Dermatologie

Gegen die Gesichtsröte

Wie sich Erythem, Papeln und Phyme bei Rosazea behandeln lassen

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Von Beate Fessler |Die Rosazea ist eine häufige Dermatose bei Erwachsenen, die sehr belastend sein kann. Sie tritt als Erythem allein oder in Kombination mit Papeln und Pusteln in Erscheinung. Als schwerste Ausprägung können Phyme auftreten. Therapiert wird meist topisch, orientiert an der Symptomatik. Lassen sich Erythem und Papulopusteln damit nicht in die Schranken weisen, ist Doxycyclin niedrig dosiert die systemische Therapie der Wahl. Insbesondere bei Phymen kommt auch eine Lasertherapie in Betracht. Gute Empfehlung für die Patienten: eine adäquate Hautpflege und das Meiden von Triggerfaktoren.

Rezidivierende flushartige Rötungen im Gesicht und eine sehr leicht reizbare Haut: Das kann das Vorstadium einer Rosazea sein, einer der häufigsten entzündlichen Dermatosen im Erwachsenenalter. Sie nimmt einen chronisch-schubhaften Verlauf und manifestiert sich vorzugsweise im Gesicht, seltener auf Brust, Kopfhaut und Nacken. In Deutschland wird die Prävalenz auf 2 bis 5% der Erwachsenen geschätzt [Lehmann P, 2007]. Eine aktuellere Kohortenstudie mit mehr als 90.000 Personen kam auf eine Prävalenz von 2,3% [Augustin M et al., 2011]. Menschen mit hellhäutigem Hauttyp trifft eine Rosazea häufiger als die südländisch dunkelhäutigen Hauttypen.

Erythem – Papulopusteln – Rhinophym

Rosazea, auch als Gesichtsröte oder Couperose bezeichnet, tritt in verschiedenen, sehr charakteristischen Schwere­graden auf.

  • Rosacea erythematosa (Schweregrad I): persistierendes Gesichtserythem mit Aussparung der Periorbitalregion sowie mehr oder minder stark ausgeprägte Teleangiektasien; die Patienten klagen über Brennen, Stechen, trockene Haut und Juckreiz. Das Erythem kann durch verschiedene Faktoren getriggert werden, die individuell ganz unterschiedlich sind. So können Hitze oder Kälte das Erythem ebenso verstärken wie scharfe Speisen, Alkohol oder auch Kosmetika. Als Differenzialdiagnose kommt unter anderem der Lupus erythematodes, das allergische Kontaktekzem, aber auch eine arterielle Hypertonie in Betracht.
  • Rosacea papulopustulosa (Schweregrad II): persistierendes Erythem mit einzeln oder gruppiert stehenden, meist symmetrisch angeordneten Pusteln und Papeln, die unbehandelt über Wochen bestehen bleiben können. Die wichtigste Differenzialdiagnose ist hier die Akne. Unterscheidungskriterium: Bei der Rosacea papulopustulosa treten keine Komedonen auf! Auch das Alter der Patienten ist in der Regel höher. 80% der Rosazea-Diagnosen werden nach dem dreißigsten Lebensjahr gestellt.
  • Glandulär-hyperplastische Rosacea (Schweregrad III): Hyperplasie von Bindegewebe und Talgdrüsen, lokalisiert in Form von „Knollen“ (Phymen) etwa an der Nase (Rhinophym), aber auch an Kinn, Stirn und Ohr. Diese Form der Rosazea betrifft überwiegend Männer. Sie ist äußerst belastend, insbesondere auch für die Lebensqualität der Patienten. Denn als Ursache für ein Rhinophym wird nicht selten fälschlicherweise vermehrter Alkoholkonsum angenommen.

Bei Verdacht auf eine Rosazea sollte der betroffene Patient zur endgültigen Diagnosestellung an den Hautarzt verwiesen werden.

Rosacea fulminans und Steroid-Rosazea

Bei der Rosazea werden einige Sonderformen unterschieden. Dazu gehören

  • Rosacea fulminans: die „Maximalvariante der Rosazea“ beginnt akut bis perakut innerhalb weniger Tage oder Wochen, nur bei jungen Frauen und vermehrt während der Schwangerschaft. Es bilden sich große, erhöhte, teils fluktuierende Knochen und zahlreiche Pusteln. Begleitend können Fieber oder auch ein Gewichtsverlust auftreten.
  • Steroid-Rosazea: wird eine Rosazea – fälschlicherweise – mit Glucocorticoiden behandelt, kann es nach anfänglicher Besserung zu einer Steroid-Atrophie kommen, begleitet von follikulären Papulopusteln und Teleangiektasien. Gleichzeitig kommt es zu einer massiven Besiedelung mit der Demodex-Milbe. Wird das Steroid abgesetzt, verschlechtert sich das Krankheitsbild zunächst und heilt erst im weiteren Verlauf ab. Fazit: Glucocorticoide sind für die Therapie der Rosazea nicht indiziert!

