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Honorarfrage ist ein „extrem dickes Brett“

ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold beim Niedersächsischen Apothekertag

STADE (tmb) | Werbung für das Perspektivpapier, Rechtfertigung für die jüngste Arbeit und Einschätzungen zu den verbleibenden Baustellen für die laufende Legislaturperiode waren die wesentlichen Inhalte des Berichtes zur politischen Lage, den ABDA-Vizepräsident ­Mathias Arnold beim Niedersächsischen Apothekertag am 21. Juni in Stade präsentierte. Dabei verbreitete er nur gedämpften Optimismus zur Honorarfrage, präsentierte aber positive Eindrücke von einer ­Zukunft mit E-Health.
Foto: DAZ/tmb

Mathias Arnold: „Es wird an uns liegen, dass der Patient mit dem Smartphone zu uns kommt.“

Zur Umsetzung des Perspektivpapiers erklärte Arnold, „vor uns liegen die Mühen der Ebene“ und meinte, in der Ebene sei das Vorankommen schwer zu erkennen. Zur Gesetzgebung in der laufenden Legislaturperiode erklärte er, Gesundheitsminister Gröhe arbeite konsequent den Koalitionsvertrag ab und werde damit voraussichtlich im Sommer 2016 fertig sein. Arnold bemühte sich, die Leistungen der ABDA bei diesem Prozess positiv darzustellen. Man habe auf mögliche Schäden durch einzelne Formulierungen achten müssen. In das Präventionsgesetz seien die Apotheker nicht aufgenommen worden, weil dieses Gesetz finanzielle Voraussetzungen für die Prävention schaffen solle, aber nicht auf eine Festlegung ziele, wer welche Prävention leisten soll. Das Gesetz verfolge den Ansatz der „Prävention in Lebenswelten“, aber „wir sind eine wohnortnahe Lebenswelt“, so Arnold. Darum sollten die Apotheker dort jetzt ihre Projekte einbringen.

Hinsichtlich des E-Health-Gesetzes wertete es Arnold als Erfolg, dass ein einzelnes Projekt wie der Medikationsplan in ein sonst allgemein gehaltenes Gesetz zur Förderung der Telematikinfrastruktur aufgenommen worden sei. Zur Einbindung der ­Apotheker in die Erstellung des Medikationsplans gebe es Gespräche mit Abgeordneten auf allen Ebenen. Er sei sich ziemlich sicher, dass sich dort noch ­etwas bewege.

Zukunft mit der Telematik

In der Telematik sieht Arnold viele „Baustellen“ wie den elektronischen Medikationsplan und die Kartenterminals. Im Gegensatz zu früher betrachte er das elektronische Rezept aber nicht mehr als Problem, weil die technische Entwicklung inzwischen dezentrale Lösungen nahelege. So könnten elektronische Rezepte von Smartphones über Bluetooth oder ähnliche lokale Übertragungsmöglichkeiten abhörsicher in der Apotheke übermittelt werden. Doch „es wird an uns liegen, dass der Patient mit dem Smartphone zu uns kommt“, prognostizierte Arnold. Die Apotheker sollten sich überlegen, wie solche Apotheken aussehen müssten.

Probleme und Chancen bei der Honorierung

Probleme sieht Arnold dagegen eher in der Honorierung. Das Kombimodell habe zu einer guten Entwicklung des Gesundheitswesens beigetragen, aber die Apotheker würden nicht davon profitieren. Möglicherweise sei daher ein in Teilen neues Honorierungssystem nötig. Arnold erklärte, er sei nicht überzeugt, dass eine Regelung zur Anpassung der Honorierung in dieser Legislaturperiode zu erreichen sei, denn dies stehe nicht im Koalitionsvertrag. „Das ist ein extrem dickes Brett“, so Arnold. Gute Chancen sieht er dagegen bei der Anpassung von Honoraren für konkret bestimmte Leistungen. Es sei logisch, bei Rezepturen nicht nur die Herstellung, sondern auch die ­Abgabe und Beratung zu honorieren. Auch zur Erhöhung der Betäubungsmittelgebühr und zur Erhöhung des Nachtdienstfonds auf die zugesagten 120 Millionen Euro gab sich Arnold optimistisch. Doch es warten noch ­andere Themen auf die Apotheker. Als weitere potenziell relevante Vorhaben der Regierung nannte Arnold das ­IT-Sicherheitsgesetz und ein Gesetz zur Palliativversorgung. |

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