Arzneimittel und Therapie

Welche Therapie hilft bei Arthrose im Knie?

Hyaluronsäure punktet, Paracetamol fällt ab

In einer Netzwerk-Metaanalyse wurden verschiedene Möglichkeiten zur medikamentösen Behandlung einer Kniearthrose verglichen. Das Fazit: Geeignet sind orale NSAIDs sowie die intraartikuläre Injektion von Hyaluronsäure, Paracetamol zeigt nur eine geringe Wirksamkeit.
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Obwohl Beschwerden aufgrund einer Osteoarthritis des Knies immer häufiger werden – auch prädisponierende Faktoren wie Alter, Übergewicht oder Sportverletzungen nehmen zu –, ist nicht klar, welche medikamentöse Therapie am besten hilft. Dies ist zum einen der Komplexität und Heterogenität der Erkrankung, aber auch vieler zu kurz angelegter Studien geschuldet. Eine amerikanische Arbeitsgruppe unternahm daher den Versuch, gängige Therapien miteinander zu vergleichen und zu werten. In einem ersten Schritt wurden mithilfe einer Datenbankanalyse randomisierte Studien gesucht, in denen zwei oder mehr der folgenden Therapiemöglichkeiten miteinander verglichen wurden: Einnahme von Paracetamol, Diclofenac, Naproxen, Celecoxib, Placebo sowie intraartikuläre Applikationen von Corticosteroiden, Hyaluronsäure, Placebo. Aus diesen Studien wurden Angaben zur Schmerzlinderung, zur physiologischen Funktion und zur Beweglichkeit des Knies festgehalten. Anschließend wurden die Ergebnisse von 137 Studien mit mehr als 33.000 Teilnehmern mithilfe einer Netzwerk-­Metaanalyse (s. Kasten) miteinander verglichen. Dabei konnten folgende Aussagen getroffen werden:

Netzwerk-Metaanalysen

Liegen vergleichende Studien zu mehreren Therapien für dieselbe Indikation vor, können diese mithilfe von Netzwerk-Metaanalysen miteinander verglichen werden. Dabei werden ­Ergebnisse aus direkten Ver­gleichen zwischen zwei Behandlungen und solche aus ­Vergleichen zwischen anderen Therapien zusammengeführt. Es ist also ein simultaner Vergleich mehrerer therapeutischer Interventionen.

Schmerzlinderung

Bei der Schmerzlinderung waren sämtliche Verum-Optionen der oralen Placebo-Gabe überlegen. Am wirksamsten erwies sich die Applikation von Hyaluronsäure, die geringste Wirkung zeigte Paracetamol. Naproxen, Ibuprofen, Diclofenac sowie intraartikulär applizierte Hyaluronsäure und intraartikulär gegebene Corticoide zeigten eine statistisch signifikant bessere Wirksamkeit als Paracetamol. Die intraartikulären Therapien waren effektiver als die orale Gabe eines NSAIDs. Intraartikulär appliziertes Placebo war wirksamer als oral gegebenes Placebo.

Physiologische Funktion

Was die physiologische Funktion des Gelenks anbelangt, so waren mit Ausnahme der intraartikulären Corticoid-Gaben alle Verum-Optionen der oralen Placebo-Gabe überlegen. Ferner zeigte sich die Überlegenheit oraler NSAIDs im Vergleich mit Paracetamol. Was die intraartikulär applizierten Therapien anbelangt, so wurde Hyaluronsäure statistisch signifikant besser beurteilt als Placebo oder ein Corticoid.

Beweglichkeit des Gelenks

Im Hinblick auf die Beweglichkeit des Gelenks waren NSAIDs statistisch signifikant besser wirksam als Placebo oder Paracetamol. Intraartikulär applizierte Hyaluronsäure war wirksamer als eine Placebo-Injektion.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass auf der Grundlage dieser Ergebnisse und unter Berücksichtigung möglicher Nebenwirkungen für jeden Patienten eine passende Therapie ausgewählt werden kann. Bei intraartikulären Injektionen zeigte sich teilweise ein zusätzlicher Placebo­effekt. |

Quelle

Bannuru R et al. Comparative effectiveness of pharmacologic interventions for knee osteoarthritis: A systematic review and network meta-analysis. Ann Intern Med. 2015;162:46-54

Mandl L et al. Relative efficacy of knee osteoarthritis treatments: Are all placebos created equal? Ann Intern Med. 2015;162:71-72

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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