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Orale Zytostatika und Neues aus der Onkologie

Bayern: 14. NZW-München mit Vorträgen, Workshops und Industrieausstellung

MÜNCHEN (pj) | Der 14. NZW-München, der vom 4. bis 5. September 2015 stattfand und von 350 Teil­nehmern besucht wurde, war in zwei große Themenblöcke gegliedert: In eine Fachtagung zur oralen Krebstherapie und in ein Update zu Neuerungen in der Onkologie. Begleitet wurde der Kongress von zahlreichen Workshops und einer Industrieausstellung.
Foto: DAZ/pj

Angeregte Diskussionen mit Prof. Dr. Hans-Peter Lipp.

Der erste Kongresstag war aktuellen Themen aus der medizinischen Onkologie gewidmet. Wie Prof. Dr. Günther Wiedemann, Ravensburg, in seinen einleitenden Worten hervorhob, dürfen trotz vieler Innovationen und interessanter Perspektiven aktuelle Missstände in der Onkologie wie etwa Lieferengpässe für wichtige Zytostatika und überteuerte Medikamente in der Therapie weit fortgeschrittener Tumorerkrankungen nicht in den Hintergrund geraten. Angesichts teurer Medikamente, die häufig nur zu marginalen Verbesserungen führen, müssten sich die Mediziner auf die alten ärzt­lichen Tugenden besinnen und hinterfragen, ob auch alles Machbare gut für den Patienten ist. Dass zumindest ein Teil des Machbaren mit Vorteilen für den Patienten verbunden ist, zeigten zahlreiche Vorträge wie etwa zur Immuntherapie, zur Lymphombehandlung und zur prädiktiven Molekularpathologie, die wiederum die Voraussetzung für eine stratifizierte Therapie bildet. Im Festvortrag wurden Grundlagen aufgezeigt, die die Entwicklung neuer Medikamente wie etwa Antikörperkonjugate, Tyrosinkinasehemmer, B-Zellrezeptor-Signalweg-Inhibitoren oder epigenetische Therapeutika ermöglichten. Die Entwicklung neuer Wirkstoffe orientiert sich nicht mehr an dem erkrankten Organ, sondern an bestimmten Targets, die Ausdruck molekularer Veränderungen oder bestimmter Treibermutationen sein können. Im Blickpunkt stehen derzeit Checkpoint-­Inhibitoren, die das körpereigene Immunsystem veranlassen sollen, sich gegen Tumorzellen zu richten. Der Einsatz dieser Therapeutika ist nicht mehr organspezifisch, sondern für die Behandlung unterschiedlicher Tumorentitäten gedacht. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die die momentane Hype um die Immunonkologika nicht teilen und raten, vor einer Bewertung weitere Studienergebnisse und Langzeitfolgen abzuwarten.

NZW-München

Der von der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) veranstaltete NZW-München (früher NZW-Süd) ist einer der drei großen pharmazeutisch-onkologischen Fachkongresse in Deutschland. Seit 2014 wird dieser Kongress, der ursprünglich als post-ASCO-Meeting konzipiert war, von einer Fachtagung zur oralen Krebstherapie begleitet und richtet sich auch an öffentliche Apotheker, um deren Beratungspotenzial zu stärken. Der NZW-Dresden, der jeweils im Juni stattfindet, ist vornehmlich dem Arbeitsschutz und der Arbeitssicherheit gewidmet; der im Januar abgehaltene NZW spiegelt das ganze Spektrum der onkologischen Pharmazie wider.

Neue Wirkstoffe = neue Nebenwirkungen

Eingriffe in das Immunsystem durch Immunonkologika wie etwa Checkpoint-Inhibitoren bedingen aufgrund der aktivierten T-Zellen unerwünschte Wirkungen an gesunden Organen. Das „entfesselte“ Immunsystem kann zu immunvermittelten Ereignissen führen, die rechtzeitig erkannt werden müssen, da sie ansonsten lebensbedrohlich sein können. Unter diese irAEs (immune related adverese events) fallen gastrointestinale, dermatologische, hepatologische, neuro­logische und endokrine Ereignisse ­sowie sonstige immunvermittelte ­Nebenwirkungen. Daher müssen die Patienten engmaschig überwacht werden, zur Therapie dieser unerwünschten Ereignisse werden Glucocorticoide und gegebenenfalls Cyclosporin A eingesetzt.

Orale Zytostatika: Neue Aufgaben bei der Beratung

Wie Klaus Meier, Präsident der DGOP, bei der Eröffnung der Fachtagung zur oralen Krebstherapie hervorhob, nimmt die Zahl der Krebspatienten, die eine orale Tumortherapie erhalten, stetig zu. Somit wächst auch der Bedarf an einer kompetenten Beratung durch den Apotheker – höchste Zeit also, die Grundlagen hierfür zu schaffen und Potenzial und Qualität der Beratung zu stärken. In mehreren Vorträgen wurde die Vielschichtigkeit dieser Aufgabe dargelegt und erstes Rüstzeug zur Bewältigung dieser neuen Aufgaben vermittelt. Neben grundlegenden Ausführungen zur interdisziplinären Zusammenarbeit, zur Adhärenz und Kommunikation und zu Supportivmaßnahmen wurden Informationsmöglichkeiten wie etwa die Datenbank der DGOP (https://dgop-oralia.de) vorgestellt, aber auch Grenzen der pharmazeutisch-onkologischen Beratung aufgezeigt. Weitere Vorträge befassten sich mit speziellen Themen wie etwa der Verabreichung oraler Zytostatika bei Kindern, mit der Vermeidung von Kontaminationsrisiken und der Therapietreue älterer Patienten. |

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