Arzneimittel und Therapie

Zytokinblockade bei Psoriasis

Mit Secukinumab ist das erste Biologikum zur First-line-Therapie zugelassen

Mit Secukinumab (Cosentyx®) steht seit Juni 2015 das erste Biologikum zur systemischen Primärtherapie der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis erwachsener Patienten zur Verfügung. Der monoklonale Antikörper neutralisiert selektiv Interleukin-17A und verringert dadurch inflammatorische Prozesse. Secukinumab wird alle vier Wochen subkutan appliziert. In der Haut werden klinisch relevante Wirkstoffspiegel erreicht und lokale Entzündungsparameter reduziert, was zu einer raschen Abnahme von Erythemen, Verhärtungen und Schuppungen führt.
Foto: Novartis

Secukinumab, ein Antikörper gegen Interleukin-17A, ist eine neue First-line-Option für Psoriasis-Patienten.

Bei der Pathogenese einer Psoriasis spielen immunologische Fehlsteuerungen eine wichtige Rolle. So werden die von T-Helferzellen produzierten proinflammatorischen Zytokine Interleukin (IL)-17 und insbesondere IL-17A überexprimiert, was sich unter anderem in chronisch-entzündlichen Hautmanifestationen äußert. Daher konzentrieren sich die neueren Therapieansätze gegen Psoriasis auf eine Unterbrechung der IL-17-Signalkaskade. Verschiedene Biologika wie TNFα-Blocker oder IL-12/23-Hemmer greifen bereits in diesen Signalweg ein. Ihr neuester Vertreter ist Secukinumab, ein gegen Interleukin-17A gerichteter, rekombinanter, vollständig humaner monoklonaler Antikörper (s. Kasten). Er blockiert selektiv die biologische Aktivität von IL-17A, das bei erkrankungs­bedingten Hautläsionen in hohen Konzentrationen auftritt. Dadurch hemmt Secukinumab die Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine und weiterer gewebeschädigender Mediatoren. Secukinumab wirkt weit unten in der Entzündungskaskade, was eine gewisse Selektivität bedingt und ein zielgerichtetes Eingreifen in das Krankheitsgeschehen gestattet.

Biologika zur Behandlung der Psoriasis

Erstlinien-Therapie

  • Secukinumab (Cosentyx®); IL-17A-Antagonist

Zweitlinien-Therapie

  • Etanercept (Enbrel®); TNFα-Antagonist
  • Infliximab (Remicade®); TNFα-Antagonist
  • Adalimumab (Humira®); TNFα-Antagonist
  • Ustekinumab (Stelara®); IL12/23-Antagonist

Hohe Ansprechrate

Die Zulassung von Secukinumab beruht auf den zwei großen Phase-3-Studien ERASURE und FIXURE, die Teil eines umfangreichen Studienprogramms sind. In der ERASURE-Studie mit rund 750 Teilnehmern wurde Secukinumab mit Placebo verglichen. Die PASI-75-Ansprechrate lag unter dem Verum bei rund 82%, unter einer Placebogabe bei 4,5%. Auch war der Anteil der Patienten, die in der zwölften Therapiewoche eine PASI-90- oder PASI-100-Response zeigten, gegenüber der Placebogabe signifikant erhöht. In der FIXURE-Studie mit rund 1300 Probanden wurde Secukinumab mit Etanercept verglichen. Dabei wurde unter anderem eine signifikante Überlegenheit von Secukinumab im Hinblick auf die PASI-75-Response bestätigt. Ferner zeigte sich eine raschere Abnahme der Symptome unter Secukinumab als unter Etanercept. So hatten 54% der Probanden unter Behandlung mit 300 mg Secukinumab und 42% der Probanden mit der 150-mg-Dosis bereits nach zwölf Wochen kaum noch Symptome (PASI 90) gegenüber 21% unter dem TNF-α-Blocker Etanercept. In der Phase-3b-Studie CLEAR zeigte sich eine Überlegenheit von Secukinumab im Vergleich mit Ustekinumab.

Wert der Woche: PASI-Wert

Ein Parameter zur klinischen Beurteilung einer Psoriasis ist der Psoriasis Area and Severity Index (PASI). Er teilt für die Bewertung der Erkrankung den Körper in vier Areale (Kopf, Torso, Beine, Arme). Hautläsionen dieser Regionen werden nach Schwere und Ausdehnung prozentual erfasst und zu einem Gesamtwert von PASI 0 bis PASI 75 addiert. Ab PASI 10 spricht man von einer mittelschweren bis schweren Form der Psoriasis. Für die Messung des Behandlungserfolgs wird ebenfalls der PASI-Wert herangezogen. Hier wird die prozentuale Verbesserung im Vergleich zum Ausgangswert gemessen. Derzeit gilt PASI 75, das heißt eine 75%ige Verbesserung des Hautbildes als Therapieziel für eine erfolgreiche Behandlung.

Unerwünschte Ereignisse und Kontraindikationen

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen gehören Infektionen der oberen Atemwege wie etwa Nasopharyngitiden, die bei rund jedem fünften Patienten auftreten. Häufige unerwünschte Wirkungen sind oraler Herpes, Rhinorrhö, Diarrhö und Urtikaria; gelegentlich treten orale Candidosen, Tinea pedis, Otitis externa, Neutropenien und Konjunktivitis aus. In den Studien waren Häufigkeit und Schweregrad unerwünschter Ereignisse unter Secukinumab vergleichbar mit denjenigen unter einer Therapie mit Etanercept und Ustekinumab. Kontraindikationen für die Gabe von Secukinumab sind akute Infektionen wie etwa eine aktive Tuberkulose. Patienten, die an Morbus Crohn leiden, sollten unter einer Therapie mit Secukinumab engmaschig überwacht werden. Dasselbe gilt für Patienten mit chro­nischen oder rezidivierenden Infek­tionen.

Monatliche subkutane Injektion

Die empfohlene Dosis beträgt 300 mg Secukinumab als subkutane Injektion. Zu Beginn der Behandlung erfolgt eine Injektion in den Wochen 0, 1, 2 und 3, dann in monatlichen Abständen. Jede 300-mg-Dosis wird in Form zweier subkutaner Injektionen zu je 150 mg verabreicht. Eine Applikation durch den Patienten ist nach einer Schulung möglich.

Hinweise für die Beratung

Treten unter einer Therapie mit Secukinumab Zeichen einer Infektion auf, sollte der Arzt konsultiert werden.

Impfungen mit Lebendimpfstoffen sind unter einer Therapie mit Secukinumab kontraindiziert. |

Quelle

Fachinformation Cosentyx® 150 mg Injektionslösung in einem Fertigpen (Stand April 2015)

Adami S et al. The role of interleukin-17A in psoriatic disease. BioDrugs 2014;28(6):487-97.

Langley RG et al. Secukinumab in plaque psoriasis: results of two phase 3 trials. N Engl J Med 2014;371:326-38.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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