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Einsatz für mehr Arzneimittelsicherheit

Apotheker und Ärzte arbeiten in Leipzig Hand in Hand

LEIPZIG (jz) | Es gibt unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die sich nicht vermeiden lassen, aber auch solche, die vermeidbar sind – und genau diese wollen sich Ärzte, klinische und Krankenhaus-Apotheker in Leipzig vorknöpfen. Ein interdisziplinäres Projekt von Universität und Universitätsklinikum will die Prävention arzneibezogener Probleme gemeinsam vorantreiben und hat dafür vergangene Woche das Zentrum für Arzneimittelsicherheit (ZAMS) gegründet.
Foto: Stefan Straube/UKL

Dr. Roberto Frontini (li.) und Prof. Dr. Thilo Bertsche wollen als ZAMS-Direktoriumsmitglieder künftig die Prävention arzneibezogener Probleme vorantreiben.

„Die Arzneimittelsicherheit ist sehr wichtig“, betonte Dr. Roberto Frontini, Direktor der Leipziger Krankenhausapotheke und Direktoriumsmitglied des neuen Zentrums. Allein im UKL ließen sich jährlich rund 1200 Medikationsfehler vermeiden, schätzt er. Probleme mit unerwünschten Arzneiwirkungen gebe es in jedem Krankenhaus, erklärte Prof. Dr. Thilo Bertsche, Professor für Klinische Pharmazie an der Leipziger Universität, der ebenfalls im ZAMS-Direktorium sitzen wird. Die Frage sei, ob man sich ihnen stelle: „Wir wollen Medikationsfehler möglichst vermeiden, damit es gar nicht erst zu arzneimittelbezogenen Problemen kommt.“ Dafür wird der pharmazeutische Einsatz im Klinikbetrieb systematisch strukturiert. Zudem setzen die Projektbeteiligten auf eine enge Verzahnung mit anderen Krankenhäusern sowie dem ambulanten Sektor. Neben Ärzten und Pflegekräften spielen auch die Patienten und ihre Angehörigen eine entscheidende Rolle bei der Arzneimittelsicherheit. Sie sollen in der richtigen Anwendung von Arzneimitteln geschult werden – beispielsweise wurde eine Notfall-Dummy-Puppe entwickelt, an der Eltern üben können, wie sie ­ihrem Kind bei einem Kieferkrampf eine Tablette verabreichen können. „Wir wollen den Gesamtprozess der Medikation, von der Verordnung durch den Arzt bis hin zur Anwendung am Patienten, sicher gestalten“, so Bertsche. Es gehe nicht um Laborforschung, sondern um anwendungsorientierte Versorgungsforschung.

Ökonomischer Mehrwert

In der Universitätsleitung stießen die Pharmazeuten und Mediziner mit ihren Plänen auf offene Ohren: „Das Zentrum passt exakt in unsere Forschungsstrategie hinein“, erklärte Prof. Dr. Thomas Lenk, Prorektor für Entwicklung und Transfer an der Universität. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe der Universität, interdisziplinäre Grundlagenforschung und zugleich Forschung am gesellschaftlichen Bedarf orientiert zu betreiben – wenn möglich drittmittelgefördert, wie das neue Zentrum. Lenk ist überzeugt: „Es gibt einen gesellschaftlichen Bedarf für das ZAMS“, zudem biete es einen Mehrwert, es leiste einen ökonomischen Beitrag – indem es letztlich Kosten einspare.

Kein Signal für Fortbestand des Pharmazieinstituts

Losgehen soll es mit dem neuen Gemeinschaftsprojekt im Laufe des Jahres: Das Zentrum wird Räumlichkeiten der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie in der Leipziger Brüderstraße beziehen, nur wenige Meter neben dem noch immer von der Schließung bedrohten Pharmazeutischen Institut und unweit des Universitätsklinikums. Als Fingerzeig für die Zukunft des Instituts will Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, die Entscheidung für das neue Zentrum allerdings nicht verstanden wissen. Sie sei unabhängig von der aktuellen Diskussion gefallen, erklärte er. |

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