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Das System braucht die Apotheker

Apothekerkammer Schleswig-Holstein: Delegierte enttäuscht über Medikationsplan

KIEL (tmb) | Das Perspektivpapier der Apotheker sollte nicht als Momentaufnahme verstanden werden, aber es sei auch nicht erst für 2030 gültig, erklärte Kammerpräsident Gerd Ehmen bei der Kammerversammlung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein am 10. Juni in Kiel. Wegen der Geschwindigkeit von Veränderungsprozessen in allen Bereichen sollten die Apotheker nicht nur beobachten, sondern auch gestalten.

Das hohe Ansehen der Apotheker sei zugleich Lob und Zukunftsauftrag, aber „wer den Beratungsauftrag durch Dumpingpreise ersetzt, ist im Heilberuf überflüssig“, erklärte Ehmen. Ein solches Umfeld schrecke junge Kollegen von den nötigen Investitionen ab. Die Einbindung der Apotheker in die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement sei konsequent und steigere die Effektivität und die Effizienz der Therapie. „Unsere Kompetenz nicht zu nutzen, ist mehr als fahrlässig“, folgerte Ehmen. Dennoch würden die Apotheken von manchen Vertretern der Krankenkassen nur als Ende einer Logistikkette gesehen. Die Leistung der Apotheken könne letztlich nur verstehen, wer diese selbst oder bei Angehörigen erlebt habe, so Ehmen.

Dementsprechend enttäuscht zeigten sich etliche Delegierte über die geringe Berücksichtigung der Apotheker bei den laufenden Gesetzesvorhaben, insbesondere zum Medikationsplan. Ob dies als Erfolglosigkeit der ABDA zu werten sei, wurde kontrovers diskutiert. Insbesondere um dem Berufsnachwuchs eine attraktivere Perspektive zu bieten, sei mehr Honorar nötig. Allerdings machten einige Delegierte deutlich, dass die Nachwuchswerbung hauptsächlich in den Apotheken stattfinden müsse.

Foto: DAZ/tmb

Bei der Kammerversammlung in Kiel (v. l.): Justiziar Dr. Stefan Zerres, Präsident Gerd Ehmen, Geschäftsführer Frank Jaschkowski.

Notdiensttausch eingeschränkt

Den größten Teil der Sitzungszeit befasste sich die Kammerversammlung mit der neuen Notdienstverteilung. Insgesamt zeigte sich die Kammer ­zufrieden mit der Umstellung zum Jahresbeginn. Zu kritischen Stimmen erklärte Kammerjustiziar Dr. Stefan Zerres, die Kammer habe allen Gesprächswünschen entsprochen. „Zu 99 Pro­zent“ habe sich dabei ergeben, dass die Kritik auf Missverständnissen beruhte oder sich auf Sachverhalte bezog, die schon seit Jahrzehnten bestehen.

Als einzige formale Änderung beschloss die Kammerversammlung, dass die Notdienste ab 2016 nur noch innerhalb von vier Wochen nach der Bekanntgabe frei und danach nur in begründeten Einzelfällen – allerdings ohne Bearbeitungsgebühr – getauscht werden dürfen. Zerres erklärte dazu, viele kurzfristige Änderungen würden die Zuverlässigkeit der Notdienstangaben und damit das System insgesamt gefährden. Außerdem können nun künftig wieder gedruckte Notdienstpläne erstellt werden.

Notdienstverteilung: Tücken im Detail

Die Delegierten diskutierten jedoch intensiv über Details des neuen Systems, besonders über die Notdienste in der Umgebung ärztlicher Notdienstzentralen an Wochenenden und Feiertagen. Etliche Delegierte erklärten, es sei schwer vermittelbar, wenn in solchen zentralen Orten keine Apotheke dienstbereit sei. Daraufhin wurde vorgeschlagen, dass dann in solchen Städten eine Apotheke freiwillig zu den Kernzeiten zusätzlich öffnen dürfen sollte. Eine Apothekerin aus dem Umland einer solchen Stadt kritisierte dies als Rosinenpickerei. Dann erziele die Apotheke in der Stadt beachtliche Umsätze, und die Apotheke im Umland müsse mit ihrem verpflichtenden Dienst den unattraktiven Rest übernehmen. Nach ausgiebiger Diskussion entschied die Kammerversammlung mit großer Mehrheit gegen die vorgeschlagenen freiwilligen Öffnungsmöglichkeiten an Sonn- und Feiertagen.

Weitere Diskussionsthemen waren die Anforderungen der fahrenden Notdienstärzte, die früheren Teildienste in ländlichen Regionen, die Besonderheiten der Urlaubsgebiete und notwendige manuelle Änderungen der Aushänge in der Nähe von Küsten und an Landesgrenzen. |

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