Arzneimittel und Therapie

Einen „Wolf“ gelaufen

Cremen gegen Hautschäden durch Schwitzen

Wenn man sich „den Wolf“ gelaufen hat, kann das äußerst unangenehm und schmerzhaft sein. Anhaltende mechanische Reibung, starkes Schwitzen und Sommerhitze machen vor allem Körperfalten zu einem ständigen Ziel für Intertrigo. Überall dort, wo Hautflächen aneinander reiben oder die Kleidung scheuert, ist eine Schädigung der Haut nahezu vorprogrammiert. Besonders häufig betroffen sind Übergewichtige und Sportler.

Die Intertrigo – nach ICD-10-Kriterien auch als intertriginöses Ekzem bezeichnet – ist eine oberflächliche Dermatitis, die an allen Arealen auftreten kann, an denen sich Haut- oder Schleimhautflächen berühren. Zu den typischen Prädilektionsstellen zählen die Achselhöhlen, die Leistenregion, der Genitalbereich, die Afterfurche, Interdigitalräume, aber auch submammäre sowie retroaurikuläre Hautregionen. Bei adipösen Patienten kommen noch die querverlaufenden Bauchfalten hinzu. In diesen intertriginösen Räumen bildet sich leicht eine feuchte Kammer, die eine Mazeration der Haut nach sich zieht. Durch Hitze, Feuchtigkeit oder Schweißbildung und gleichzeitige Reibung entstehen entzündliche Rötungen sowie häufig auch flüssigkeitsgefüllte Pusteln. Zudem berichten die Betroffenen oft über ausgeprägte Missempfindungen wie Brennen und Jucken der wunden Stellen. Körpersekrete wie Schweiß, Urin und Stuhl verschlimmern meist die Hautentzündung und Erythemausprägung; sie können bis hin zu einem Verlust der obersten Hautschicht und damit zu Hauterosionen führen. Eine derartig vorgeschädigte Hautfläche hat wenig Widerstandskraft gegen Sekundärinfektionen und ist eine willkommene Eintrittspforte für Bakterien und Pilze. So kommt es gerade in den großen Hautfalten leicht zu einer Infektion mit Hefepilzen, vor allem mit Candida albicans, und damit zur Ausbildung einer intertriginösen Candidose. Das klinische Bild der Candida-Intertrigo äußert sich in geringfügigem Nässen, an den Rändern zur gesunden Haut sind feine Schuppen zu erkennen, außerdem lassen sich typische Satellitenherde in der näheren Umgebung des Hauptherdes ausmachen. Begünstigende Faktoren neben hohem Lebensalter sind Diabetes mellitus und Adipositas. Oft ist die Candidosis intertriginosa das erste Zeichen eines noch unentdeckten Diabetes mellitus [1].

Foto: ChiccoDodiFC – Fotolia.com

Gefährdete Personen

Besonders anfällig für Intertrigo sind Übergewichtige und Sportler, da ihre Haut häufig Scheuer- und Reibeeffekten ausgesetzt ist. Gerade beim Joggen, Wandern oder Mountainbiken sind die Innenseiten der Oberschenkel bzw. die Haut im Bereich der Analfalte schnell wundgerieben. Für Betroffene bedeutet das Krankheitsbild eine Einschränkung der Lebensqualität, da die wunden Hautflächen jucken und brennen. Bei Pflegebedürftigen steigt zudem das Risiko, dass sich durch zusätzlichen Auflagedruck ein Dekubitus ausbildet. Es zählt daher zu den pflegerischen Aufgaben, ein Wundscheuern durch geeignete prophylaktische Maßnahmen zu vermeiden.

Adäquate Hautpflege

Neben einer Verminderung von Schwitzen und Reibung ist eine sorgfältige Hautpflege wesentlich für die Behandlung wundgescheuerter Bereiche. Generell sollte eine regelmäßige Körperreinigung mit pH-neutralen, hautschonenden Waschgelen oder alkalifreien Syndets erfolgen. Nach dem Waschen bleibt oft Feuchtigkeit auf der Haut zurück, die sich in den Hautfalten ansammeln kann, daher muss die Haut anschließend sorgfältig abgetrocknet werden. Geschädigte Areale werden mit weichen Handtüchern trockengetupft und nicht abgerieben. Kühlende Abwaschungen mit Salbeitee können den Körperschweiß reduzieren und die Hautdurchblutung steigern. Die Wassertemperatur sollte dabei rund 10 °C unter der Körpertemperatur liegen. Auf schwitzenden Hautpartien sollte kein Puder verwendet werden, da sich Klumpen bilden können. Auch Fettsalben eignen sich nicht für die gefährdeten Körperstellen, da diese die Haut luftdicht abschließen und das Auftreten von Intertrigo fördern. Stattdessen sind atmungsaktive Schutzcremes zu empfehlen, um eine Schädigung intakter Haut zu verhindern. Linola® Schutz-Balsam ist wasserdampfdurchlässig und bildet einen wasserabweisenden Hautschutzfilm. So werden Reizstoffe ferngehalten, ohne dass gleichzeitig ein Feuchtigkeitsstau in der Haut entsteht. Zudem wirken verschiedene Komponenten aus Pflanzen Hautirritationen entgegen und unterstützen den natürlichen Regenerationsprozess bereits gereizter Haut. Der Balsam ist frei von Mineralfetten und Silikonen; zudem enthält er keine mineralischen Partikel. Der durchsichtige Schutzfilm ermöglicht eine Haut­beobachtung, außerdem kann er ohne Rückstände aus der Kleidung abgewaschen werden. Bei sportlichen Belastungen oder Harn- und Stuhlinkontinenz sind die problematischen Bereiche mehrmals täglich einzucremen [2]. Alternativ einsetzbar ist z. B. die Cavilon® Langzeit-Hautschutz-Creme, die der Haut gleichzeitig Feuchtigkeit spendet. Sie ist pH-neutral, hypoallergen und wasserfest und bietet einen Schutz für die Haut, der bis zu drei Waschungen übersteht [3]. Auch die Ilon® Protect-Salbe verspricht, einen langanhaltenden, feuchtigkeitsresistenten Schutzfilm zu bilden und dabei die Atmungsaktivität der Haut zu erhalten [5].

