebo die Polypengröße signifikant zu reduzieren (p < 0,001).

In der Gruppe der Leukotrien-Antagonisten wurden Studien mit Montelukast, Zafirlukast und Zileuton ausgewertet. Ihr Einsatz verbesserte im Vergleich mit Placebo bei Patienten mit Nasenpolypen (und nur bei diesen) die nasalen Symptome signifikant (p < 0,01). Es konnten jedoch keine Unterschiede zwischen Montelukast und topischen Corticoiden identifiziert werden. In Deutschland ist nur Montelukast zugelassen (zur Therapie des allergischen Asthmas, Singulair® 10 mg Filmtbl. auch für die allergische Rhinitis ab 15 Jahren).

Makrolid-Antibiotika

3. Patienten ohne Nasenpolypen könnten am stärksten von einer längerfristigen (über 3 Monate) Behandlung mit einem Makrolid-Antibiotikum profitieren.

Makrolid-Antibiotika. Auch bei Patienten ohne Nasenpolypen wurde eine kurzfristige Behandlung (< 3 Wochen) mit Antibiotika (z. B. Amoxicillin/Clavulansäure, Cefuroxim) in Studien untersucht. Sie könnte am ehesten bei purulenter Infektion hilfreich sein, jedoch ist die Datenlage nicht eindeutig. Eine längerfristige (z. B. dreimonatige) Behandlung mit einem Makrolid-Antibiotikum wie z. B. Clarithromycin, Azithromycin oder Roxithromycin kann dagegen bei dieser Patientengruppe in Erwägung gezogen werden.

Die Auswertung von Untersuchungen mit H1-Antihistaminika (z. B. Cetirizin, Loratadin), Anti-IgE-Antikörpern (z. B. Omalizumab), topischen Antimykotika (Amphotericin B) ergab keine Evidenz für eine Anwendung dieser Substanzgruppen bei chronischer Rhinosinusitis. |

Quelle

Rudmik L, Soler ZM: Medical Therapies for Adult Chronic Sinusitis. A Systematic Review, JAMA (2015); 314(9):926-939, doi:10.1001/jama.2015.7544.

Rhinosinusitis. Leitlinie (2sk) der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V., Stand: 01.03.2011, Gültigkeit auf Antrag des Leitliniensekretariats verlängert bis 29.2.2016, AWMF-Register 017/049

Rhinosinusitis. Leitlinie (2sk) der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Stand Februar 2008 (Gültigkeit abgelaufen), AWMF-Register 053/012

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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