Oft fehldiagnostiziert: Augenbeteiligung

Die Rosazea kann, bei 30 bis 50% der Patienten, auch die Augen befallen – mit Rötung, Juckreiz, Trockenheit und gerötetem Lidrand. Eine Fehldiagnose als Konjunktivitis oder Blepharitis ist nicht selten, zumal die Hautmanifestationen bei Augenbeteiligung sehr zurücktreten können. Bei Rosazea lohnt sich deshalb immer auch ein Blick in die Augen, umgekehrt bei hartnäckigen unklaren Blepharitiden oder Konjunktivitiden ein genauer Blick auf die Haut.

Exkurs Pathophysiologie

Kurz ein Exkurs zur Pathophysiologie: Die Ursachen der Rosazea sind eher unklar. Das persistierende Erythem wird auf eine vasomotorische Dysregulation der Hautgefäße zurückgeführt, die eine chronische Erweiterung der oberflächlichen peripheren Gefäße im Gesicht nach sich zieht [Ohyanagi M et al., 1991]. Diskutiert werden zudem Störungen im angeborenen Immunsystem und neuroinflammatorische Mechanismen. Auch die Haarbalgmilbe – Demodex folliculorum – ist als Ko- und Triggerfaktor in den Fokus der ­Rosazea-Forschung gerückt. Denn der natürlich vorkommende Hautkommensale zeigt eine besonders hohe Dichte auf der Haut von Rosazea-Patienten und kann entzündliche Prozesse in Gang setzen.

Gute Basistherapie und guter Sonnenschutz

Allgemeinmaßnahmen können eine Verbesserung des Krankheitsbildes unterstützten. Allen voran geht es darum die persönlichen Triggerfaktoren, die der Patient meist kennt, konsequent zu meiden. Für die Reinigung werden seifenfreie Syndets empfohlen, von Präparaten mit Menthol, Kampfer, Natriumlaurylsulfat oder Adstringenzien dagegen abgeraten. Auch wasserfeste Kosmetika sind nicht geeignet. Befürwortet wird aber durchaus eine abdeckende Foundation, die sich positiv auf die Lebensqualität auswirken kann. Zahlreiche Inhaltsstoffe in Kosmetika gelten als hautirritierend und sollten vorsichtshalber vermieden werden. Dazu gehören unter anderem Fruchtsäuren, Salicylsäure, Urea, Retinoide, Propylenglykol, Emulgatoren, Konservierungsmittel sowie Farb- und Duftstoffe. Solange ein vom Arzt verordnetes wirkstoffhaltiges Produkt angewendet wird, sollte auf zusätzliche Pflegeprodukte verzichtet werden! Nicht vergessen werden darf ein geeigneter Sonnenschutz gegen UV-A- und UV-B-Strahlung, denn UV-Strahlen gelten als Triggerfaktor einer Rosazea. Hautärzte empfehlen als besonders verträglich oft physikalische Sonnenblocker auf Basis von Titandioxid und Zinkoxid.

Topische Therapie: gezielt gegen Erythem und Pusteln

Bei Rosazea ist eine topische Therapie meist ausreichend. Nur in schweren Fällen wird die Kombination mit systemischen Arzneimitteln empfohlen. Als Topika in Deutschland zugelassen sind Metronidazol 0,75% (z. B. Metrocreme®, Metrogalen®, Metrolotion®, Rozex®) in verschiedenen Darreichungsformen (Gel, Creme, Lotion, Emulsion), Azelainsäure 15% Gel (Slinoren®), Brimonidin 0,5% Gel (Mirvaso®) sowie Ivermectin 10 mg/g Creme (Soolantra®, siehe unter „Arzneimittel und Therapie“ „Weg mit Papeln und Pusteln“, ). Bislang am häufigsten eingesetzt wird Metronidazol 0,75%, das in dieser Konzentration antiinflammatorisch und immunsuppressiv wirkt. Bei seborrhoischer Haut wird es eher als Gel, bei trockener Haut als Creme verwendet. Metronidazol-Zubereitungen werden zweimal täglich appliziert. Eine Alternative ist Azelain 15% Gel, das ebenfalls zweimal täglich bei papulopustulöser Rosazea zugelassen ist und sich in direkten Vergleichsstudien mit Metronidazol als äquieffektiv erwies. Mit Ivermectin steht seit Kurzem ein Antiparasitikum für die Therapie der papulopustulösen Rosazea zur Verfügung, das sich, einmal täglich appliziert, in einer Vergleichsstudie gegenüber Metronidazol als überlegen erwiesen hat [Taieb A et al., 2015]. Patienten, die nur unter einem fazialen Erythem leiden, kann Brimonidin empfohlen werden. Der Alpha-2-Adrenorezeptor-Agonist, der zu einer anhaltenden Vasokonstriktion führt, ist zugelassen für die symptomatische Therapie des Gesichtserythems bei Rosazea. Tachphylaxie- oder Reboundphänomene wurden bislang nicht beobachtet.

