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Einig ja – aber stark?

Dr. Benjamin Wessinger, Chefredakteur der DAZ

Einen Apothekertag der Einigkeit hatte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt im Gespräch mit der DAZ prognostiziert („Apothekertag wird ­Einigkeit ausstrahlen“, DAZ 2015, Nr. 38). Damit hat er Recht behalten. Er sagte aber auch, dass man eine „klare Botschaft“ nach außen senden wolle. Welches diese Botschaft sein sollte, blieb aber unklar.

Schmidts mitreißende und kämpferische Rede zur Eröffnung markierte gleichzeitig auch schon den Höhepunkt des Apothekertags. Natürlich enthielt die Rede viele wichtige Punkte: Den Sinn der Freiberuflichkeit und daraus abgeleitet die Notwendigkeit einer auskömmlichen Honorierung beispielsweise. Aber dass dieses Thema Schmidt eine Herzensangelegenheit ist, ist wahrlich nichts Neues. Oder dass selbst die Engelsgeduld der Apothekerinnen und Apotheker eines Tages am Ende sein könnte und sie all ihre unbezahlten, für die Versorgung der Patienten aber so wichtigen Tätigkeiten einstellen und zum „Dienst nach Vorschrift“ übergehen könnten. Diese Drohung wurde in der anschließenden Diskussion aber gleich wieder relativiert.

Der fachlich-inhaltliche Schwerpunkt des Apothekertags sollte dagegen auf der Digitalisierung des Gesundheitswesens liegen und dabei insbesondere auf den Vorhaben der Apothekerschaft. Gerade dieses blieb aber eher diffus. Zwar stimmten die Delegierten einstimmig der „Schaffung eines IT-Netzes der Apotheken“ zu, doch wer gehofft hatte, die Diskussionsrunde zu ­„E-Health und Apotheke 2030“ werde hier zur Klärung beitragen, sah sich enttäuscht. Dabei war für die Vorträge und die anschließende Diskussion auf dem Podium und mit dem Plenum am Freitagnachmittag viel Zeit eingeräumt worden – war dies doch die einzige Veranstaltung, die wie früher die „Arbeitskreise“ die Antragsberatung unterbrach. Doch klar wurde nur: Wir müssen etwas tun – was genau das sein könnte allerdings eher nicht.

Und so blieben die Forderungen nach Erhöhung der Vergütung an den verschiedensten Stellen und die Klage über die Nichtberücksichtigung bei der Erstellung des Medikationsplans die am lautesten vernehmbaren Botschaften. Natürlich ist die Honorierungsfrage überaus wichtig und „unabdingbar“, wie Schmidt betonte. Aber die Hauptversammlung ist laut ABDA-Satzung für die „berufspolitische Willensbildung“ der deutschen Apothekerinnen und Apotheker da. Im letzten Jahr bestätigte sie den Weg, den der Berufsstand mit dem Perspektivpapier einschlagen will. Und dieses Jahr? Will die Apothekerschaft mit Elan und Dynamik ins digitale Zeitalter aufbrechen oder nicht? Wollen die Apotheker in den Bummelstreik treten, wenn ihre Forderungen weiterhin ignoriert werden, oder nicht? Eine Willensbildung, ja vielleicht sogar Klärung dieser Frage war nicht erkennbar.

Einigkeit ist ein hohes Gut, vor allem bei einem so kleinen Berufsstand wie dem unseren. Aber sie ist kein Selbstzweck. Man muss schon klären, wofür man einig und geschlossen kämpfen will. Die Chance, dies zu tun, hat der diesjährige Apothekertag nicht genutzt.

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