Prisma

Spilanthol – Alternative für Botox?

Faltenglättung durch Muskelrelaxation

cae | Das aus der Parakresse isolierte Spilanthol ist ein Alkamid, das verschiedenen Hautpflegeprodukten zugesetzt wird, die als sanfte Alternative zum Botulinumtoxin beworben werden.

Spilanthol (N-Isobutyl-deca­trienamid)

Die Parakresse (Spilanthes oleracea

syn. Acmella oleracea) ist nach dem brasilianischen Bundesstaat Para an der Mündung des Amazonas benannt. Der Name „Kresse“ verweist auf den scharfen Geschmack, der auf dem ­Spilanthol beruht. Während die echten Kressen zu den Cruciferen gehören, ist die Parakresse eine Composite und z. B. mit den Arzneipflanzen Echinacea (die ebenfalls Alkamide enthalten) sehr nahe verwandt.

Schon bald nach der Entdeckung Südamerikas wurde die Parakresse von den Seefahrern um den Globus verbreitet und wird seither z. B. in Südafrika, in Südostasien und im südlichen China angebaut. Die frischen Blätter sind reich an Vitamin C und Folsäure und werden als Zutat zu Salaten, Suppen und gekochtem Gemüse verzehrt. Die Blütenköpfe enthalten 1,2 Prozent Spilanthol, das in dieser Konzentration ­lokalanästhetisch wirkt; Zubereitungen wurden deshalb volksmedizinisch gegen Zahnschmerzen angewandt. Obwohl die Parakresse in Europa – im ­Gegensatz zu den Tropen – keine nennenswerte Rolle als Heilpflanze gespielt hat, fehlt sie nicht in der Liste der Stoffe, die das Bundesministerium für Gesundheit durch die Rechtsverordnung vom 29. 11. 2000 von der Verordnungsfähigkeit in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen hat.

Wenn Spilanthol in einer geeigneten Zubereitung auf die Haut aufgetragen wird, dringt es in die Hornschicht ein und kumuliert dort. Als Lokalanästhetikum entspannt es die Hautmuskeln, die für die Faltenbildung mitverantwortlich sind. Die langfristige Anwendung soll nicht zur Gewöhnung, sondern im Gegenteil zu einer Konditionierung führen, sodass die Dosis erniedrigt werden kann. Spilanthol wirkt nicht so stark wie Botulinumtoxin, das Muskelkontraktionen gänzlich verhindert und damit auch die persönliche Mimik auslöscht. Dies sehen die Hersteller von Spilantholpräparaten als großen Vorteil an. Weil Spilanthol kein Arzneistoff ist, fehlen allerdings fundierte Studien über die Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen. |

Quellen: van Wyk B-E. Handbuch der ­Nahrungspflanzen. Stuttgart 2005:353. – Lautenschläger H. Nervensache – erwünschte und ­unerwünschte Effekte. Kosmetik Int 2013;62(2):40–42

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