Therapie der wunden Stellen ...

Hat sich bereits eine Intertrigo gebildet, lindern entzündungshemmende und hautberuhigende Salben wunde Stellen und beschleunigen den Heilungsprozess. Eingesetzt werden vor allem Zubereitungen mit Zinkoxid. Dieses wirkt schwach antimikrobiell, antiphlogistisch, adstringierend sowie wundheilungsfördernd. Am besten ist eine Paste geeignet. Eine Zinkoxid-Schüttelmixtur sollte hingegen nur zurückhaltend bei nässenden Hautstellen und in okkludierten Hautfalten angewendet werden, da es zu hautreizenden Verklumpungen und Sekretstau kommen kann. Alternativ bietet sich zum Beispiel Mirfulan® Salbe mit Zinkoxid, Harnstoff, Lebertran und Hamamelis an. Allerdings besteht hier die Grundlage aus Wollwachsalkohol, der leicht eine Kontaktdermatitis hervorrufen kann. Aus dem Bereich der Komplementärmedizin kann ein Therapieversuch mit Hepar sulfuris, Graphites, Natrium sulfuricum oder Calendula unternommen werden, unterstützend zur äußerlichen Behandlung mit Calendula-Essenz oder -Wundsalbe. Damit die Irritation möglichst schnell abklingt, ist immer darauf zu achten, dass keine feuchte Kammer mehr vorhanden ist und die betroffenen Haut­areale ausreichend belüftet sind. In die Hautfalten eingelegte Mull- oder Gazestreifen helfen, die betroffenen Partien trocken zu halten. Vorsicht ist geboten, wenn die aufgeriebene Stelle zu einer offenen, nässenden Wunde wird. Hier ist rechtzeitig ein Arzt zur Therapie hinzuzuziehen.

… und der Candida-Infektion

Bei einer Überlagerung der Intertrigo mit Candida albicans kann ein lokales Antimykotikum appliziert werden. Die Behandlung der Hautcandidose erfolgt topisch mit Polyen-Antimykotika wie Nystatin (als Einzelsubstanz bzw. in Kombination mit Zinkoxid z. B. in Multilind® Heilsalbe [4]) oder mit Imid­azol-Antimykotika wie Clotrimazol bzw. mit Ciclopiroxolamin, einem Hydroxypyridon. Je nach Hautzustand ist ein geeignetes Vehikel auszuwählen. Für ein akutes Erythem im intertriginösen Bereich bietet sich besonders eine Paste, eventuell auch eine Lösung an. In der Regel reicht eine Lokalbehandlung aus, in schwerwiegenderen Einzelfällen kann aber auch eine systemische Therapie mit Fluconazol oder Itraconazol erforderlich sein [1].

Prophylaxe ist möglich

Ist die Haut noch intakt, kann der Patient über die auslösenden Ursachen aufgeklärt werden. Dazu gehört eine Reduktion des Körpergewichts und auf schweißtreibende Getränke wie Kaffee oder scharfe Gewürze zu verzichten, außerdem sollten Kunstfasern durch Kleidung aus Baumwolle ersetzt werden (Ausnahme beim Sport). Frauen sollten zudem nicht zu eng sitzende BHs tragen. Bei starkem Schwitzen ist darauf zu achten, dass keine feuchten Kammern entstehen und eine angemessene Körperpflege eingehalten wird. Bei bettlägerigen Senioren lässt sich eine übermäßige Transpiration durch dünne Bettdecken und Bettwäsche vermeiden. Immobile Patient sollten regelmäßig umgelagert,werden damit gefährdete Hautareale ausreichend belüftet sind und der Haut-zu-Haut-Kontakt durch die Lagerung reduziert wird. Bei bestehender Inkontinenz werden am besten luftdurchlässige Produkte verwendet, die bei Durchfeuchtung schnell gewechselt werden müssen. Sportlern wird empfohlen, vor dem Sport vor allem die besonders anfälligen Hautstellen wie die Innenseiten der Oberschenkel, die Brustwarzen, den Leisten- bzw. Intimbereich oder die Achseln präventiv mit einer Schutzcreme einzureiben. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehört auch das Tragen von spezieller Funktionskleidung. Diese leitet Schweiß nach außen ab und sorgt so für eine gute Durchlüftung. Durch eng anliegende, elastische und atmungsaktive Laufhosen und Shirts wird das Aneinanderreiben von verschwitzter Haut vermieden. Beim Radsport sind ein Fahrradsattel mit einer guten Polsterung und ein gutes Trainingspensum wichtig. Häufig kommt es nach längeren Trainings­pausen zum Wundscheuern der Haut. Die ersten Trainingseinheiten sollten langsam begonnen und die Dauer dann kontinuierlich gesteigert werden. |

Literatur

[1] Candidose der Haut, AWMF-Leitlinie 013/005, Stand 12/2010

[2] Produktinformation Linola® Schutz-Balsam: www. linola.de

[3] Cavilon®-Hautschutzprodukte: solutions.3mdeutschland.de

[4] Produktinformation Multilind®, www.multilind.de

[5] Produktinformation Ilon® Protect-Salbe, www.ilon-protect.de

Apothekerin Ines Winterhagen

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