Es ist durchaus möglich, eine topische Therapie zu unterbrechen, wenn die Symptome erfolgreich behandelt sind. In einer direkten Vergleichsstudie zwischen Ivermectin und Metronidazol kam es nach Absetzen der Behandlung erst nach 115 bzw. 85 Tagen zu einem Rezidiv. Wird die Therapie dann erneut begonnen, ist sie wieder effektiv.

Hautpflege bei Rosazea

Die empfindliche Haut von Rosazea-Patienten erfordert eine besondere Pflege. Unumgänglich ist eine regelmäßige, konsequente Reinigung der Haut am Morgen und am Abend. Auf aggressive Reinigungssubstanzen sollte dabei verzichtet werden. Ebenso auf alkalische Seifen, da diese den pH der Haut erhöhen, wodurch die Haut irritiert werden kann. Empfohlen werden Syndets die Amidobetaine, Sulfosuccinate und Alkylpolyglykoside enthalten. Sie reinigen sehr schonend und trocknen die Haut nicht aus. Nicht enthalten sein sollten z. B. Natriumlaurylsulfat, Natriumdodecylbenzolsulfonat oder Alkyllaurylsulfat, sie können die Haut extrem reizen.

Da eine Rosazea sowohl bei trockener als auch bei fettiger bzw. bei Mischhaut auftreten kann, müssen unbedingt an den Hauttyp angepasste Pflegeprodukte ausgewählt werden! Es gibt verschiedene apothekenexklusive Kosmetikprodukte, die sich an Personen mit zu Rötungen neigender empfindlicher Haut richten. Dazu gehören zum Beispiel Avène® Antirougeurs mit Avène® Thermalwasser, Bioderma Sensibio® AR mit Ginkgo- und Tee-Extrakt, CouBeVen® von Adler Pharma mit hochverdünnten Mineralstoffen, Dermasence® Refining mit Ruscus-, Centella-asiatica- und Calendula-Extrakt, Eucerin® AntiRötungen mit SymSitive® und Licochalcone A, Haut in Balance®Coupeliac mit Calendula- und Weihrauch-Extrakt, La mer Med® Couperose mit Meeresschlick- und Algen-Extrakt, Lierac® Prescriptions anti-rougeurs mit Ruscus-Extrakt und La Roche-Posay® Rosaliac mit Thermalwasser.

Systemisch: Doxycyclin teilretardiert

Bei schweren oder therapieresistenten Formen der Rosazea ist eine systemische Therapie indiziert, am häufigsten mit Tetracyclinen, allen voran Minocyclin oder Doxycyclin. Das einzige für die systemische Therapie der papulopustulösen Rosazea explizit zugelassene Präparat ist Doxycyclin 40 mg in teilretardierter Formulierung. Es wirkt, bestimmungsgemäß einmal täglich eingenommen, nicht antibiotisch, sondern antientzündlich – ohne das Risiko der Induktion bakterieller Resistenzen.

Eine Frage der Ernährung?

Es gibt keine spezielle „Rosazea-Diät“. Oft machen die Patienten aber die Erfahrung, dass bestimmte Nahrungsmittel bei ihnen eine Vasodilatation und eine Flush­-symptomatik auslösen. Dazu gehören zum Beispiel Alkohol, Kaffee oder schwarzer Tee, scharfe Gewürze oder zu heiße Speisen oder Getränke. Diese Lebensmittel sollten dann weitestgehend gemieden werden.

Alternativen zu Arzneimitteln: Laser und Co.

Neben der medikamentösen Intervention ist bei Rosazea unter bestimmten Voraussetzungen durchaus auch an den Laser oder die photodynamische Therapie zu denken. Mit letzterer liegen gute Erfahrungen aus Einzelbeobachtungen und kleineren Fallserien vor. Mit dem Laser lassen sich Teleangiektasien gut behandeln, weniger gut das flächige Erythem. Vor allem aber wird der Laser eingesetzt zur ablativen Therapie bei Phymen, bei denen auch eine Dermaabrasion in Betracht kommen kann. Narben, Blasenbildung und Schmerzen sind mögliche Nebenwirkungen. |

Quelle

Reinholz M, et al. Rosazea – S1 Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, AWMF-Register Nr. 013/065

Lehmann P. Rosazea: Epidemiologie, Pathogenese, Klinik und Therapie. Dtsch Ärztebl 2007;104:1741-1746

Augustin M et al. Prevalence of skin lesions and need for treatment in a cohort of 90.880 workers. Br J Dermatol 2011;165:865-873

Taieb A et al. Superiority of ivermectin 1% cream over metronidazole 0,75% cream in treating inflammatory lesions of rosacea: a randomized, investigator-blinded trial. Br J Dermatol 2015;172(4):1103-1110

Ohyanagi M et al. Differential Activation of αl- and α2-Adrenoceptors on Microvascular Smooth Muscle During Sympathetic Nerve Stimulation. Circ Res 1991;68:232-244

Autorin

Dr. Beate Fessler ist Apothekerin und arbeitet als freie Medizinjournalistin unter anderem für die Deutsche Apotheker Zeitung.

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