Arzneimittel und Therapie

Helicobacter pylori den Garaus machen

Welches Therapieregime am besten hilft

In einer Netzwerk-Metaanalyse wurde die gängige Standard-Triple-Therapie zur Eradikation einer Helicobacter-pylori-Infektion mit alternativen Behandlungsarten verglichen. Das Ergebnis überraschte: Die derzeit empfohlene siebentägige Standardtherapie schnitt am schlechtesten ab. Der Zusatz von Probiotika verbesserte das Behandlungsergebnis.

Für die Eradikation einer Helicobacter-pylori-Infektion wird derzeit eine siebentägige Triple-Therapie bestehend aus PPI, Clarithromycin und Amoxicillin oder PPI, Clarithromycin und Metronidazol empfohlen. [Anmerkung: Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wird zurzeit aktualisiert]. Neben diesen Standardtherapien werden zahlreiche weitere Behandlungsregime praktiziert, teilweise um Resistenzen entgegenzuwirken und höhere Ansprechraten zu erzielen. Doch welches ist die effektivste Therapie mit den geringsten Nebenwirkungen? Mit dieser Frage befasste sich eine chinesische Arbeitsgruppe, die unterschiedliche Therapiemöglichkeiten in einer Netzwerk-Metaanalyse miteinander verglich. In die Analyse gingen 143 Studien ein, die 14 verschiedene Regime (s. Tabelle) zur Therapie einer Helicobacter-pylori-Infektion untersucht hatten. Zur Ermittlung der Wirksamkeit wurden die Daten von mehr als 32.000 Patienten ausgewertet und von rund 22.000 Probanden zur Einschätzung der Verträglichkeit.


Tab.: Untersuchte Therapieregime und ihre Helicobacter-pylori-Eradikationsraten
Schema
Zusammensetzung
Eradikations-raten
7 Tage triple
Standard-Triple-Therapie: 7 Tage PPI plus Clarithromycin plus Amoxicillin oder Metronidazol
73%
7 Tage konkomitierend
7 Tage PPI plus 3 Antibiotika (oftmals Amoxicillin, Clarithromycin und 5-Nitroimadazol)
94%
10 oder 14 Tage Sequenz
5 oder 7 Tage PPI plus Amoxicillin, gefolgt von 5 oder 7 Tagen PPI plus Clarithromycin plus 5-Nitroimidazol oder Amoxicillin
87%
10 oder 14 Tage triple
10 oder 14 Tage PPI plus Clarithromycin plus Amoxicillin oder Metronidazol
81%
10 oder 14 Tage Wismut
10 oder 14 Tage PPI plus Wismut plus 2 Antibiotika
85%
7 Tage Wismut
7 Tage PPI plus Wismut plus 2 Antibiotika
79%
10 oder 14 Tage konkomitierend
10 oder 14 Tage PPI plus 3 Antibiotika (oftmals Amoxicillin, Clarithromycin und 5-Nitroimidazol)
91%
7 Tage probiotisch
7 Tage Standard-Triple-Therapie plus Probiotika
83%
10 oder 14 Tage probiotisch
10 oder 14 Tage Standard-Triple-Therapie plus Probiotika
90%
7 Tage Ranitidin-Wismut
7 Tage Ranitidin-Wismutcitrat plus 2 Antibiotika (Amoxicillin, Clarithromycin oder Metronidazol)
82%
10 oder 14 Tage Ranitidin-Wismut
10 oder 14 Tage Ranitidin-Wismutcitrat plus 2 Antibiotika (Amoxicillin, Clarithromycin oder Metronidazol)
86%
7 Tage Levofloxacin
7 Tage PPI plus Levofloxacin plus 1 Antibiotikum
76%
10 oder 14 Tage Levofloxacin
10 oder 14 Tage PPI plus Levofloxacin plus 1 Antibiotikum
90%
14 Tage hybrid
7 Tage PPI plus Amoxicillin, gefolgt von 7 Tagen PPI plus Amoxicillin plus Clarithromycin plus 5-Nitroimidazol
89%

Minus für Standardtherapie, plus für Probiotika

Das Ergebnis war überraschend: Die Standard-Triple-Therapie über sieben Tage hinweg schnitt mit einer Eradikationsrate von 73% am schlechtesten ab (s. Tabelle). Weniger überraschend war die Tatsache, dass eine Verlängerung der Behandlung die Eradikationsquoten verbesserte, aber auch das Risiko von Nebenwirkungen erhöhte. Am wirksamsten mit einer Eradikations­rate von 94% war die sieben Tage dauernde konkomitierende Behandlung, allerdings beruht dieses Ergebnis auf einer relativ geringen Patientenzahl.

Beratungshinweisfür die Apotheke

Wahrscheinlich wirkt sich die Einnahme von Probiotika günstig auf das Therapieergebnis und das Ausmaß unerwünschter Nebenwirkungen aus. Hinweise auf den Verzehr probiotischer Nahrungsmittel (z. B. Joghurt) erscheinen daher sinnvoll.

Der Zusatz von Probiotika erhöhte die Eradikationsraten und verringerte bei einer einwöchigen Behandlung die Nebenwirkungen. So verursachte die siebentägige Standard-Triple-Therapie plus Probiotika die wenigsten unerwünschten Wirkungen. Allerdings ist noch unklar, mit welchen Probiotika – Art der Bakterienstämme, Dosis, Dauer der Einnahme – die besten Ergebnisse erzielt werden. Bis zur Klärung dieser Frage erscheint es sinnvoll, dem Patienten die Zufuhr probiotischer Nahrungsmittel zu empfehlen, so ein Kommentator der Netzwerk-Metaanalyse. |

Quelle

Bao-Zhu Li et al. Comparative effectiveness and tolerance of treatments for Helicobacter pylori: systematic review and network meta-analysis. BMJ 2015;351:h4052.

Braden B. The best and worst treatments for helicobacter pylori. BMJ 2015;351:h4146.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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